Shutdown in den USA: Auswirkungen auf die Finanzmärkte

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Der jüngste Shutdown in den USA hat Auswirkungen, die alles Bisherige übertreffen. Auch Unternehmen und Anleger sind direkt betroffen. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Dass eine radikale, kompromisslose Politik nicht nur Sorgen, sondern handfeste Probleme bereitet, zeigt einmal mehr der Haushaltsstreit in den USA. Von den Auswirkungen des Shutdown sind zunehmend auch Anleger direkt betroffen.

Haushaltssperre mit Rekordstillstand

Behörden und Verwaltung arbeiten nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr, weil Mitarbeiter der US-Regierung einstweilen kein Gehalt bekommen – dieser Zustand ist an sich nicht neu. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Haushaltssperren, wenn der Kongress mit der geplanten Verwendung oder dem Umfang des Haushaltsbudgets nicht einverstanden war. Meist hatte sich die Sache nach einigen Tagen erledigt. Nur einmal in der Geschichte der USA dauerte der Shutdown drei Wochen. Die Auswirkungen waren gravierend.

Diesmal jedoch begann der Streit schon am 22. Dezember 2018. Die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus ist nicht bereit, fünf Mrd. US-Dollar für Trumps Mauerbau entlang der mexikanischen Grenze durchzuwinken. Mit dem Hinweis, dass alternative Grenzsicherungen genauso effektiv aber billiger sind und sich die Zahl illegaler Migranten seit einigen Jahren von 1,6 Mio. auf 380.000 reduziert hat.

Für Donald Trump aber ist die Mauer ein Wahlversprechen, für das er mit dem Kopf durch die Wand geht. Vom Shutdown betroffen sind rund 800.000, ein Viertel aller Bundesbeschäftigten. Die Hälfte davon ist in Zwangsurlaub. Neben Schulen, dem Zoll oder der Nasa geht es auch um Behörden, die im direkten Zusammenhang mit der Finanz- und Realwirtschaft stehen.

US-Shutdown mit Auswirkungen auf wichtige Entscheider

Etwa in der Form, dass sie wichtige Kunden von Unternehmen sind. Bei der börsennotierten Cybersicherheitsfirma ForeScout etwa sorgen staatliche Institutionen für weit über ein Viertel der Umsätze. Auf rund 15 % wird deren Anteil beim Softwarekonzern Oracle geschätzt, bei Microsoft sind es nicht ganz 10 %. Wenn bei derartigen Größenordnungen der Umsatz einen Monat lang einbricht, wird sich das in den Quartalszahlen sichtbar niederschlagen.

Das nächste Problem sind Aufsichtbehörden. Pharmaunternehmen wie Pfizer oder Amgen kalkulieren bei der extrem teuren Einführung neuer Wirkstoffe mit jedem Tag. Im Shutdown kommt die mit Notbesetzung arbeitende Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) mit der Bearbeitung von Anträgen nicht mehr hinterher.

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Ähnlich verhält es sich bei der Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC), die sämtliche Kommunikationsgeräte zertifiziert. Apple oder Samsung sind nur die bekanntesten der betroffenen Hersteller.

Mit erheblichen Verzögerungen arbeitet auch die aktuell fast verwaiste Börsenaufsicht SEC. In der Folge werden wohl etliche beantragte Börsengänge verschoben. Gerade für kleinere Unternehmen und Startups reißt dies ein Loch in die Finanzplanung. Auch Investoren, die berechtigte Sorgen vortragen, werden einstweilen vertröstet.

Ebenfalls betroffen ist die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), welche die Future– und Optionsmärkte reguliert. Unter anderem müssen Anleger etwa auf den wöchentlich veröffentlichten Traders-Report verzichten. Es fehlen wichtige Informationen zu Basiswerten, zu denen auch Gold gehört.

Schadenssumme reicht an Mauerbaukosten

Und nun bekommen auch die Airlines die Sparbesetzung bei Fluglotsen und Sicherheitspersonal zu spüren. Auch die Genehmigung von Flugrouten und neuen Flugzeugen lässt auf sich warten. Abgesehen von Warteschlangen und Ausfällen verursachen allein die gestrichenen Flüge von Regierungsmitarbeitern bei der zweitgrößten Airline Delta Verluste um die 25 Mio. US-Dollar.

Dieses Mal sind die Auswirkungen des Shutdown in den USA enorm. Zählt man alle Beeinträchtigungen und Verluste zusammen, so dürfte sich die Summe in einer Größenordnung bewegen, die Trumps Mauer kosten würde. Den Schwarzen Peter wird er natürlich dem Kongress zuschieben.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.