Schritt für Schritt – Europas Banken vielfach besser als ihr Ruf

Die Krise der Bankaktien in Europa weicht neuer Zuversicht. Die Sanierung und der Weg zu mehr Profitabilität eröffnen neue Chancen. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Einsteigen, wenn die Kurse am Boden liegen und von der Erholung kräftig profitieren. Die Kandidaten sind schnell ausgemacht: Bankaktien. Die Krise bietet Chancen, vor allem in Europa. Allerdings stecken noch die Warnungen nach dem Motto „Finger weg“ in den Köpfen. Auch muss sich erst zeigen, ob die Trendwende nachhaltig ist. Doch die Unsicherheit lässt sich durch stabile US-Titel abfedern.

Bankaktien Krise weicht Zuversicht

Mit Blick auf Europa scheint die lang anhaltende Krise der Bankaktien überwunden. Das Vertrauen kehrt längst zurück. So zeigt der Referenzindex EuroStoxx 600 Banks seit seinem letzten Tiefpunkt bei unter 120 Punkten im Juli 2016 einen deutlichen Aufwärtstrend bis knapp unter 180 Punkte.

Ab Jahresbeginn flachte er zwar ab und Bankaktien kassieren immer wieder Abschläge, doch das war auch nach der vorangegangenen gestreckten Erholungsphase der Fall, als sich der Index Mitte 2012 von ähnlichen Tiefen langsam bis auf 225 Punkte hocharbeitete. Orientiert man sich an diesem Wert, besteht gehörig Luft nach oben.

Natürlich wurden europäische und deutsche Banken nach den US-Wahlen durch die Vorgaben der Wall Street mit angehoben. Doch auch fundamental beginnt sich die Lage auf dem alten Kontinent zu beruhigen. Ein Beispiel hierfür ist Italien. Dort hat die größte Bank Unicredit mit der jüngsten Kapitalerhöhung einen Meilenstein zur Entschuldung und Rundum-Sanierung geschafft – ein Sprengsatz weniger in Europas Bankaktien-Krise.

Mit neuer Struktur zu mehr Profitabilität

Zudem erzeugt das Umfeld Silberstreifen am Horizont. Bei anziehender Konjunktur und Inflation wächst der Druck, die bislang fatal niedrigen Zinsen zu gegebenem Zeitpunkt anzuheben. Sollte sich die Entspannung fortsetzen, kann die Eigenkapitalrendite von 4% mittelfristig auf bis zu 10% steigen. Die verschärften Vorgaben in den Regeln von Basel III tragen dazu bei.

Besonders gut aufgestellt und solide kapitalisiert ist etwa die BNP Paribas. Die Früchte ihres gestutzten Krisenländer-Engagements spiegeln sich in den jüngsten Zahlen. Auch die Deutsche Bank kommt mit ihrem milliardenschweren Umbau voran und erholt sich gerade beim Investmentbanking. Etwas unklarer ist der Weg der Commerzbank. Trotz der Trennung von unrentablen Randaktivitäten scheint die Umstrukturierung noch in der Orientierungsphase zu stecken.

Insgesamt setzen europäische Banken derzeit eher auf Effizienz statt auf Wachstum. Ganz anders die Vorzeichen in den USA. Donald Trump will die nach der Finanzkrise eingeführten Regeln weitgehend außer Kraft setzen, was die Branche massiv beflügelt. Und während hierzulande Bankaktien noch in der Krise waren, strotzte die US-Konkurrenz längst vor Zuversicht, als vor über einem Jahr der Einstieg in den Zinsanstieg der Fed zusätzlich für Auftrieb sorgte.

Europas Bankenlandschaft vor dem Umbruch

Folglich stieg im letzten Jahr der KBW-Index, der 24 US-Banktitel enthält, um ganze 60%, der EuroStoxx Bankenindex indes nur um rund 24%. Aus Anlegersicht sind US-Banken die sichere Bank. Sie haben eine bessere Eigenkapitalausstattung, sind profitabel und freuen sich wegen des geplanten Wegfalls von Regulierungen auf neue Kurszünder.

Doch vieles ist bereits eingepreist. Gemessen am Verhältnis von Kurs-Gewinn (KGV) sowie Kurs-Buchwert (KBV) sind sie erheblich teurer als europäische Bankaktien. Die sehen zwar keiner nachlassenden Regulierung entgegen, doch ist ihr Potenzial auf dem eingeschlagenen Weg zu mehr Profitabilität längst nicht ausgereizt.

Hinzu kommt, dass sich die Bankenlandschaft verändern wird. Die nächste Fusionswelle wird sehr wahrscheinlich verstärkt in europäischen Dimensionen ablaufen. Auch wenn beispielsweise eine Fusion der Unicredit mit der Société Générale einstweilen vom Tisch ist, so könnte sie mittelfristig wieder Thema werden. Abgesehen davon sind auch Übernahmegelüste großer US-Banken nicht auszuschließen, was im Vorfeld die Kurse bekanntlich treibt.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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