Schweiz: Die Frankenaufwertung beschert Ihnen Extra-Gewinne

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Die Schweizer Nationalbank gab im Januar 2015 völlig überraschend den Franken-Mindestkurs auf. Wie können Sie als Anleger daran gewinnen? (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Am 15. Januar 2015 erfolgte der große Paukenschlag: Die Schweizer Nationalbank gab an diesem Tag völlig überraschend den Franken-Mindestkurs auf. Vorher hat die Notenbank drei Jahre lang alles getan, um den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro zu verteidigen. Mit dieser Wechselkursbindung sollte verhindert werden, dass die Schweizer Währung zu stark aufwertet.

Eine zu starke Aufwertung behindert den Export (Schweizer Waren werden im Ausland teurer) und schädigt den wichtigen Wirtschaftsfaktor Tourismus (Schweiz-Reisen werden für Ausländer zu teuer). Am 15. Januar 2015 wurde diese Wechselkursbindung Knall auf Fall aufgegeben. Die Marktteilnehmer wurden auf dem falschen Fuß erwischt.

Am Devisenmarkt wertete der Franken kurzzeitig um mehr als 20% auf. Wenn Sie bedenken, dass der Devisenmarkt an sich recht ruhig ist und Tagesveränderungen fast immer im Bereich von 0,1 bis 0,5% liegen, können Sie verstehen, was eine Tagesschwankung von über 20% bedeutet. Am Ende des Tages wertete der Franken gegenüber dem Euro um rund 15% auf. Am Devisenmarkt galt plötzlich die Parität: Ein Franken ist so viel wert wie ein Euro.

Rekordschwankungen am Schweizer Aktienmarkt

Ähnlich hektisch war die Lage am Aktienmarkt. Der Schweizer Aktienindex SMI mit den Schwergewichten Nestle, Roche und Novartis brach zeitweise zweistellig ein und erlebte das größte Minus in der Geschichte der Schweizer Börse. Innerhalb von Minuten wurde ein Börsenwert von rund 140 Mrd. Franken ausgelöscht.

Der Grund: Investoren haben Angst, dass der starke Franken die Umsätze und Gewinne der Unternehmen abwürgt. Der erste Abwärtstrend wurde dann von ausgeführten Stop-Loss-Verkäufen und charttechnisch orientierten Computerprogrammen massiv verstärkt.

Die Bilanz der Aktionäre fällt jedoch unterschiedlich aus: Während Schweizer Aktionäre einen schwarzen Tag erlebten, konnten Anleger aus dem Euro-Gebiet (zum Beispiel aus Deutschland oder Österreich) unter dem Strich sogar Gewinne kassieren. Der Grund: Die Währungsgewinne sorgten für ein Plus in der Gesamtwertung.

Ein konkretes Beispiel: Die Nestle-Aktie verlor am 15. Januar an der Schweizer Heimatbörse 6,2%. Zeitgleich stieg jedoch der in Euro umgerechnete Aktienkurs an der Xetra-Börse in Deutschland um 7,08%.

Das Risiko wurde für die Schweizer Nationalbank zu groß

Warum hat die Schweizer Nationalbank dieses Erdbeben ausgelöst? Die Antwort: Der Druck und die Risiken wurden zu groß. Um die Franken-Kurs-Grenze zu verteidigen, musste die Schweizer Nationalbank große Mengen an Euro erwerben und im Gegenzug Franken verkaufen.

Dadurch wurde die Bilanz der Notenbank extrem aufgebläht. Allein die Devisenreserven beliefen sich zum Stichtag 31.12.2014 auf rund 500 Mrd. Franken. Aus dieser Aufblähung der Bilanzsumme ergaben sich erhebliche Risken. Denn schon eine Kursschwankung von nur einem Prozent nach unten würde – leicht vereinfacht gerechnet – einen Tages-Buchverlust von 5 Mrd. Franken für die Schweizer Nationalbank bedeuten.

Wenn die Notenbank die alte Politik fortgesetzt hätte, wären die Risiken von Tag zu Tag weiter gestiegen. Daher der Strategiewechsel. Nach der Freigabe des Franken-Kurses ist die Schweizer Nationalbank wieder Herr im eigenen Haus und kann frei entscheiden.

So gibt es seit einigen Tagen das Gerücht, dass die Notenbank den Franken-Kurs doch wieder nach unten drückt, um die Aufwertungstendenz zu stoppen. Die Notenbank kann jetzt aber flexibel reagieren. Die Bilanzsumme kann schrittweise gesenkt werden. So wird die tickende Zeitbombe entschärft.

Fazit: Die völlig überraschende Freigabe des Franken-Kurses zeigt Ihnen wieder einmal, dass Vermögensschutz eine dauerhafte und langfristige Aufgabe ist. Lange Zeit liefen die Franken-Positionen als Euro-Alternative stabil, plötzlich der rasante Kurssprung. Ihr strategisches Vorgehen wurde belohnt.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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