Schluss mit Lebensversicherungen: Immer mehr Gesellschaften stellen Neukundengeschäft ein

Beim Run-Off einer Versicherung wird das Neukundengeschäft eingestellt und nur noch Altverträge verwaltet, was die Rendite verringern kann. (Foto: REDPIXEL.PL / Shutterstock.com)

Viele Lebensversicherer leiden unter den Garantiezusagen, die sie ihren Kunden gemacht haben und ziehen daraus Konsequenzen. Sie stellen ihr Versicherungsgeschäft für Neukunden ein und lassen nur noch bestehende Verträge auslaufen.

Run-Off heißt dieses Vorgehen, bei dem entweder ganze Geschäftsfelder oder einzelne Produkte lahmgelegt werden.

Kapitalbildende Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen abzuschließen ist bei Firmen wie beispielsweise der Bayerischen Beamten Versicherung, Delta Lloyd oder Victoria, der Tochter des Großversicherers Ergo, nicht mehr möglich.

Was bedeutet der Run-Off für die Versicherungskunden?

Wortwörtlich bedeutet Run-Off „abfließen“ und heißt soviel wie, dass keine neuen Verträge mehr gezeichnet werden, sondern nur noch bereits bestehende Verträge abgewickelt werden. Das Neukundengeschäft wird komplett eingestellt.

Für die bestehenden Versicherungskunden hat dieser Run-Off Auswirkungen. Viele Kunden machen sich Sorgen um ihre Einlagen und zweifeln an der finanziellen Stabilität der Versicherer. Für die Policen der Versicherten ändert sich aber grundsätzlich nichts, sie bleiben bestehen. Dennoch können die Renditen durch einen Run-Off schrumpfen, worunter die Kunden dann leiden würden.

Dass die Renditen geringer werden können ist darin begründet, dass aufgrund des fehlenden Neukundengeschäftes die Versicherer es nicht mehr nötig haben die Verzinsung für bereits bestehende Verträge auf einem hohen Niveau zu halten. Bisher war dieser Effekt nötig, um Neukunden anzuziehen. Die Imagepflege entfällt nun und Experten befürchten, dass für Bestandskunden nur noch das Minimum übrigbleibt.

Versicherungsgesellschaften müssen bei einem Run-Off nicht mehr wettbewerbsfähig sein

Mehr als die Garantiezusagen müssen die Versicherungen nicht einhalten. Die Anreize mehr Geld als nötig an die Kunden auszuschütten, sind gering. Die Unternehmen müssen nicht mehr wettbewerbsfähig sein und die Versicherten leiden darunter.

Auch steht immer wieder im Raum, dass hohe Beträge an Investoren oder Konzernmütter abgeführt werden, also das überschüssige Geld innerhalb der Branche hin- und hergeschoben wird. Anzeichen dafür stecken in der Kostenquote der Unternehmen, die eigentlich sinken müsste, da die Versicherungen keine Kosten mehr für den Verkauf von Policen oder die Verwaltung haben.

Die Ausgaben scheinen aber nach wie vor außergewöhnlich hoch zu sein, was Experten zu diesen Spekulationen veranlasst.

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Viele Verträge werden bei einem Run-Off vorzeitig gekündigt

Der Run-Off der Versicherungen gilt in Deutschland als Versagen des Unternehmens, dabei kann eine bewusste Unternehmensentscheidung dahinter stehen. Gründe müssen die Unternehmen nicht nennen.

Viele Versicherte kündigen bei einem Run-Off ihre Policen vorzeitig, da sie sich Sorgen um die Rendite oder die finanzielle Stabilität machen. Dieses Vorgehen hat ebenfalls positive Auswirkungen auf die Gesellschaften, da sie großzügige Abschläge aufgrund der vorzeitigen Kündigung einbehalten.

Langfristige Verpflichtungen entfallen für die Versicherungen mit jedem kündigendem Kunden und bei Stornoraten von 5 % pro Jahr dürften die meisten Firmen, die sich im Run-Off befinden, innerhalb von 15 Jahren die meisten Altlasten los sein (Quelle: zeit.de).


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.