Schweizer Bankgeheimnis ist endgültig Geschichte

Mit dem Schweizer Bankgeheimnis ist es endgültig vorbei - und die nächsten Maßnahmen warten schon. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Schon in den letzten Jahren hatte sich der Abschied der Schweiz vom Bankgeheimnis angedeutet, seit 2018 ist das Schweizer Bankgeheimnis endgültig Geschichte.

Nach langen Verhandlungen hat sich auch die Schweiz – einst ein Paradies für Steuerflüchtlinge – den rund 100 Staaten angeschlossen, die sich zum automatischen Informationsaustausch (AIA) von Finanzdaten bekannt haben.

Zwar war die Schweiz schon in 2014 dem Abkommen mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beigetreten, aber erst in 2015 haben sich die EU und die Schweiz auf ein Abkommen verständigt, um verstärkt gegen Steuerhinterziehung und Steuervermeidung vorzugehen. Effektiv umgesetzt wird das Abkommen aber erst seit Jahresbeginn.

Kein Bankgeheimnis mehr in der Schweiz – Was bedeutet das für Anleger?

Dies bedeutet, dass auch die Schweiz künftig automatisch Finanzdaten ins Ausland liefert und umgekehrt auch Daten erhält. Der Informationsaustausch umfasst nicht nur Name, Wohnort und Kontostände des Kontoinhabers, sondern auch Zinserträge, Dividenden und andere Einkünfte aus dem Verkauf von Vermögenswerten.

Der Informationsaustausch erfolgt zunächst mit 38 Ländern wie mit allen EU-Mitgliedstaaten als auch mit Ländern wie Australien und Japan. Im Jahr 2019 sollen Finanzdaten dann mit weiteren 41 Ländern automatisch geteilt werden, darunter sind Staaten wie China, Russland, Mexiko und Saudi-Arabien.

Der Informationsaustausch hat das Ziel, die Verlagerung von Vermögenswerten und Steuervermeidungsstrategien in der EU als auch im Ausland zu unterbinden. Außerdem soll der automatische Informationsaustausch verhindern, dass Anleger durch Geldanlagen in bestimmte Finanzprodukte Meldepflichten umgehen.

Automatischer Informationsaustausch: Die Rechte der EU-Mitgliedstaaten

Um Steuerhinterziehungen künftig leichter aufzudecken, haben die Steuerverwaltungsbehörden in den EU-Mitgliedstaaten wie in Deutschland und der Schweiz erweiterte Rechte. Sie können künftig


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Doch an dieser Stelle soll noch lange nicht Schluss sein. Da die OECD festgestellt hat, dass Berater und andere Dienstleister offenbar Steueroptimierungspläne ausarbeiten, um den AIA-Standard zu umgehen, sind weitere Maßnahmen geplant.

OECD erwägt weitere Maßnahmen – auch Intermediäre sollen Auskunft erteilen

Geplant ist unter anderem eine erweiterte Informationspflicht von Intermediären. Dies bedeutet, dass sogenannte Finanzintermediäre, also Personen oder Gesellschaften, die für Kunden Gelder verwalten, ebenfalls einer Auskunftspflicht unterliegen.

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Konkret geht es dabei um Banken, Vermögensverwalter, Treuhändler und auch Rechtsanwälte, die künftig Offenlegungspflichten unterliegen und den Fiskus informieren sollen, wenn bei Kunden Strukturen zu erkennen sind, die auf „aggressive Steuerplanung“ hindeuten.

Fazit: Unternehmen und Anleger müssen mit weiteren Maßnahmen rechnen

Noch sind oben genannte Maßnahmen nur Vorschläge der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Doch auch nach dem Aus des Schweizer Bankgeheimnisses sollten Anleger und auch Unternehmen in Europa mit weiteren Maßnahmen der EU-Staaten rechnen, welche die Steuerehrlichkeit und Einhaltung des internationalen Steuerrechts fördern.

Denn wie bereits im Jahr 2016 bekannt wurde, entgehen den EU-Staaten jährlich 50 bis 70 Mrd. € durch Steuervermeidungs- und Gewinnverlagerungsstrategien der Unternehmen, aber auch durch Einzelpersonen (Investoren, Anleger etc.).

Die Steuervermeidungsstrategien der Großkonzerne führen wiederum dazu, dass die Steuerbelastung kleiner und mittlerer Unternehmen in der EU deutlich höher liegt – hier dürfte Handlungsbedarf bestehen, will die EU weiter attraktiv für Unternehmen bleiben.

Denn durch die jüngste Steuerreform in den USA will die US-Regierung Großkonzerne und dessen Kapital mit niedrigen Unternehmenssteuern wieder in die Staaten locken – bei Apple ist dies bereits gelungen, weitere Unternehmen könnten folgen.

Kurzum: Für Anleger bedeutet dies, dass US-Unternehmen wie Apple, Adobe Systems und Alphabet voraussichtlich wieder eher in die USA investieren werden, Kapital zurückverlagern und dadurch von niedrigen Unternehmenssteuern profitieren – darum bleiben insbesondere US-Aktien weiter interessant für Anleger.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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