Riskantere Aktien sind nicht unbedingt renditestärker

Hohe Renditechancen bei geringem Risiko: „Geht das überhaupt?“, werden Sie sich fragen.

Um diese Frage zu beantworten möchte ich Ihnen heute etwas über den Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko erzählen. Denn dieser Zusammenhang ist essentiell für Ihren zukünftigen Börsenerfolg, wird gleichzeitig von vielen Anlegern nicht verstanden.

Viele Anleger sind nämlich der irrtümlichen Meinung, dass mehr Risiko auch mit einem Mehr an Rendite verbunden sein muss.

Getreu dem Motto: Je mehr Risiko ein Anleger eingeht, desto höher müssen auch die zukünftigen Renditen sein.

Höheres Risiko = Höherer Gewinn?

Wer an diesen Zusammenhang glaubt, wird dazu verführt, hochriskante Aktien zu kaufen.

Dies ist auch nur naheliegend, denn wir alle wollen schließlich unsere Anlegerziele so schnell wie möglich erreichen.

Am liebsten wäre es uns, wir würden die nächste Google-, Apple- oder Tesla-Aktie ausfindig machen und dann einen möglichst großen Anteil unseres Vermögens auf diese eine Aktie „wetten“.

Sie haben es vermutlich bemerkt: Das Wort „wetten“ habe ich in Anführungszeichen gesetzt, denn von seriösem Anlegen kann mit dieser Vorgehensweise – ich vermeide bewusst, sie „Strategie“ zu nennen, – nicht gesprochen werden.

Natürlich: Wenn Sie eine solche Wahnsinns-Aktie entdeckt haben, können Sie sich nach Realisierung des Gewinns völlig zu Recht eine gute Flasche Champagner genehmigen.

Das Problem ist nur, dass der beschriebene Rendite-Risiko-Zusammenhang nur im Nachhinein festgestellt werden kann, nicht jedoch im Vorneherein.

Im Vorneherein ist es eben nicht klar, dass eine Entwicklung deutlich besser verläuft als erwartet – das wäre der Apple-, Google- oder Tesla-Fall.

Meistens läuft es eben deutlich schlechter als erwartet.

Und dann gehen derartige Wetten schief, und der risikofreudige Anleger hat einen Großteil seines eingesetzten Vermögens verloren. Warum Sie das nicht beunruhigen muss, habe ich für Sie in den folgenden Absätzen aufbereitet.

Was es mit der sogenannten Risikoanomalie auf sich hat

Was, wenn ich Ihnen nun erklären würde, dass es gerade die Aktien mit niedrigem Risiko sind, die Sie langfristig zu einem erfolgreichen Anleger machen?

Dass es also Aktien mit niedrigem Risiko sind, die die höchsten Renditen versprechen.

Eine auf den ersten Blick unglaubwürdige Aussage, steht sie doch in krassem Gegensatz zu dem, was uns seit jeher von all den schlauen Börsenratgebern und -magazinen gelehrt wird, nämlich dass eine hohe Rendite nur mit hohem Risiko „erkauft“ werden kann.

Und doch ist genau das der Fall.

Bekannt ist dieses Phänomen auch in der akademischen Literatur bereits seit Jahrzehnten unter dem Begriff „Risikoanomalie“.

Es ist wissenschaftlich erwiesen: Risikoarme Aktien entwickeln sich besser

Zahlreiche und umfangreiche Auswertungen, die über einen Horizont von zum Teil mehr als 100 Jahre ausgewertet wurden, beweisen, dass ein Portefeuille aus Aktien mit geringem Risiko ein Portefeuille aus Aktien mit hohem Risiko nicht nur signifikant (mindestens um den Faktor 20!) schlägt, sondern auch über jeden beliebigen Zeitraum und in jedem der relevanten Aktienmärkte, darunter denen Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs oder den USA.

Nochmal zum Mitschreiben: Risikoreiche Aktien erbringen im Durchschnitt niedrigeren Kursgewinne als risikoarme Aktien – obwohl es laut allen Lehrbüchern und Börsenweisheiten genau anders herum sein sollte!

Falls Sie also geglaubt haben, der Unterschied zwischen den beiden Portefeuilles wäre vielleicht vernachlässigbar oder zufällig: Das Gegenteil ist richtig.

Sie mögen sich nun zu Recht fragen, warum Sie davon noch nie etwas gehört haben; warum es in allen Börsenführern genau anders geschrieben steht.

Dazu müssen Sie erst verstehen, wie die Börse funktioniert.

Es ist nämlich die gesamte Industrie der Kapitalanlage darauf getrimmt, Ihnen, verehrter Anleger, möglichst risikoreiche Aktie zu empfehlen.

Die Kapitalanlage-Industrie verschleiert die wahren Verhältnisse

So ist es für einen Börsendienst oder ein Anlegermagazin ungleich attraktiver, risikoreiche Aktien zu empfehlen. Sie vermitteln das Gefühl, dass man mit ihnen (wenn es denn gut geht) schnell und vor allem einfach viel Geld verdienen kann.

Und wenn es nicht gut geht, dann (er)finden die Ratgeber schnell irgendwelche Gründe dafür, die Sie vermutlich nicht nachvollziehen können.

Den unseriösen Ratgebern wird es aber auch allzu leichtgemacht.

Denn viele Anleger kaufen Aktien wie Lotterielose. Sie wollen dem Reiz von aufregenden und schlagzeilenträchtigen Unternehmen erliegen, vor allem von aufregenden und neuen Geschäftsmodellen.

Wie kann man besser im Freundeskreis Eindruck machen als sich frühzeitig in innovativen Industrien positioniert zu haben?

Dass sich die visionäre Weitsicht Monate später dann doch nicht in steigenden Kursen ausgezahlt hat, muss man seinen Freunden ja nicht unbedingt erzählen.

Vermeintlich risikoarme Aktien bleiben dagegen regelmäßig unbeachtet.

Risikoarme Aktien entwickeln sich durchschnittlich weitaus besser

Genau das ist Ihr Vorteil.

Denn erst aus der Nicht-Beachtung einer Aktie ergibt sich für Sie die Chance auf überdurchschnittliche Kursgewinne.

Nur wenn eine Aktie an der Börse missachtet wird, können Unterbewertungen entstehen, die auszunutzen die Grundlage für zukünftige Kursgewinne sind.

Insgesamt gilt es drei besondere Risiken zu vermeiden:

  1. Das Risiko, einem „Rohrkrepierer“ auf den Leim zu gehen, umgeht man am besten durch die Fokussierung auf Unternehmen in marktführender Stellung. Diese haben ihre Marktstellung nicht zu Unrecht, die Burggräben, die das Unternehmen umgeben und schützen, geben hierfür Zeugnis.
  2. Das Risiko, dass sich das Management auf Kosten der Aktionäre bereichert, umgehen Sie durch Fokussierung auf familiengeführte Unternehmen, bei denen ein Großteil der Aktien nach wie vor in den Händen der Gründerfamilien liegt.
  3. Das Risiko, dass die zukünftige Ertragsentwicklung bereits vollständig im aktuellen Kurs eingepreist wurde, umgeht man durch Verwendung eines professionellen, objektiven und unbestechlichen Bewertungsverfahrens.

Wenn Sie diese drei goldenen Regeln stets beachten, kann auf lange Sicht eigentlich nicht mit Ihren risikoarmen Aktien schiefgehen!


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25. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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