Russisch Roulette – So wird der Euro verspielt

Der Euro wackelt – auch weil sich die Staaten in der Eurozone nicht an die Regeln halten. Doch das wird […] (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Der Euro wackelt – auch weil sich die Staaten in der Eurozone nicht an die Regeln halten.

Doch das wird Ihnen so nicht gesagt, selbst wenn dies bereits ein Grundprinzip geworden ist.

Deshalb wird es Zeit, gerade das aufzudecken.

Die EU-Mitgliedsstaaten gefährden die Stabilität der Eurozone

Die Sache ist eigentlich ganz einfach:

Wenn einzelne EU-Mitgliedsstaaten ihre Zusagen zur Wirtschafts- und Fiskal-Politik nicht einhalten, dann ist die Stabilität der Eurozone gefährdet.

Dabei ist nicht nur Griechenland der Sündenbock – mitnichten, wie Sie gleich erfahren werden.

Die verhängnisvolle Zweiteilung der Eurozone

Tatsächlich ist die Eurozone in eine Nord- und eine Südzone aufgeteilt. Zur erstgenannten gehören Deutschland, Österreich, Finnland und die Niederlande.

Und zur zweiten Griechenland, Spanien, Portugal und Schwergewichte wie Frankreich und Italien. Aber auch Irland wird dazu gerechnet.

Große Unterschiede zwischen Nord- und Südzone

Ein guter Beleg für diese Einteilung sind die Leistungsbilanz-Salden der Länder.

Vergleicht man diese miteinander wird man schnell feststellen, dass sie seit der Einführung des Euro weit auseinanderdriften.

Der Grund hierfür: Die Südzone lebte auf Pump, wurde damit zu einem Schuldner.

Die Nordzone wurde hingegen unfreiwillig zum Gläubiger wurde, der – salopp gesagt – die Kohle hat und dementsprechend blecht.

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Abgehängte Südzone

Doch das ist noch längst nicht alles an Hiobsbotschaften aus Europas Süden. Denn dort explodierte die Arbeitslosigkeit; v. a. die Jugendarbeitslosigkeit.

Auch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ging zurück. Die Armut stieg, ebenso wie die soziale Ungerechtigkeit.

Unsere Stammleser wissen, dass wir immer wieder darüber berichtet haben.

Das Dilemma der geteilten Eurozone

Am Beispiel Griechenland ist das ganze Dilemma gut zu erklären. Vielleicht erinnern Sie sich noch:

Im Jahr 2012 legten Gläubiger mit der griechischen Regierung zusammen einen Primär-Überschuss des Haushalts von 6% vor Zinszahlungen auf Schulden bis 2014 fest – gemessen am BIP.

Auf dieser Grundlage flossen dann die ersten Kredite. Auch der Bundestag stimmte diesem Plan zu.

Athen: Vereinbarungen wurden mehrfach nicht eingehalten

Das Ergebnis war jedoch, dass der griechische Primär-Überschuss 0% aufwies.

So ging das Spiel weiter: 2014 schloss die EU-Troika einen neuen Vertrag mit Griechenland. Bis 2018 wurden 4% Plus vereinbart.

Doch der griechische Premierminister erklärte darauf, dass er nicht gewillt seidiesen Vertrag einzuhalten.

Deshalb folgte ein weiterer; der dritte. Bei diesem wurden die Zielvorgaben von vier auf 3% abgesenkt.

Leid und Elend

Das sollte die Griechen zum Einlenken von ihrer sturen Haltung bringen. Allerdings ist auch diese Vereinbarung bis heute ohne eine erkennbare Wirkung.

Was man allerdings auch verstehen kann angesichts des Leids und Elends, das die griechische Bevölkerung bislang durch die rigiden Sparprogramme der Troika erfahren musste.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.