Scheidung von der Steuer absetzen ist nicht mehr möglich

Rund 40 % aller Ehen in Deutschland werden geschieden. Neben den gescheiterten Versprechen, den Träumen und der emotionalen Belastung, die eine Scheidung mit sich bringen, ist sie zusätzlich oft auch noch teuer.

Weshalb ist eine Scheidung so teuer?

Gerichts- und Anwaltskosten liegen meist im hohen vierstelligen Beträgen, Kosten, um die sich scheidende Eheleute nicht herumkommen. Schließlich kann nur ein Familienrichter eine Ehe scheiden und darüber hinaus muss der Versorgungsausgleich gerichtlich geklärt werden.

Häufig werden auch noch Anwälte für den Gang vor Gericht benötigt, unter Umständen müssen Gutachter die gemeinsame Immobilie schätzen  und auch Streitigkeiten rund um Kindesunterhalt, Ehegattenunterhalt und den Zugewinnausgleich sind nicht selten.

All das erzeugt hohe Kosten, die bis Ende 2012 noch als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden konnten – zumindest in der Theorie. In der Praxis wurde dieses Urteil nicht immer angewendet und die Fälle mit Scheidungsosten als außergewöhnliche Belastung häufig bis heute offen gelassen.

Eine Scheidung kann nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden

2013 kam dann ein neuer Paragraph hinzu, laut dem Steuerpflichtige ihre Scheidungskosten nur dann von der Steuererklärung absetzen können, wenn sie so hoch sind, dass sie dann ihre Existenzgrundlage verlieren und ihre Lebenshaltungskosten nicht mehr bestreiten könnten. Nur in Extremfällen wurde also tatsächlich ein Steuerabzug zugelassen. In der Regel sind Scheidungskosten daher nicht absetzbar, da davon ausgegangen wird, dass die Kosten nicht existenzbedrohend sind.

Selbst nach 2013 waren sich noch einige Finanzgerichte in den einzelnen Bundesländern uneinig und es gab immer mal wieder gegenteilige Urteile, bei dem Scheidungskosten bei der Steuer geltend gemacht wurden, 2017 hat der Bundesfinanzhof aber ein endgültiges Urteil gefällt: Scheidungskosten sind nicht absetzbar.

So können Ehepaare Scheidungskosten einsparen

Scheidenden Ehepaaren bleibt daher nur die Option, die Kosten so gering wie möglich zu halten. So kann bei einer einvernehmlichen Scheidung zum Beispiel nur ein Anwalt statt zwei beantragt werden. Auch können viele Fragen oft außergerichtlich geklärt werden. Weiterhin kann ein vor der Heirat abgeschlossener Ehevertrag helfen, Scheidungskosten zu sparen.

Ebenfalls sinnvoll ist eine Rechtsschutzversicherung, die für Anwalts- und Gerichtskosten einspringt. Hier sollte allerdings jedoch schon bei Abschluss geprüft werden, ob die Versicherung tatsächlich Scheidungskosten übernimmt.

Im Ernstfall finanzielle Hilfen beantragen

Stellt eine Scheidung eine enorme finanzielle Belastung dar, da einer der Ehepartner Schulden oder ein geringes Einkommen hat, kann er eine Verfahrenskostenhilfe beantragen. Dies geschieht direkt beim Gericht.

Mittlerweile gibt es sogar die Möglichkeit sich online scheiden zu lassen. Ein Anwalt wird dann über das Internet mit der Scheidung beauftragt und die Kommunikation läuft über E-Mail, Fax, Post und Telefon. Auf diese Weise können viele Fahrtkosten zu Terminen mit dem Anwalt und wertvolle Zeit gespart werden.

27. September 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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