Rohstoffe: Auch in 2017 kein Grund zur Euphorie

Verfolgt man die Nachrichtenlage, sollte man davon ausgehen, dass im Bereich Rohstoff die Trends 2017 positiv sind. Die OPEC hat seit Langem eine Förderkürzung beschlossen, anstehende Krisen und Unsicherheiten müssten Gold beflügeln, bei Silber wird das Angebot knapp und Donald Trump setzt voll auf Kohle, Öl und Gas.

Schaut man jedoch genauer hin, zeigen in Bezug auf 2017 die Trends bei Rohstoffen Schwächen. Das Zusammenspiel verschiedener, teils gegenläufiger Faktoren macht einen Ausblick aufs kommende Jahr mitunter spekulativ, besonders mit Blick auf volle 12 Monate.

Rohstoff-Trends: 2017 mit vielen Risiken

Gold wird als sicherer Hafen nur dann seinen Tiefen aufsteigen, wenn sich eines der potenziellen Krisenszenarien realisiert: Die Eurozone wird von Populisten und EU-Gegnern bedroht und Trumps angekündigtes Megainvestitionsprogramm erzeugt eine gefährliche Börsenblase.

Bleibt das große Chaos aber aus, steht Gold auf absehbare Zeit und dem Druck eines starken Dollars, attraktiver Aktien und steigenden Zinsen. Die US-Notenbank hat bereits drei Zinsschritte angekündigt. Der Goldpreis dürfte zumindest nicht nennenswert steigen.

Auch Silber, dem als Industriemetall mehr Potenzial zugeschrieben wird, hat kräftig nachgegeben, auf 16 US-$. Im August waren es noch 20 US-$. Die letzten Höchststände gab es 2012 mit bis zu 35 US-$.

Da Silber meist nur ein Beiprodukt ist, werden, anders als bei Gold, keine neuen Minen eigens erschlossen. Zwar ist die Produktion seit letztem Jahr rückläufig und das Angebot knapp, doch von Engpässen ist keine Rede. Während die industrielle Nachfrage sank, stieg die der Anleger. Die Analysten erwarten 2017 im Schnitt einen Preis von etwas über 18 US-$.

Bei Öl hingegen ist der Abwärtstrend gestoppt. Die beschlossene Förderkürzung der OPEC umfasst auch elf Förderländer außerhalb des Kartells, wie Russland. Die angekündigte Drosselung ist eher ein Signal zur Stabilisierung. Die meisten Banken sehen das Ziel bei 60 US-$. Allerdings ist ab Mitte 2017 wieder alles offen. Dann nämlich wird sich zeigen, ob der Beschluss verlängert wird.

Trumps Ausbaupläne beflügeln Rohstoffe

Für den Rohstoff-Trend insgesamt wird zudem entscheidend sein, inwiefern der designierte US-Präsident Trump seine Pläne in die Tat umsetzt. Man kann davon ausgehen, dass der angekündigte Protektionismus mit neuen Handelshürden den Welthandel erheblich schwächt, was eine sinkende Rohstoffnachfrage weltweit zur Folge hätte.

Dass dennoch die Rohstoffpreise und die Aktien der Bergbauunternehmen zulegen, liegt im geplanten Investitionsprogramm begründet. In einem Gewaltakt soll die gesamte Infrastruktur zum internationalen Vorbild werden. Und dafür braucht es Unmengen an Rohstoffen wie Kupfer, Aluminium oder Eisen.

Mit dem nötigen Öl können sich die USA weitgehend selbst versorgen. Ohnehin beinhaltet Trumps Plan nicht nur die Förderung von Fracking, Öl und Gas. Auch sollen etliche Hemmnisse zur Förderung und Erschließung in geschützten Gebieten entfallen, was das Geschäft erleichtert.

Kurzfristig lauern Fallstricke

Der Haken an der Sache: Die erforderliche Rohstoffversorgung lässt sich nicht in Kürze realisieren. Von der Entdeckung neuer Ölfelder und der Genehmigung von Minen bis zur Produktion vergehen viele Jahre. Der ehrgeizige Plan könnte aber schon früher scheitern. Es ist die Kombination aus exorbitanter Verschuldung und einer Abschottung, die gerade auch auf China abzielt.

Bricht die hoch verschuldete chinesische Wirtschaft nachhaltig ein, droht eine Kapitalflucht. Dies würde nicht nur China und Exportländer wie Deutschland, sondern auch die Aktienmärkte treffen.

Kursschwankungen verderben die Laune

Doch ausgerechnet China ist der größte Gläubiger der USA. Seine schärfste Waffe: Wenn es US-Anleihen auf den Markt wirft, rutschen die Kurse und die Zinsen schießen in die Höhe. Die Zinsen dürften ohnehin steigen, weil Trumps Programm die Gesamtverschuldung auf bis zu 27 Bio. US-$ erhöht. Das wird seine ebenfalls geplanten Steuererleichterungseffekt einholen.

Nach aller Logik geht die Rechnung kaum im Alleingang auf. Das gesamte Projekt steht auf wackeligen Beinen. Die jüngste Rallye am Rohstoffmarkt erklärt sich eher mit Wahlversprechen als mit belastbaren Fakten. Statt von einem anhaltenden Rohstoff-Trend ist 2017 von einer Mischung aus Euphorie und Nervosität auszugehen, was starke Kursschwankungen erwarten lässt.

2. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt