Schickt Tesla Semi den Diesel-LKW in Rente?

Der neue Tesla-LKW hat viel Potenzial. Aber die Frage bleibt: Kann Tesla auch liefern? (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Mitte November stellte Tesla mit dem Tesla Semi erstmals einen Elektro-Laster der Öffentlichkeit vor. Damit steigt Tesla in einen neuen Markt ein, der sich nach Angaben von Bernstein Analyst Toni Sacconaghi auf 1 Millionen Einheiten im Jahr summieren könnte – ein potenzieller Milliardenmarkt.

Doch viele Anleger und auch Analysten fragen sich, ob Tesla mit seinem neuen Elektro-LKW wirklich konkurrenzfähig zu den zahlreichen Diesel-LKWs ist, die aktuell noch die Straßen bevölkern. Dazu ein näherer Blick auf den Tesla Semi.

Tesla Semi – Was Anleger wissen müssen

Der Tesla Semi ist mit drei Elektromotoren ausgerüstet und schafft mit einer Akku-Ladung und maximaler Zuladung bis zu 500 Meilen (ca. 805 Kilometer). Durch die von Tesla noch zu bauenden neuen Ladestationen (Megacharger) soll der Tesla Semi in 30 Minuten wieder bis zu 400 Meilen (ca. 643 Kilometer) Strom „tanken“ können.

Auch die Beschleunigungswerte können sich sehen lassen. Ohne Anhänger schafft der Tesla Semi die Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen (96 km/h) in 5 Sekunden, mit maximaler Zuladung (ca. 36,2 Tonnen) benötigt der Elektro-LKW für diesen Spurt 20 Sekunden.

Tesla Semi red

Quelle: Tesla

Der Tesla Semi kommt außerdem mit einem Sicherheitspaket daher. Die Windschutzscheibe ist aus Sicherheitsglas, zudem sollen spezielle Sensoren verhindern, dass das Fahrzeuggespann instabil wird. Ferner hat der Tesla Semi einen erweiterten Autopiloten. Neben dem automatischen Notbremsassistenten ist auch ein Spurhalteassistent an Bord.

Später soll der Tesla Semi auch vollautonom fahren können. Tesla bietet den Elektro-LKW in der Basisversion (482 Kilometer Reichweite) für 150.000 US-$ an, die Long Range Version (805 Kilometer) ist ab 180.000 US-$ zu haben, während die Founders Series 200.000 US-$ kostet.

Gut 200 Vorbestellungen für den Tesla Semi

Preislich bewegt sich der Tesla Semi damit etwas über den Anschaffungskosten moderner Diesel-LKWs, die oft zwischen 100.000 und 150.000 US-$ kosten. Vorbesteller müssen eine Reservierungsgebühr von 20.000 US-$ hinterlegen.

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Trotzdem ist das Interesse an dem neuen Elektro-LKW aus dem Hause Tesla groß. Neben der Deutsche Post Tochter DHL, haben auch der Biergigant Anheuser-Busch sowie der Lebensmittelieferant Sysco mehrere Tesla-Semi Elektro-LKWs vorbestellt. Auch der Getränkehersteller PepsiCo hat 100 Tesla Semi Trucks geordert, wodurch sich die Zahl der Vorbestellungen auf rund 268 summiert.

Produziert werden soll der Elektro-LKW dann in 2019, die Analysten bei Morgan Stanley gehen davon aus, dass der Tesla Semi dann in 2020 auf den Markt kommen wird.

Betriebskosten: Tesla Semi vs Diesel-LKWs

Bei Volllast soll der Tesla Semi nach Tesla-Angaben weniger als 2 Kilowattstunden Strom pro Meile verbrauchen. Die durchschnittlichen Betriebskosten beziffert Tesla-Chef Elon Musk auf 1,26 US-$ pro Meile, während die durchschnittlichen Betriebskosten bei einem Diesel-LKW bei ca. 1,51 US-$ pro Meile liegen.

Mit der Reichweite von rund 800 Kilometern deckt Tesla etwa 80 % des Marktes ab, denn die typischen Transportwege bei Frachtgütern bewegen sich unter 250 Meilen. Bei leicht höheren Anschaffungskosten weist der Tesla Semi deutlich bessere Fahrleistungen und günstigere Betriebskosten im Vergleich zum Diesel-LKW auf.

Fazit: Tesla Semi mit Potenzial, aber Tesla muss liefern

Rein theoretisch könnte der Tesla Semi Diesel-LKWs also in Rente schicken. Die große Frage ist, ob Tesla auch liefern kann. Zuletzt verhinderten Probleme in der Produktion, dass Tesla die Lieferziele für das Model 3 deutlich verfehlte. Zudem verbrennt Tesla weiterhin viel Geld – ca. 1 Mrd. US-$ pro Quartal. Anleger werden sich daher vermutlich auf einen weiteren Kapitalbedarf bei Tesla einstellen müssen, wenn Tesla seine ehrgeizigen Ziele erreichen will.

Der springende Punkt bei der jüngsten Präsentation des Tesla Semi ist aber ein anderer: Die angegebenen Reichweiten und Ladezeiten sind mit der aktuellen Akku-Technik physikalisch nicht zu erreichen. Industrieexperten vermuten daher, dass Tesla eine Art Durchbruch bei der Akku-Technik gelungen sein muss.

Kurzum: Kann Tesla liefern, wird es eng für die Konkurrenz. Die Zukunft gehört wohl den Elektro-LKWs, nicht nur im Hinblick auf die Umwelt, sondern vor allem im Bezug auf die Betriebskosten, die niedriger liegen als bei Diesel-LKWs. Sollte der Ölpreis weiter in dem Tempo steigen, wie dies in den letzten Monaten der Fall war, dürfte sich die Logistikbranche schon früher vom Diesel-LKW verabschieden. Tesla könnte der Nutznießer sein – wenn Elon Musk und sein Team liefern können.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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