ProSiebenSat.1: Konzernumbau soll es richten

Bislang lief es bei Europas führendem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 eigentlich nicht schlecht. Umsätze und Erlöse legten kontinuierlich zu und Anleger freuten sich über eine Dividendenrendite von zuletzt 5,19 %. Doch in den letzten drei Jahren bröckelte die Aktie zusehends ab. Und nun eine Umsatzwarnung.

Steter Konzernumbau bei ProSiebenSat.1

Mit einem Konzernumbau will ProSiebenSat.1 seine Geschäfte straffen und operativ wachsen, wie es heißt. Dabei ist schon länger erkennbar, dass dunkle Wolken aufziehen. Im Fernsehgeschäft richtig Geld zu verdienen wird immer schwieriger.

Herkömmliches lineares TV verliert Anteile an digitale Verbreitungskanäle. Dem frei empfangbaren Bereich machen rückläufige Werbeumsätze zu schaffen, während Bezahlangebote im Internet durch Streamingdienste wie Netflix & Co. unter Druck stehen. Amazon wird nun sogar vollends zum TV-Anbieter und startet 26 Fernsehkanäle.

Bisher hat es der Privatsender aus Unterföhring bei München verstanden, sich dem Wandel in der Medienlandschaft strukturell anzupassen. Auch auf frühere Veränderungen reagierte ProSiebenSat.1. mit Konzernumbau. Wenige Jahre nach Konzerngründung mit dem Zusammenschluss von ProSieben und Sat.1 im Jahr 2000 wurde international zugekauft und das Geschäft in die beiden Felder Free-TV und Diversifikation aufgegliedert. Schon damals geriet frei empfangbares Fernsehen unter Druck.

2010 ging der Umbau weiter: Im Free-TV wurde massiv gestrichen und der Personalbereich umorganisiert. Gleichzeitig entstand eine Reihe neuer Geschäftsbereiche wie die Red Arrow Group, zuständig für Produktion, neue Formate und Programmvertrieb. 2015 wollte man sich von der Fernsehabhängigkeit lösen. ProSiebenSat.1 trieb den Konzernumbau in ein digitales Entertainment und E-Commerce-Unternehmen voran.

Die Luft wird dünner

Der Kauf von Internet-Plattformen wie ParshipElite, das Vergleichsportal Verivox oder die Onlinevertriebe Amorelie und Brille24 waren nur ein Teil. Vor allem wurde in die hauseigene Online-Videothek Maxdome investiert. Das Kalkül, über Werbung auf allen anderen Kanälen zahlende Nutzer zu gewinnen, ging zunächst auf. Selbst der deutsche Markteintritt von Netflix machte neugierig auf Filme im Netz und beflügelte die Zahlen.

Doch mit immer mehr Konkurrenten, nicht zuletzt Amazon, wurde die Luft dünner. Die mittlerweile eine Million Maxdome-Kunden reichen noch nicht, um den Bereich aus den roten Zahlen zu holen. ProSiebenSat.1 muss seine Gewinnerwartungen auf 2018 verschieben. Gleichzeitig hat sich das Fernsehwerbegeschäft zuletzt überraschend schwach gezeigt. Verkäufe wie des Flugreiseportals Etraveli für 319 Mio. € an den Finanzinvestor CVC bringen zwar kurzfristig Geld in die Kasse, dünnen aber den wichtigen Bereich des E-Commerce aus.

Umsatzwarnung und Wachstumsprobleme gibt es auch bei Maxdome: Erneut prüft daher ProSiebenSat.1 einen Konzernumbau. Kern der Planspiele sind Zusammenlegungen und die Schaffung einer eigenen Unterhaltungssparte. So könnte die Sendergruppe mit dem Bereich Digital Entertainment unter ein Dach kommen – Maxdome eingeschlossen.

Planspiele mit Spin-Offs

Reorganisationen und Zusammenschlüsse sind auch bei den Bereichen Content Production und Commerce Thema. Hier will man schneller wachsen und gegebenenfalls Investoren hinzuziehen. Zu den Überlegungen gehören auch mögliche Börsennotierungen. Inwieweit mit Spin-Offs neue Anlegerchancen entstehen, müsste sich natürlich erst zeigen.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und sich rapide ändernden Konsumgewohnheiten wird das Geschäft nicht einfacher. Gleichzeitig werden die begehrten Zielgruppen älter, was beim Fernsehen einen Spagat im Angebot erfordert. Hinzu kommt, dass auch die Älteren zunehmend mehr Zeit mit sozialen Medien und Online-Diensten verbringen.

Die Quoten im klassischen TV nehmen ab, der Kampf um Marktanteile verlagert sich in den digitalen Bereich. Selbst das ZDF sieht seine Zukunftsfähigkeit in der Online-Mediathek. Und auch hier kommt es vermehrt auf mobile Endgeräte und Anwendungen an.

Bei ProSiebenSat.1 wird Maxdome eine entscheiden Rolle spielen. Viel hängt davon ab, ob vom nächsten Jahr an nachhaltige Gewinne zu erwarten sind. Die Analysten sind mehrheitlich skeptisch. Auf weitere Kursverluste sollte man sich einstellen.

29. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt