Rohstoff-Investments: auf Zukunftstrends setzen

Ein Investment in Rohstoffe kann das Portfolio stabilisieren und gerade mit Blick auf Zukunftstrends beachtliche Renditen bringen. (Foto: Holly Mazour / shutterstock.com)

So erfreulich es auch sein mag, dass Aktien seit der Finanzkrise zulegen, und so sehr Anleger aufgrund enormer Zuwächse von Technologie-Titeln wie Apple, Facebook & Co. profitieren, die Entwicklung ist vor allem den unverändert niedrigen Zinsen geschuldet. Ein stabiles Depot aber braucht langfristig Ausgleich. Wie wäre es da mit einem Investment in Rohstoffe als Beimischung?

Erschwingliche Investments in Rohstoffe

Rohstoffe entwickeln sich völlig anders. Sie unterliegen ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten, wie allein der Ölpreis zeigt. Die Bandbreite ist enorm. Sie reicht vom Klassiker Gold über Industriemetalle bis zu Edelsteinen. Bei Agrarrohstoffen von Getreide, Soja über Kaffee oder Kakao und Holz bis hin zu Schweinen oder Rindern. Nicht alles ist für jeden geeignet. Zumindest sind Rohstoffe als Investment nicht mehr wie früher nur Profis vorbehalten.

Sie werden zwar über Terminkontrakte bzw. Futures gehandelt, doch mit Zertifikaten oder ETCs erhält jeder Kleinanleger einfachen Zugang zur Welt der Sachwerte abseits von Aktien. CFDs indes sind eher für risikobewusste Anleger geeignet. Alternativ kann man in Aktien von Förderunternehmen investieren. Rohstoff-ETFs wiederum bilden ganze Indizes mit einschlägigen Firmen ab.

Bei Rohstoffen hängt der Preis schlicht von Nachfrage und Angebot ab. Langfristig gesehen ist daher ein Investment in Rohstoffe interessant, die vermehrt gefragt sind, knapp werden – oder beides.

Gold der Zukunft

Da wäre einmal die Gruppe von Rohstoffen, die für den technologischen Wandel hin zu E-Fahrzeugen und die Digitalisierung von Industrie und Gesellschaft dringend benötigt und verbreitet als „Öl bzw. Gold der Zukunft“ bezeichnet werden.

Der rapide ansteigende Verbrauch und die teilweise Beschränkung auf wenige Fördergebiete und Bergbaukonzerne lassen die Preise in die Höhe schnellen. So wird es etwa ohne Lithium für Batterien, Coltan oder Mangan sowie Seltene Erden keine Zukunftstechnologien geben. Gleiches gilt für Kobalt und Grafit, die als Treibstoffe für Akkus dienen.

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Allerdings: In der recht neuen Entwicklung ist vieles im Fluss, wobei einige Stoffe an Bedeutung verlieren oder bei denen nach und nach unerwartet größere Vorkommen entdeckt werden.

Kobalt etwa wird in Batterien der künftigen Generation weitaus weniger oder nicht mehr gebraucht. Ein weiteres Beispiel für einen Rohstoff, der langfristig an Bedeutung verlieren dürfte, ist Palladium, das bei Katalysatoren für Verbrennungsmotore unersetzlich ist. Der bisherige Boom ist vor allem der Nachrüstung nach den Dieselskandalen geschuldet.

Sand und Silizium im Auge behalten

Seltene Erden wiederum, ohne die kein Rechner, Handy, Windrad oder Hybridauto auskommt, sind nach neuesten Erkenntnissen gar nicht so selten wie gedacht. Dafür wird etwas anderes selten, das bislang wenige auf dem Radar haben: Sand. Ursache ist der massive Sandabtrag für neue Städte und Infrastrukturen weltweit. Ohne Sand kein Beton, auch die Fracking-Industrie verbraucht Unmengen. Ganze Strände verschwinden, weil grobkörniger Wüstensand nicht brauchbar ist.

Dabei werden aus Sand auch strategisch wichtige Mineralien gewonnen, allen voran Silizium, das überall in der Industrie verwendet wird. Es ist die Basis für Halbleiter. Jeder Wafer, aus dem Chips gestanzt werden, besteht aus Silizium. Sand wird zum wertvollen Zukunftsrohstoff. Der Haken ist das Investment: Es gibt (noch) keinen zentralen Markt und somit keine Derivate. Zu den wenigen börsennotieren Unternehmen weltweit zählen Heidelberger Zement, LafargeHolcim in der Schweiz, CRH in Irland oder Vulcan Material in den USA.

Holzfonds mit Risiken

Als weiteres Rohstoff-Investment mit Zukunft wird gerne Holz als nachwachsender Rohstoff gehandelt. Neben Zertifikaten gibt es geschlossene oder offene Fonds, wobei letztere einen jederzeitigen Ausstieg ermöglichen und das Risiko vermindern. Holz ist ein typisches Langzeitinvestment, das allerdings mit einigen Risiken verbunden ist.

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Zukunftsrohstoffe, die etwa im Agrarbereich Renditen versprechen, da eine wachsende Weltbevölkerung beispielsweise vermehrt Weizen benötigt. Insgesamt sollte man sich mit der Materie genauso auseinandersetzen wie bei Aktien. Selbstläufer mit Renditegarantie gibt es nur wenige. Die Beispiele Kobalt oder Palladium zeigen, wie schnell sich der Markt ändern kann.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.