Sind US-Aktien zu gefährlich für Privatanleger?

Vor allem in Krisenzeiten ertönen immer wieder laute Stimmen, die gerade US-Aktien in Verruf bringen. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Vor allem in Zeiten, in denen die Nachrichtenwelt geprägt ist von Kriegen, Crashs und Krisen, ertönen immer wieder laute Stimmen, die gerade US-Aktien in Verruf bringen.

Der US-Markt sei viel zu überhitzt und daher besonders gefährlich. Es drohe sogar eine erhebliche Korrektur.

Anleger sollten sich zurückziehen, um keinen Totalverlust zu erleiden. Allein wegen dieser Pauschalität ist diese Aussage grundlegend falsch.

Wie ein alter Professor die heutige Finanzwelt verrückt macht

Angeführt wird dabei oft der Vergleich zwischen europäischen und amerikanischen Aktien. Doch der Vergleich hinkt gewaltig.

Als maßgebliches Kriterium wird immer wieder das sog. Kurs-Buch-Verhältnis, kurz KBV, herangezogen.

Das KBV ist eine Kennzahl, die über die Graham-Lehre auch Einfluss in meine Bewertungsmethoden gefunden hat.

Dabei darf man nicht vergessen, dass auch das KBV bloß eine Kennzahl ist, die ihre Grenzen kennt. Diese Grenzen werden leider oft verkannt.

Die Bedeutung des Kurs-Buch-Verhältnisses

Das KBV errechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs geteilt durch den Buchwert.

Der Buchwert beschreibt das Anlagevermögen eines Unternehmens abzüglich seiner Verbindlichkeiten.

Vereinfacht könnte man sagen, der Buchwert ist der Wert des Anlagevermögens (Maschinen, Infrastruktur, etc.), der im Unternehmen verbleibt, wenn alle Schulden beglichen sind.

Die Vorteile des KBVs sind damit eindeutig. Es können Marktüberzeichnungen ausgeklammert und auf bestehende Werte zurückgegriffen werden.

Ist der nächste Crash damit schon vorprogrammiert?

Wirft man jetzt einen Blick auf den S&P 500 und das europäische Äquivalent den Stoxx Europe 600 zeigt sich ein erschreckendes Bild.

Das KBV der europäischen Aktien liegt bei 1,8. Bei den US-Aktien liegt dieser fast doppelt so hoch, bei 3,2. Graham peilte, als Urvater der Fundamentalanalyse, ein KBV von 1,5 an.

Doch sind die Aktien damit völlig überbewertet? Droht in den USA tatsächlich eine große Korrektur. Nach Graham wären ja sogar europäische Aktien viel zu teuer, oder?

Die Schwächen des Vergleichs

Hier sollten Sie klar differenzieren. Graham lebte von 1894 bis 1976.

Seitdem hat sich die Welt grundlegend verändert. Rein formal wären die heutigen Aktienmärkte nach der KBV-Analyse stark überbewertet.

Doch dabei werden wesentliche Veränderungen grundlegend verkannt.

Zunächst einmal lassen sich die europäischen und amerikanischen Märkte nicht anhand des KBVs vergleichen, auch wenn fast alle Medien diesen Vergleich nutzen.

Der Grund dafür ist recht einleuchtend.

Während die Unternehmensstruktur in Europa maßgeblich geprägt wird durch die Automobil-Industrie, dominieren in den USA vor allem Technik-Unternehmen wie Alphabet, Microsoft oder Apple.

Was von den meisten Analysten verkannt wird

Da diese Technik-Unternehmen aber kaum Anlagevermögen besitzen, fällt auch der Buchwert entsprechend niedriger aus.

Apple benötigt gerade nicht so eine große Maschinerie wie beispielsweise Volkswagen oder Daimler. Daher ist ein direkter Vergleich mit dem KBV nicht aussagekräftig.

Rechnet man diesen „Technik-Aufschlag“ heraus zeigt sich, dass die Aktienmärkte in Summe eher unterbewertet sind.

Allein das schließt eine kurzfristige Korrektur zwar nicht aus, es zeigt aber, dass eine Panikmache völlig deplatziert ist.

Ich kann meine Kaufempfehlungen für die europäischen und amerikanischen Aktien daher nur bestätigen. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Bleiben Sie investiert.


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© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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