Selbstfahrende Autos auf der CES – Deutsche gut im Rennen

Auf der CES war Autonomes Fahren eines der großen Zukunftsthemen. Trotzt blasser Präsenz sind deutsche Hersteller gut im Rennen. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Eigentlich ist die CES die nach eigenen Angaben eine der größten Fachmessen für Konsumenten-Elektronik. Sie läutet traditionell das Jahr der Technologiebranche ein und ist schon daher für Anleger interessant.

Da aber digitalisierte Elektronik in fast allen Bereichen Einzug hält, wurde die Messe in Las Vegas immer mehr zur Rundum-Show in Sachen Zukunftstrends. So hat etwa das Autonome Fahren die CES mittlerweile zu einer halben Automesse gemacht.

CES: Autonomes Fahren und neue Konzepte

Folglich zieht nun neben der Vernetzung von Geräten im Haus, in der Logistik oder Medizin auf der CES Autonomes Fahren das Interesse auf sich. Vertreten ist alles, was Rang und Namen hat: von BMW über Daimler bis zu Toyota. Aus dem weiteren Bereich der Automobilbranche sind über 400 Unternehmen vor Ort.

Die neuen selbstfahrenden Autos sind sozusagen Computer auf Rädern, die stets online sind. Neue Konzepte werden in Zusammenarbeit mit den Herstellern und Zulieferern vor allem aus der Chipbranche erarbeitet. Intel beispielsweise erkennt eine klare Verschiebung weg von der Automobilindustrie hin zur Passagierindustrie.

Das Auto, so die Vorhersage, wird nach Wohnung und Büro zum dritten Lebensbereich, in dem es auf Dienste und nicht auf PS ankommt. Ähnlich sieht es der deutsche Chipausrüster Infineon. Chips, Sonsoren und Aktuatoren ermöglichen erst, dass Fahrzeuge von selbst agieren und auf bestimmte Situationen reagieren.

Welcher Hersteller die Nase vorn hat, lässt sich auf der Messe selbst kaum ausmachen. Alle glänzen mit eigenen Innovationen und Ansätzen, die zum Teil Basis für weitere Anwendungen und wiederum neue Wege sind. Alles ist im Fluss. Und stets tun sich neue Firmen auf, die im Automobilsektor mitmischen.

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Vorbild Alexa & Co.

Das angeblich erste E-Auto, das Fahrzeug und Computer komplett vereint, ist vom chinesischen Hersteller Byton – unter Leitung des Ex-BMW-Entwicklers Breitfeld. Auch bei anderen Marken ist die Verschmelzung schon im Cockpit zu sehen. Daimler zeigt das neue Infotainmentsystem MMUX.  Continental präsentiert ebenfalls derartige Systeme, gepaart mit künstlicher Intelligenz.

Vorbilder sind offensichtlich Sprachassistenten wie Alexa von Amazon oder Google, die auf Zuruf und über Vernetzung alles Mögliche steuern. Auch Hyundai oder Toyota stellen Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit eigenen Sprachassistenten vor. Zulieferer Bosch wiederum versucht es mit einer Offline-Funktion, die verschiedenste Sprachen versteht.

Abgesehen von der verwirrenden Vielfalt auf der CES, wo die deutschen Hersteller diesmal vergleichsweise bescheiden präsentiert sind, ist ein Blick auf den AV-Index der Unternehmensberatung Roland Berger aufschlussreich. Der vergleicht die Fortschritte der Autohersteller in Sachen Autonomes Fahren. Und hier zeigt sich, dass deutsche Firmen zusammen mit denen aus den USA den Ton angeben.

Deutsche Hersteller verdienen bereits gutes Geld

Die Stärke der Deutschen liegt im Bereich Roboterauto und Assistenzsysteme. Gerade bei letzteren lassen Daimler, BMW und VW die Konkurrenz weit hinter sich. Spurhalten, Gefahren erkennen, alleine einparken – die Systeme made in Germany sind vielfältiger, ausgereifter und in mehr Marken und Typen eingesetzt als in den USA oder Japan.

Dort wiederum versucht man diese Vorstufe zum vollständig autonomen Fahren zu überspringen. Derweil sind die deutschen Hersteller dabei, mit ihren Assistenzsystemen richtig Geld zu verdienen. Ihr Ansatz ist es, mit immer besseren Systemen Schritt für Schritt zum komplett Autonomen Fahren zu kommen. Wer letztlich das Rennen machen wird, ist völlig offen.

Die Aktien deutscher Autobauer jedenfalls bleiben interessant. Die teils niedrigen Bewertungen sollten den Einstieg erleichtern. Dass Autonomes Fahren die CES zunehmend dominiert, ist auch für Anleger ein Zeichen, wo künftig die Musik spielt. Der Zukunftsmarkt für digitale Autos der nächsten Generation wird nach Branchenangaben auf gut sieben Bio. US-$ geschätzt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.