Share Economy: Megatrend oder Modeerscheinung?

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Der Megatrend Share Economy erfasst zunehmend auch etablierte Unternehmen. Die Börsenkandidaten müssen sich beeilen und schnell wachsen. (Foto: Panchenko Vladimir / shutterstock.com)

Ungefähr nach der Finanzkrise 2009 fing es langsam an, 2013 zeichneten sich erste Konturen ab und mittlerweile gilt es als Megatrend: Share Economy, das Teilen von Konsumgütern und Besitz. Das Konzept, statt klassischer Kaufangebote vorhandene Ressourcen gemeinsam zu nutzen wird als typisch für die Generation Y angesehen, die mit dem Internet aufgewachsen ist. Da finden sich auch die immer zahlreicheren Plattformen für Vermittlungen aller Art.

Airbnb, Uber & Co.

Bekannteste Beispiele sind die Vermietungsplattform Airbnb oder der Fahrdienstvermittler Uber. Sie haben ein rasantes Wachstum hinter sich, das den Zeitgeist spiegelt: Sei es als Angebot von privat zu privat oder durch Unternehmen, die Gegenstände vermieten – die digitale Welt ermöglicht ein Leben, bei dem das Anhäufen von Eigentum eher als belastend empfunden wird.

Allein der Blick auf die modernen frugal-minimalistischen Wohnkonzepte spricht Bände: nüchterne Sparsamkeit bei Form, Farbe und Objekten. Wenn fast alles aus dem Smartphone kommt, braucht es weder Bücherregale noch Stereoanlagen mit Musik-CDs. Warum auch, wenn man etwa auf Spotify Free seine Playlist mit Freunden teilen kann. Der schwedische Streamingdienst, der auch kostenpflichtige Angebote hat, ist seit geraumer Zeit an der Börse gelistet.

Soweit ist Blablacar noch nicht. Die europaweit tätige französische Mitfahrzentrale wächst aber beachtlich. Nach dem Aufkauf von mitfahrzentrale.de folgte jüngst die Übernahme der Pariser Reisebus-Firma Quibus, die ihre Dienste auch in Deutschland anbietet. Im Megatrend Share Economy werden reine Vermittlungen eben häufig als Wegbereiter für umfassendere Geschäftsmodelle genutzt.

Anstehende Börsengänge

Auch bei Airbnb ist dies der Fall, wo neben Privatwohnungen auf Zeit auch Hotels und Reisen im Programm sind. Das Unternehmen wird bereits auf über 30 Mrd. US-Dollar geschätzt und plant den Börsengang noch im laufenden Jahr.

Ebenfalls auf der IPO-Liste steht Uber. Geschätzte Bewertung: rund 120 Mrd. US-Dollar. Die Umsätze schnellen in die Höhe, auch wenn das Betriebsergebnis im roten Bereich ist. Der Aufsteiger investiert unaufhaltsam in seine Expansion und eröffnet fortlaufend neue Geschäftsfelder wie E-Fahrräder, Frachtangebote oder Essenauslieferungen. Das Problem ist, dass irgendwann die Nutzerzahlen naturgemäß abflachen müssen – so wie bei vielen der neuen Anbieter.

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Erheblich kleiner, aber mit dem Geld von Alphabet und General Motors im Rücken, ist Lyft. Das Unternehmen wird noch vor Uber an die Börse gehen. Längst im SDax gelistet ist das deutsche Mietwagenunternehmen Sixt. Der Klassiker erhält im Megatrend der Share Economy weiteren Aufwind. Auf Sicht von zehn Jahren brachte die Aktie über 2.000 % Plus.

Mobilität als Service wird aber auch von den Autoherstellern genutzt. So haben sich Daimler und BMW mit Car2Go und Drive Now fest am Markt etabliert. Mittlerweile ist auch die Telekom auf den Zug aufgesprungen und bietet über Mobility Solutions Carsharing mit Telematiklösungen an.

Megatrend Share Economy erfasst viele Branchen

Vermietungen und Vermittlungen werden auch von immer mehr Herstellern anderer Branchen als Zusatzgeschäft angeboten. Das Prinzip Share Economy breitet sich schier unaufhaltsam aus. Allerdings flachen damit auch die Skaleneffekte vieler Neuanbieter ab. Nicht ohne Grund versuchen die, mit allen Mitteln eine Mindestgröße zu erreichen, um letztlich nahezu als Mischkonzern aus den oft roten Zahlen zu kommen.

Bei Uber zumindest dürfte spannend werden, ab wann es endlich profitabel arbeitet. Auch ist der Gegenwind nicht zu unterschätzen, der nicht nur von etablierten Taxiunternehmen kommt, sondern wie im Fall Airbnb auch von der Politik. Hier geht es unter anderem um Steuern und Abgaben. Sobald private Wohnungsvermieter wegen gewerblicher Tätigkeit Post vom Finanzamt bekommen, steigen sie aus dem Angebot aus.

Ebenso wenig sollte man sich von den gerne herausgestrichenen Umweltaspekten wie Ressourcenschonung oder weniger Verkehr blenden lassen. Häufig verlagert sich der Verbrauch lediglich. Und wenn Gegenstände wie Autos ständig von mehreren benutzt werden, müssen sie viel schneller ausgetauscht werden. Share Economy ist sicherlich spannend, doch mit Vorsicht zu genießen. Denn vieles lebt von Mode- und Mitnahmeeffekten, solange der Markt ungeregelt ist.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.