Siemens Aktie: unterbewertetes Papier für Geduldige

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Die Siemens-Aktie ist stark unterbewertet. Neben neuen Bestellungen in der Zugsparte winken große Aufträge in Saudi-Arabien und im Irak. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Waren Mischkonzerne lange eine Art sichere Bank, weil sie mit ihrer breiten Aufstellung schlechter laufende Bereiche ausgleichen konnten, so suchen sie derzeit ihre Zukunft. Bestes Beispiel im Ausland ist General Electric; hierzulande etwa ThyssenKrupp. Siemens wiederum hat die Weichen mit seinen Umbauplänen bereits gestellt. Im Börsensegment dieser Industriekonglomerate, das auf Jahressicht ca. 20 % Minus aufwies, steht die Aktie von Siemens mit minus 10 % vergleichsweise gut da.

Der Zug fährt in die richtige Richtung

Dennoch haben die durchwachsenen Zahlen zum vierten Quartal die Siemens-Aktie gedrückt. Jüngst aber erholte sie sich wieder, nachdem einige Botschaften und Signale neue Hoffnung nährten. Zum Beispiel die Zugsparte, die für einen stagnierenden Nettogewinn gesorgt hatte, weil die geplante Ausgliederung höhere Steuerbelastungen bescherte. Sie soll nächstes Jahr mit dem französischen Pendant Alstom fusionieren, wobei sich die EU-Kommission wegen Wettbewerbsbedenken noch quer stellt.

Sollte der Deal zustande kommen, wäre Siemens mit 50 % beteiligt. Dass der Zug generell in die richtige Richtung fährt, zeigte zuletzt ein Auftrag im Wert von 1,7 Mrd. Euro. Siemens wird für die Londoner U-Bahn, die älteste der Welt, insgesamt 94 Züge liefern. 2023 sollen die ersten auf der Picadilly Line unterwegs sein. Das Geschäft hat Potenzial. Dennoch ist für Anleger Geduld angesagt; bis die ersten Früchte reifen, braucht es naturgemäß etwas Zeit. Bereits ein Jahr früher allerdings sollen die ersten der im August bestellten Züge für die Österreichische Bundesbahn laufen. Dieses Geschäft hat ein Volumen von 1,5 Mrd. Euro.

Irak und Saudi-Arabien winken mit Großaufträgen

Die Siemens-Aktie wird zudem vom Gewinneinbruch im Industriegeschäft gedrückt, vor allem aber dem in der Kraftwerkssparte, wo er um gut drei Viertel eingeknickt war. Hier jedoch gibt es einen Lichtblick. Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich entschlossen, nun doch nach Saudi-Arabien zu fahren und konnte mit dem Ölgiganten Saudi Aramco verhandeln. Den Angaben zufolge wurden Absichtserklärungen über Geschäfte in Höhe von 27,5 Mrd. US-Dollar unterzeichnet.

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Derzeit ist Siemens an der Errichtung eines Gaskraftwerks sowie dem Bau einer völlig neuen U-Bahn in der Hauptstadt Riad beteiligt. Bis 2030 erhofft man sich konkrete Aufträge von bis zu 30 Mrd. Dollar. Kraftwerke werden auch im Irak gebraucht. Und das ist der zweite Lichtblick. Konkret geht es um die Wiederherstellung der Energie- und Elektrizitätsversorgung in dem Land. Dass Kaeser auf einem Pressefoto zu sehen ist, wo er dem Elektrizitätsminister die Hand reicht, spricht Bände.

Ein Ministerium rein für Elektrizität ist vonnöten, weil die komplette Infrastruktur im Irak kaputt ist. Nach dem letzten Golfkrieg hatte der IS in weiten Teilen dem Versorgungsnetz den Rest gegeben. Seitdem gibt es nur stundenweise Strom im Land. Auch in Bagdad gab es zunächst nur Absichtserklärungen. Immerhin macht die US-Regierung massiv Druck, General Electric den Auftrag zuzusprechen.

Stark unterbewertete Siemens-Aktie mit Potenzial

Was für Siemens spricht: Der Konzern hatte zuvor in Ägypten drei neue Gaskraftwerke gebaut – in Rekordzeit. Und Eile ist im Irak geboten. Es geht um die Versorgung von 23 Mio. Menschen, die ihrem Ärger mit zunehmenden Protesten Luft machen. Sollten sich am Ende Siemens und General Electric den Auftrag teilen, bedeutet das für die Deutschen ein Volumen von gut 5 Mrd. US-Dollar.

Kaesers verhaltener Optimismus fürs neue Geschäftsjahr bekommt also neue Nahrung. Sobald aus Absichtserklärungen konkrete Verträge werden, dürfte die Siemens-Aktie spürbaren Auftrieb bekommen. Derzeit ist sie stark unterbewertet. Die meisten Analysten jedenfalls sind positiv gestimmt. Davon abgesehen wird die Dividende das fünfte Jahr in Folge angehoben.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.