Renault Aktie: Abgase vernebeln das Bild

Die Renault Aktie steht nach langer Erholung erneut unter Druck. Ein drohender Abgasskandal überschattet die guten Ergebnisse. (Foto: JPStock / Shutterstock.com)

In der Automobilbranche verschieben sich die Gewichte, die Karten werden neu gemischt. Während Peugeot die GM-Tochter Opel kauft und den Rivalen Renault von Platz zwei in Europa verdrängt, setzt Renault auf den Ausbau seiner Allianz: Im Oktober erfolgte der Einstieg bei Mitsubishi mit 34 %.

Als dann noch die guten Zahlen für 2016 bekannt wurden, sprang die im französischen Leitindex CAC 40 gelistete Renault Aktie von 74 € auf 89 €.

Ein Chef für drei vereinte Konzerne

Gemessen an den Zulassungszahlen steigt Renault mit dem Mitsubishi-Engagement zur weltweiten Nummer drei auf, nach VW und Toyota. Die Franzosen erweitern ihre bestehende Verbindung zu Nissan, wo sie mit 43,4 % das Sagen haben. Forschung, Einkauf und Produktion sind eng verzahnt. Auch am russischen Hersteller Avotaz besteht eine 25 %-Beteiligung.

Die Allianz ist für Synergien, Einnahmen und Marktmacht entscheidend, weshalb sie gerne in den Vordergrund gestellt wird. Künftig heißt sie Renault-Nissan-Mitsubishi. Doch der eigentliche Konzern besteht aus der Kernmarke Renault, der rumänischen Billigmarke Dacia und Samsung Motors aus Südkorea.

Hinter der ganzen Strategie steht ein Manager, der das Unternehmen seit 20 Jahren aus verschiedenen Krisen geführt hat: Carlos Ghosn. 1999 sicherte er den Löwenanteil bei Nissan und rettete die Japaner vor der Pleite. Nach einer Rundum-Sanierung erwiesen sie sich als wertvolles Asset. Ghosn wurde Vorstandschef bei Nissan, dann 2005 zusätzlich bei Renault und seit Dezember 2016 nun auch bei Mitsubishi.

Renault Aktie: steter Aufstieg aus der Tiefe

Die Dreierallianz mit einem Kopf ist eine breite Basis, die in schlechten Phasen für Ausgleich sorgt. So hatte schon der mit Nissan gestiegene Weltmarktanteil im Katastrophenjahr 2008 Schlimmeres verhindert. Parallel zu dramatischen Umsatzeinbrüchen war die Renault Aktie von über 110 € Ende 2007 bis Anfang 2009 auf rund 12 € ins Bodenlose gesunken.

Die Japaner machten schon im zweiten Halbjahr 2009 wieder Gewinne. Und nach rigiden Sparmaßnahmen, dem Verkauf von Volvo-Anteilen und verstärkter internationaler Ausrichtung erholten sich die Zahlen im Konzern. Der Kurs zog an, kam aber bis 2013 nicht über 50 €.

Als es 2013 bei Renault erneut schlechter lief, lieferte Nissan den Ausgleich. Die Japaner produzierten doppelt so viele Autos. Zudem halfen nochmals erhöhte Synergie- und Einspareffekte beim Durchstarten. 2014 verdreifachte sich der Gewinn der Franzosen – und 2015 erhöhte der Staat überraschend seinen Anteil auf 19,7 %. Die Renault Aktie sprang auf 98 €. Danach pendelte sie bis heute um die 80 €. 2015 waren die Umsätze erneut gestiegen, der Gewinn sogar um die Hälfte.

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Letztes Jahr ging die Rekordjagd weiter. Der Umsatz legte um 13 % auf 51,2 Mrd. € zu. Der Verkauf von 3,18 Mio. Fahrzeugen brachte ein EBIT von 3,28 Mrd. €. 38 % mehr als im Vorjahr. Mit dem Gewinn liegt der Kernkonzern an der Seine auf Nummer vier nach Toyota, Daimler und VW. Mit einer Marge von 6,4 % bewegt sich Renault im internationalen Mittelfeld. Während VW die 4 % nicht schafft, glänzt Toyota mit über 8 %.

Pragmatisch der Konkurrenz voraus

Für die Aktionäre bedeutet das alles einen Gewinn pro Aktie von 12,6 €. Die Dividende steigt auf 3,15 €. Renault wächst deutlich stärker als der Gesamtmarkt und profitiert besonders außerhalb Europas. Und zwar nicht nur in China, auch von der Dynamik in der Region Afrika/Nahost/Indien. Gerade die Ausrichtung auf praktische, kleinere und sparsame Autos zahlt sich aus.

So erweist sich der neue Kwid in Indien als Renner. Auf die dortigen Bedürfnisse zugeschnitten ist er ab 3.500 € zu haben und das bei äußerst passabler Ausstattung. Billig, ein paar Einschränkungen, aber ein vollwertiges Auto. Der Wagen erobert auch Südamerika und Afrika mit Erfolg. VW kriegt das nicht gebacken. Dabei machen Billigautos laut Branchenverband 15 % des Weltmarktanteils aus.

Aber auch bei Elektrofahrzeugen ist Renault der Konkurrenz voraus. Während andere am richtigen Konzept tüfteln, erweist sich der ZOE als alltagstauglich und ist gefragt. Die neue Batterie schafft 400 Kilometer. Allein hierzulande ist jedes dritte E-Auto von Renault.

In der LKW-Sparte versucht man sich ebenfalls als Vorreiter. In Lyon testet Renault einen besonders sparsamen Fünfliter-Motor. Er wird mit einem 3-D-Drucker fabriziert und ist so extrem leicht.

Perspektiven vernebelt

Insgesamt hat Renault in der neuen Allianz gute Perspektiven. Und deren Potenziale sind noch lange nicht ausgereizt.  Wäre da nicht der anhaltende Machtkampf wegen des Staatsanteils. Solange er in der Höhe besteht, verweigert Nissan eine geplante noch engere Verknüpfung. Paris stellt sich stur. Doch Nissan ist längst der größere Partner und bringt zwei Drittel des gemeinsamen Absatzes.

Was das ansonsten schöne Bild trübt, ist ein drohender Abgasskandal. Die Justiz ermittelt, das Ergebnis ist offen, doch die Anleger sind alarmiert. Mitte März ist die Aktie um über 7 % abgestürzt. Auch die Analysten sind skeptisch und sehen den Marktrend eher negativ.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.