Recycling Aktien: ein globales Geschäft

Recycling-Aktien stehen für den globalen Druck, Müll für Rohstoffe aufzubereiten. Ein Billionenmarkt, der letztlich viele Bereiche umfasst. (Foto: Evan Lorne / Shutterstock.com)

Müll macht Millionen – dass sich die Wiederverwertung von Abfällen als Geldmaschine erweist, ist nicht neu. Die aktuelle Diskussion um das Problem von Plastikmüll aber bringt aus Anlegersicht Recycling-Aktien erneut ins Bewusstsein. Vermeidung ist eine Sache, viel eher wächst der Druck auf eine noch effektivere Aufbereitung.

Bei Recycling-Aktien international denken

Derweil hat sich der Markt gedreht: Es gibt wieder mehr Müllmengen. Seit Anfang des Jahres lässt China keine Kunststoffabfälle mehr ins Land. In der Folge zahlen Recycler hierzulande nur noch die Hälfte für die angelieferte Tonne, was deren Profitabilität erhöht.

Davon abgesehen profitieren sie erheblich von der vorgeschriebenen Mülltrennung. Als Verbraucher leistet man sozusagen kostenlose Vorarbeit. Zudem gibt man mit jedem gebrauchten Gerät gratis wertvolle Metalle und andere Rohstoffe ins System. Ein Grund mehr, sich etwas Rendite über Recycling Aktien zu holen.

Allerdings: In Sachen Müll muss man international denken. Es gibt kaum deutsche Recycling-Aktien. Eine ist Alba, vormals Interseroh. Der Berliner Wiederverwerter ist hierzulande die Nummer zwei nach dem Familienunternehmen Remondis. Die Recycling-Aktie konnte seit drei Jahren um rund 55 % zulegen. Nach längerem Seitwärtsverlauf sorgten chinesische Investoren für den Auftrieb. Der Infrastrukturdienstleister Bejing Enterprise kaufte erst im großen Stil Müllverbrennungsanlagen von Eon und stieg dann bei Alba Group ein.

Seitdem konnte Alba massiv Schulden abbauen und sich auf die klassische Abfallentsorgung und seine Domäne Stahl-Recyling konzentrieren. Dafür wurde das Unternehmen schlanker. Es verlor rund 40 % seiner Umsätze an die Chinesen, welche die China-Sparte von Alba halten sowie den Service-Bereich, zum neben Sortieranlagen das Duale System mit dem Grünen Punkt gehören. Auch an anderer Stelle wurden die Karten durch Chinesen neu gemischt. Der Schrottverwerter Chiho-Tiande hat den Metall-Recycler Scholz gekauft.

Das große Geschäft kommt noch

Recycling ist ein globaler Billionenmarkt. Das Potenzial wird gerade mit Blick auf die Schwellenländer klar, wo Entsorgungssysteme großteils noch in den Kinderschuhen stecken. Die großen Recycler schielen längst auf die verwertbaren Hinterlassenschaften des zunehmenden Wohlstands, allem voran: Elektronikschrott.

Recycling ist einer der Bereiche, in denen sich der ethische Ansatz Umweltschutz hervorragend für lukrative Geschäfte eignet. Dazu passend hatte etwa Microsoft-Gründer Bill Gates in Waste Management investiert. Das größte amerikanische Abfall- bzw. Recycling-Unternehmen ist schier unaufhaltsam auf Wachstumskurs. Die Aktie konnte in den letzten zehn Jahren um 157 % zulegen. Das Papier ist fair bewertet und hat viel Luft nach oben.

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Noch etwa besser sieht die Recycling-Aktie von LKQ Corporation aus. Das US-Unternehmen ist auf Autoteile spezialisiert. Umsätze und Gewinne steigen seit Jahren, und das meist zweistellig. LKQ ist noch profitabler als Waste Management.

Einer der großen europäischen Unternehmen mit globaler Präsenz ist Umicore. Die Belgier spezialisieren sich neben Katalysatoren und Energie beim Recycling auf Edelmetalle, etwa aus Elektronikschrott oder Batterien, wofür sie die weltweit größten Wiederaufbereitungsanlagen betreiben. Die Aktie machte in den letzten fünf Jahren ein Plus von 176 %. Nach Verlustjahren sprudeln seit letztem Jahr die Gewinne wieder.

Fast genauso die Entwicklung bei Aurubis. Das Hamburger Unternehmen ist einer der weltweit größten Produzenten und Wiederverwerter von Kupfer. Auch andere Metalle werden recycelt. Seit 2016 konnte die Aktie von 37,5 Euro bis über 80 Euro durchstarten. Dank guter Gewinnaussichten dürfte die jüngste Konsolidierung eine gute Einstiegsgelegenheit sein.

Enorme Ressourcenersparnis

Mit Aurubis rückt man bereits aus dem Bereich der Konzerne mit Schwerpunkt Recyling heraus. Zahllose andere betreiben das Geschäft parallel, in der Regel als eigene Rohstoffquelle. So spart sich der Aluminiumproduzent Alcoa allein beim Recycling bis zu 95 % an Strom für die äußerst sehr energieintensive Herstellung.

Dazu umfasst Recycling viele Bereiche. Etwa die Aufbereitung von Wasser. Einer der großen europäischen Konzerne ist Veolia mit Sitz in Paris. Und der mischt auch in der Aufbereitung von Wasser mit, das beim wasserintensiven Fracking mit Chemikalien verseucht wird.

Einen ETF speziell auf Recycling-Unternehmen gibt es wegen der oft schwierigen Abgrenzung zum Kerngeschäft nicht. Recycling-Aktien finden sich höchstens in Öko- und Nachhaltigkeitsindizes.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.