SAP-Aktie: Chancen bei fairer Bewertung

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Nach ihrer Korrektur kann die SAP-Aktie durchstarten. Ohne Investition in den Cloud-Sektor wäre kein Ausbau zur dominanten Stellung möglich. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Einer der einflussreichen Wegbereiter in Sachen Digitalisierung ist SAP. Das nach Microsoft, IBM und Oracle viertgrößte Softwarehaus der Welt ist zugleich das Top Schwergewicht im Dax. Allein deshalb lohnt ein Augenmerk auf den Konzern. Die SAP-Aktie hat über zehn Jahre hinweg einen Zuwachs von 226 % gebracht. Beim Rekordstand von 108 Euro im September 2018 gab sie dann bis Januar um 19 % nach, gefolgt von einer Erholung auf Werte über 90 Euro.

Im Lager der Analysten tendiert die Mehrheit zu Kurszielen bis 130 Euro, die Vorsichtigeren sehen die SAP-Aktie eher bei 97 Euro. Ihr Argument: Der Konzernumbau mit dem Fokus auf Cloudgeschäfte wird die freien Mittelzuflüsse wegen der erforderlichen hohen Investitionen bremsen. Tatsächlich scheinen sich die Gewinne auf längere Zeiträume zu verteilen.

Enorme Investitionen für die Zukunft

Passend dazu war im vierten Quartal das Betriebsergebnis um 15 % auf 1,8 Mrd. Euro gesunken. Gleichzeitig konnte der operative Gewinn um 8 % auf knapp 2,55 Mrd. Euro zulegen. Und der Umsatz war um 13 % auf 7,43 Mrd. Euro gestiegen. Zurückzuführen sind die höheren Umsätze nach Konzernangaben vor allem auf Cloud-Buchungen, die um 23 % zugelegt haben.

Allerdings: Im Quartal zuvor waren es noch 37 %. Im Geschäft mit Cloudangeboten und Mietsoftware macht sich die Konkurrenz bemerkbar. Und zwar nicht nur durch den Erzrivalen Oracle, sondern vor allem die Cloudspezialisten Salesforce und Workday. Anlass, im neuen Jahr in Sachen Restrukturierung einen Gang zuzulegen. Die Kosten für das Programm werden auf bis zu 950 Mio. Euro angesetzt und sollen überwiegend im ersten Quartal 2019 ausgewiesen werden.

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Die reinen Cloud-Anbieter sind zwar weniger breit aufgestellt als SAP oder Oracle, verzeichnen aber höhere Margen, weil das Geschäft ohne Lizenzen und Beratungen läuft. Bei Mietsoftware wird wie bei Strom- und Wasserlieferungen einfach im monatlichen Abo abgerechnet. Die Einnahmen fließen nahezu von selbst.

Um den Bereich voranzutreiben, hatte SAP bereits im letzten Jahr kräftig investiert. Dazu gehören Zukäufe wie die des US-Unternehmens Qualtrics für rund 8 Mrd. Euro im November 2018. Als nächstes steht die Übernahme des französischen Spezialisten für Prozessautomatisierung Contextor an. Er soll bei SAP den Bereich des Machine Learning, sprich Robotik und Künstliche Intelligenz, erweitern.

SAP-Aktie bei fairer Bewertung als Chance

Dass derartige Investitionen vorübergehend die Marge drücken, ist selbstredend. Entsprechend betrug sie 2018 beim operativen Ergebnis (Ebit-Marge) 28,8 %. Das hauseigene Ziel hatte etwas darüber gelegen. Dennoch ist dies kein Anlass, als Anleger an der SAP-Aktie zu zweifeln. Der jüngste Rücksetzer ist eher eine Chance. Und das Papier ist fair bewertet. Sollte alles einigermaßen nach Plan verlaufen, so ist wird ab 2020 mit Ebit-Margen bis 32 % und mehr gerechnet. Basis dafür wären jährliche Gewinnzuwächse bis zu 12 %.

Das positive Szenario und das höhere Kursziel erscheinen realistisch. Anders als reine Cloud-Spezialisten kann SAP, ähnlich wie Microsoft, auf eine angestammte, breite Kundenbasis zurückgreifen, um in der Cloud eine führende Position auszubauen. Langfristig dürften in dem Bereich der Amazon-Ableger Web-Services (AWS), Microsoft, SAP Oracle sowie Salesforce und Workday um Marktanteile kämpfen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.