Schwellenländer: Lohnt der Einstieg nach Kursverlusten?

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Die Börsen der Emerging Markets haben erheblich verloren. Aber Dollarstärke und Handelskrieg können Asien zumindest nicht aufhalten. (Foto: Goran Bogicevic / shutterstock.com)

Anfang des Jahres ging es noch bergauf, im April kam dann die Wende. Die meisten Börsen der Emerging Markets drehten ins Minus, seitdem herrscht Verunsicherung. Waren doch die Aktienmärkte der Schwellenländer ein viel versprechendes Investment. Nun aber stehen sie erheblich unter Druck.

Emerging Markets Börsen: Nach Höhenflug Ernüchterung

Dabei lief es 2017 hervorragend für die Emerging Markets. Die Börsen in Peru, Chile, Hongkong und der Türkei verzeichneten Kurszuwächse bis zu 30 %. Die argentinische Börse schaffte sogar ein Plus von 60 %. Parallel dazu legte der MSCI Emerging Markets Index, der ein Spiegel von 21 Schwellenländern ist, um 35 % zu. Zum Vergleich: Der Dow Jones brachte letztes Jahr rund 25 %, genau doppelt so viel wie der Dax.

Die Emerging Markets Börsen profitierten von einem idealen Umfeld: eine robuste Weltwirtschaft und ein moderater Dollarkurs mit noch mäßigen Zinsen. Damit konnten viele Länder ihre ohnehin schon zum guten Teil abgebauten Schulden weiterhin gut bedienen. Hinzu kamen gestiegene Rohstoffpreise. Rund 61 Mrd. US-Dollar waren in die Aktienmärkte geflossen. Jetzt aber hält der Exodus an.

Alte Probleme kehren zurück

Steigende US-Zinsen ziehen Kapital ab und verteuern Schulden. Und ein erstarkter Dollar bei gleichzeitig gesunkener Landeswährung verteuert notwendige Importe für Unternehmen. Besonders sensibel reagieren Länder mit hohem Kapitalbedarf und geringen Währungsreserven. Beispiel Argentinien: Nach einer Erholungsphase stiegen die Inflation und der Leitzins dramatisch. Der steht nun bei 40 %. Jetzt wurde sogar um einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebeten. Die Konjunktur ist auf Talfahrt.

Gleiches in der Türkei, wo die Börse zuvor in Feierlaune war. Hier kommt der Unsicherheitsfaktor Erdogan hinzu. Dass er mit neuer Machtfülle die Notenbank nach eigenem Gutdünken kontrolliert und seinen Schwiegersohn zum Finanzminister berief, macht die Sache nur noch schlimmer. Ein Leitzins von 17,75 % verheißt nichts Gutes.

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Aber auch in Russland, Südafrika oder Brasilien schlagen wieder grundlegende und weitgehend ungelöste wirtschaftliche Probleme durch. Im Falle Russlands helfen zumindest die solide Finanzsituation sowie stabile Rohstoffexporte bei gehobenen Preisen.

Mexiko wiederum steht vergleichsweise gut da. Die Abwertung des Peso beflügelte die Exportindustrie. Doch das Land hängt sehr einseitig an der Konjunktur der USA. Die Risiken, die sich durch Trumps sprunghafte Politik, steigender Inflation und Zinsen und vor allem seinem Handelskrieg an vielen Fronten ergeben, sind noch nicht absehbar.

Asien wird sich schnell erholen

Nach Trumps erneuter Ladung von Strafzöllen auf Waren im Wert von 200 Mrd. US-Dollar gaben die Börsen Chinas spontan um über 2 % nach. Der Streit wird zwar das Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwas schwächen, doch China gerät dadurch nicht ernsthaft in eine Krise. Der Umbau der Wirtschaft kommt voran. Dienstleistungen machen mittlerweile über die Hälfte der Wirtschaftleistung aus. Dass die Landeswährung abgewertet hat, ist eher eine gezielte Antwort auf Trumps Strafzölle.

Überhaupt ist Asien der treibende Motor. Nach Indien mit einer Wachstumsrate von 7,7 % verzeichnen auch die Philippinen und Vietnam Zuwächse von 6,8 % – so viel wie China. Und wie geht es weiter? Den gestiegenen Einkaufsmanagerindizes zufolge wird die Konjunktur in Asien weiterlaufen. Gut denkbar, dass die aktuellen Panikverkäufe bald nachlassen und die Börsen wieder zulegen. Sofern die Spirale im Handelsstreit die Weltwirtschaft nicht doch noch erheblich abwürgt, scheinen die Risiken überschaubar.

Der iShares ETF auf den MSCI Emerging Markets beispielsweise hat zwar kräftig Federn gelassen, liegt aber immer noch erheblich über den schlechten Notierungen vor zwei Jahren. Mit etwas Risikofreude bieten sich hier Einstiegschancen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.