Recycling-Unternehmen: Globales Geschäft als Goldgrube?

Recycling-Unternehmen profitieren vom globalen Trend zur Wiederaufbereitung teils wertvoller Rohstoffe. Ein Billionenmarkt ist in Sicht. (Foto: Evan Lorne / Shutterstock.com)

Die Vermeidung und Wiederverwertung von Müll entlastet die Umwelt und spart Rohstoffe ein. Dieses Bewusstsein breitete sich hierzulande in den 1990er Jahren aus. Es folgte das Duale System mit Trennung und Aufbereitung, und immer mehr Recycling-Unternehmen entdeckten das neue Geschäft.

Recycling-Unternehmen richten sich neu aus

Nach der Aufbruchstimmung sind die Preise längst auf Talfahrt. Der Markt ist mit geringer werdenden Müllmengen hart umkämpft und die Branche richtet sich neu aus. Für Anleger durchaus eine Chance zum Einstieg. Chinesische Investoren haben es vorgemacht. Der Infrastrukturdienstleister Beijing Enterprise kaufte letztes Jahr Müllverbrennungsanlagen von Eon für 1,8 Mrd. € und stieg dann für 300 Mio. € bei Alba Group ein – nach Remondis die Nummer zwei der deutschen Recycling-Unternehmen.

Seitdem konnte die Alba-Aktie um über 27 % zulegen. Alba kann den größten Teil seiner Schulden zurückzahlen und sich aufs Geschäft mit klassischer Abfallentsorgung und Stahl-Recycling konzentrieren. Dafür verlieren die Berliner gut 40 % ihres Umsatzes. Denn die Chinesen halten die Mehrheit an der China-Sparte von Alba sowie dem Servicebereich, zu dem Sortieranlagen und das Duale System mit dem Grünen Punkt gehören.

Parallel hatte bereits der chinesische Schrottverwerter Chiho-Tiande den Metall-Recycler Scholz gekauft. Als Anleger sollte man daher in Zukunft internationaler denken. Recycling-Unternehmen stehen vor einem globalen Billionenmarkt. Gerade in den Schwellenländern nimmt der Müll mit dem Wohlstand zu. Interessant ist dabei die Wiedergewinnung von Rohstoffen, sei es Öl, Holz, Stahl oder wertvolles Industriemetall im Elektronikschrott.

Weltweite Recycling-Quote erst bei 25 %

Nach Schätzung der Weltbank beträgt die weltweite Recyclingquote erst 25 %. Viel Luft für lukrative Geschäfte, die Umweltschutz mit hohen Renditen verbinden. Dies war etwa für Microsoft-Gründer Bill Gates Anlass, in Waste Management zu investieren, das größte Abfall- bzw. Recycling-Unternehmen der USA. Waste Management ist schier unaufhaltsam auf Wachstumskurs. Die Aktie konnte in den letzten fünf Jahren um 141 % zulegen.

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Mit einem Plus von ca. 116 % in dem Zeitraum, kann sich auch LKQ Corporation sehen lassen. Das amerikanische Reycling-Unternehmen ist auf Autoteile spezialisiert. Der Umsatz je Aktie stieg seit 2010 von 8,47 US-$ auf 27,71 US-$, der Gewinn pro Aktie von 0,59 US-$ auf 1,15 US-$ im Geschäftsjahr 2016. Die Sprünge sind aufgrund der hohen Profitabilität größer als bei Waste Management.

Nicht so steil und geradlinig verlief das Geschäft bei Umicore, einem der großen europäischen Unternehmen mit globaler Präsenz. Die Belgier spezialisieren sich neben Katalysatoren oder Energie im Bereich Recycling auf Edelmetalle, etwa aus Elektronikschrott oder Batterien und betreiben dafür die weltweit größten Wiederaufbereitungsanlagen. Die Aktie machte in den letzten fünf Jahren ein Plus von gut 65 %. Nach einem Einbruch 2013 ziehen die Umsätze und Erträge wieder an.

Ähnlich die Entwicklung bei Aurubis. Das Hamburger Unternehmen ist einer der weltweit größten Produzenten und Wiederverwerter von Kupfer. Auch andere Metalle werden recycelt. Nach einem Ergebnis pro Aktie von bis zu 8 € war es 2013 zu herben Verlusten gekommen. Seitdem geht es wieder kontinuierlich bergauf. Für 2016 beträgt es 2,71 €. Auf Fünfjahressicht legte die Aktie um über 82 % zu.

Enorme Ressourcenersparnis

Wie das Beispiel Aurubis zeigt, sind viele Unternehmen nur teilweise im Recycling-Geschäft tätig. Das ergibt sich aber schon aus der Effizienz, die eine Wiederaufbereitung im Vergleich zum Neuerwerb von Rohstoffen bietet. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Alcoa. Der Aluminiumproduzent spart allein beim Recycling bis zu 95 % an Strom in der ansonsten sehr energieaufwändigen Herstellung.

Recycling umfasst letztlich viele Bereiche, wie etwa auch die Aufbereitung von Wasser. Einer der großen europäischen Konzerne ist Veolia mit Sitz in Paris. Die Aktie brachte die letzten fünf Jahre ein Plus von fast 90 %. Einen ETF speziell auf Recycling-Unternehmen gibt es wegen der oft schwierigen Abgrenzung zum Kerngeschäft nicht. Einige Aktien finden sich allerdings in verschiedenen Öko- und Nachhaltigkeitsindizes.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.