RWE Aktie: Aufpassen bei zu viel Euphorie

RWE

Die RWE-Aktie wird durch geplante Entschädigungs-Milliarden beim Kohleausstieg getrieben. Wichtiger ist eine Genehmigung des RWE-Eon-Deals (Foto: Gina Sanders/AdobeStock)

Die Energiewende hält Aktionäre von Energieversorgern seit Jahren auf Trab. Gerade Deutschlands größter Konzern RWE musste sich seit dem Atomausstieg stets neu erfinden. War das unter Bewältigung der finanziellen Belastungen bis zum Kohleausstieg weitgehend gelungen, so stehen nun die nächsten Herausforderungen an.

Aussicht auf Milliardenentschädigung beflügelt RWE-Aktie

Rückblickend hat die RWE Aktie in den letzten zehn Jahren fast 65 % verloren. Erfreulicherweise ging es ab 2016 wieder bergauf. Wer damals einstieg, konnte bis Ende Januar einen Wertzuwachs von ca. 70 % verbuchen.

Zu dem Zeitpunkt war der Kohleausstieg mit den Eckpunkten seiner Agenda frisch verkündet. Obwohl er das Unternehmen erheblich belastet, stieg die Aktie von RWE unverdrossen weiter. Haupttreiber scheint die Aussicht auf einige Milliarden Kompensationszahlungen vom Bund für nun wertlos gewordene Investitionen zu sein. Doch die zahlreichen Kommunen aus Nordrhein-Westfalen, die 18 % der RWE Aktien halten, warnen. Sie sind sich nicht sicher, ob das Geld ausreichen wird, die Folgen abzufedern.

In den noch anstehenden Verhandlungen wird sich zeigen, wie viel RWE in der Sache letztlich herausholen kann. Immerhin geht es auch um den kompletten Rückbau ganzer Tagebaustätten und frühzeitige Pensionen. Zudem dürften mit dem Ende der Kohleverstromung die Produktionskosten steigen, weshalb ein eventuell höherer Strompreis kaum zusätzlichen Profit einbringen wird. Kurzum: Die Unsicherheiten sind insgesamt hoch, mit einer Kurskorrektur der RWE-Aktie ist also zu rechnen.

Konzernumbau als Weichenstellung für die Zukunft

Unabhängig davon werden mit dem bereits angegangenen Konzernumbau die Weichen für die Zukunft gestellt. Es geht um die Neuaufteilung der Geschäftsfelder mit dem vormaligen Konkurrenten Eon. RWE will dessen Sparte Erneuerbare Energien übernehmen und die der im Mdax gelisteten eigenen 2016 ausgelagerten Tochter Innogy dazu.

RWE

Warum Sie auf 6,9% Dividende verzichten solltenDividenden sind ein nettes Zubrot, aber längst nicht alles. Warum Sie diese RWE-Analyse lesen sollten. › mehr lesen

Im Gegenzug bekommt Eon die Netz- und Vertriebssparte von Innogy. Danach hat Eon nichts mehr mit der direkten Stromproduktion zu tun. Es konzentriert sich auf Netz und Vertrieb, während RWE zum Stromriesen aufsteigt und zugleich noch 16,7 % an Eon halten will. Damit wird RWE zum drittgrößten Stromproduzenten in Europa. Aus diesem Grund muss erst noch die Monopolkommission in Brüssel grünes Licht geben.

Klappt alles wie geplant, so soll gerade bei Innogy investiert werden. Wie sich nicht zuletzt im vergangenen Sommer gezeigt hat, reichen Windanlagen und Wasserkraft bei langer Trockenheit nicht aus. Ausgebaut wird die bislang magere Sonnenenergie. So hat bereits der Bau eines Solarparks mit 349 Megawatt Leistung in Australien begonnen. In Spanien ist ein solcher mit 60 Megawatt vorgesehen.

Mitbewerber laufen Sturm gegen Quasi-Monopol

Doch die sonnigen Aussichten von RWE und Eon könnten von einigen Wolken getrübt werden. Einige Stadtwerke sowie der Ökostromanbieter Lichblick aus Hamburg haben jetzt Beschwerde bei der deutschen und Brüsseler Kartellbehörde eingelegt. Die kleineren Mitbewerber befürchten, an die Wand gedrängt zu werden. Sie sprechen stellvertretend für viele andere Stadtwerke und Regionalversorger. In der Branche macht sich Unmut breit. Auch im Sinne der Verbraucher, denn mit dem RWE-Eon-Deal drohen die Strompreise signifikant zu steigen.

Dies jedenfalls bestätigt eine frische Marktanalyse, die nun den Kartellbehörden vorgelegt wurde. Abgesehen von den Auswirkungen auf die Verbraucher werden konkrete Zahlen zur künftigen Marktmacht genannt. Die Kundenzahl von Eon wird sich demnach auf 11,7 Mio. mehr als verdoppeln. Noch deutlicher ist der Zuwachs bei der dann verkauften Strommenge. Eon wäre mit dem Zugriff auf 160 Strommarken und 840 Tarife beim Preiswettbewerb nicht mehr zu schlagen.

Noch gibt es kein grünes Licht für den Deal der Großen. Auch bei der geplanten Fusion der Zugsparte von Siemens mit Alstom schien alles in trockenen Tüchern – bis Wettbewerbskommisarin Versteger anders entschied. Als Anleger sollte man einstweilen vorsichtig sein. Das Verfahren kann sich einige Monate hinziehen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.