Quartalszahlen: Dax-Unternehmen im Endspurt

In der Regel geben die letzten drei Monate eines Jahres dem Dax nochmal den finalen Kick. Diesmal hat die Jahresendrally den Leitindex ab Ende Oktober innerhalb weniger Tage von 12.953 Punkten auf die Marke von 13.525 gehoben.

Es folgte eine Korrektur und dann erst mal Pause. Nach den ersten Quartalszahlen vieler Dax-Unternehmen wartete alles auf den Höhepunkt der Berichtssaison im dritten Quartal.

Quartalszahlen der Dax-Unternehmen teils durchwachsen

Nach neun Monaten eines Geschäftsjahres ist es schließlich ein wichtiger Indikator fürs Gesamtergebnis. Und: Weil sich die traditionell etwas früher veröffentlichten Zahlen der US-Unternehmen über den Dow Jones als Vorgabe auf den Dax auswirken, zeigen die deutschen Geschäftsergebnisse, ob sich der Aufwärtstrend bestätigt.

Als dann zum Höhepunkt der Berichtssaison über ein Drittel der Dax-Unternehmen ihre Quartalszahlen nahezu zeitgleich vorlegten, herrschte am deutschen Aktienmarkt zunächst skeptische Zurückhaltung. Das lag weniger an der Informationsflut als an den teils durchwachsenen Zwischenbilanzen. Dabei gab es auch einige freudige Anlässe. Der Markt hatte vielfach schlicht mehr erwartet.

Zahlen einiger Dax-Konzerne: Ergebnisse und Reaktionen

So bei Adidas. Der Sportartikelhersteller verzeichnet eine abgeflachte Wachstumskurve. Dabei hätte das Umsatzplus von 8,7 % ohne Währungseffekte bei 12 % gelegen, was eigentlich für den Konzern spricht. Das Ergebnis kletterte gleich um 35 % in die Höhe.

Bei der Allianz schlugen Naturkatastrophen ins Kontor. Nach Steigerungen in den Vorquartalen blieb der Umsatz auf Kurs. Er stieg von 27,7 Mrd. € auf 28,3 Mrd. €. Der operative Gewinn aber sank von 3 Mrd. € auf 2,5 Mrd €. Unterm Strich verbleiben 1,6 Mrd. €. Angekündigt wurde ein Aktienrückkaufprogramm von 2 Mrd. €, was den Kurs stützen wird. Die Ergebnisse waren weniger schlimm als erwartet.

Zuvor hatte BMW für Enttäuschung gesorgt. Der Wandel in der Autobranche mit der Entwicklung neuer Antriebsarten erfordert hohe Investitionen. Und die nagten am Gewinn, er rutschte um 6 % ab. Was fast noch schwerer wiegt: Die Rendite fiel hinter die von Daimler und sogar Audi zurück.

Dafür kam bei der Commerzbank Freude auf. Im Konzernumbau sorgten Immobilien- und Beteiligungsverkäufe für einen Gewinn von 472 Mio. €. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 288 Mio. € zu beklagen. Die gestiegene Kernkapitalquote lag mit 13,5 % über den Erwartungen.

Auch bei Continental rollt der Rubel. Trotz höherer Rohstoffpreise wurden in den ersten neun Monaten der Umsatz um 9 % und der Gewinn um 10,3 % gesteigert. Erfreulich zudem: die Eigenkapitalquote von 41 %.

Gut ist manchmal nicht gut genug: Boomt bei der Deutschen Post ohnehin das Express- und Paketgeschäft, konnte auch im dritten Quartal ein Umsatzplus von 5,6 % sowie ein Ertragsanstieg im 10,5 % vermeldet werden. Trotz hervorragender Aussichten gab sich der Markt enttäuscht.

Anders bei der Telekom. Der Umsatz stieg um 0,9 %, ohne Währungseffekte um 3,3 %. In der Höhe legte der operative Gewinn zu. Zwar war hier mehr erwartet worden, doch in den USA betrug der Zuwachs 6,1 %. Beim aufs Jahresende veranschlagten Cashflow-Anstieg um 12 % kam Stimmung auf.

Freude auch beim ehemaligen Sorgenkind E.On. Bei leicht geringerem Umsatz legte der Gewinn um 13 % zu. Auf die ersten neun Monate gesehen werden ganze 50 % Plus vermeldet. Und: Die Schulden sind um nahezu ein Drittel gesunken. Die Sanierung kommt gut voran.

Gemischt ist das Bild bei Merck, wo der Umsatz leicht unter und das bereinigte Ebitda-Ergebnis leicht über den Erwartungen lag.

Die Münchner Rück bekommt die Auswirkungen der jüngsten Hurrikanserie zu spüren. Der Quartalsverlust beträgt 1,4 Mrd. €, ist aber geringer als befürchtet. Höhere Versicherungsprämien sollen für Ausgleich sorgen. Was an der Börse gut ankommt: Die Eigenmittel sind überraschend hoch.

ProSiebenSat1 macht Sorgen. Der Umsatz stieg um 3 %, allerdings nur beim Geschäft mit Online-Portalen. Das Ebitda-Ergebnis ist unverändert. Unterm Strich blieb 1 Mio. € mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Aussichten wurden nach unten korrigiert. Die Aktie gab um 9 % nach.

Für Siemens war es das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2016/17. Insgesamt stieg der Nettogewinn um 11 %, der Umsatz um 4 %. Erwartet wurde mehr. Belastend sind die Probleme der Sparten Kraftwerke sowie Windkraft. Die sorgten beim Ergebnis im Industriegeschäft für ein Quartalsminus von 10 %.

Im Aufwind dagegen Vonovia. Steigende Mieten und Immobilienwerte bescherten dem Wohnungskonzern in den letzten neun Monaten beim operativen Ergebnis einen Zuwachs von 20 %.

Insgesamt waren im Dax die vorher schon veröffentlichten und weitgehend guten Ergebnisse bereits im Kurs eingepreist. Dass Gewinnmitnahmen und Enttäuschungen auf teils hohem Niveau den Dax erst mal drücken, bietet bei den insgesamt guten Aussichten eher eine Chance zum Einstieg.

Übrigens: Quartalszahlen sind nicht nur ein Korrektiv gegen reine Spekulationen, sie sind auch die Grundlage für die Ermittlung von Dividenden. Wenn attraktive Ausschüttungen winken, werden selbst gut bewertete Aktien nicht so schnell verkauft – Kurspflege im Dreimonatsrhythmus sozusagen.

13. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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