Snap-Aktie feiert Comeback: Das sind die Gründe

Die Snap-Aktie wird gerne unterschätzt, weil viele Anleger nur auf Snapchat blicken. Doch die Aktie hat mehr zu bieten. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Der Februar war ein aufregender Monat für alle Anhänger der Snapchat-Aktie. Der Snapchat-Betreiber Snap konnte erstmals an der Wall Street überzeugen, nachdem das Unternehmen deutlich weniger Geld verbrannte als erwartet und überraschend viele Nutzer für seine Snapchat App gewann. Snap-Aktien legten daraufhin allein im Februar um knapp 30 % zu.

Viele Anleger fragen sich, ob der Höhenflug weitergeht und ob dem Social Media Unternehmen ein ähnliches Comeback gelingt, wie seinerzeit Facebook, dessen Aktien nach dem Börsengang zunächst ebenfalls abgestürzt waren.

Snap-Aktie legt zu – die Gründe

An dieser Stelle ist es für Anleger gut zu wissen, warum einige Analysten plötzlich wieder an Snap aka Snapchat glauben und ihre Kursziele nach oben schrauben. Snap schrieb im jüngsten Quartal zwar immer noch hohe Verluste (350 Mio. US-$), dafür nahm das Nutzer- und Umsatzwachstum Fahrt auf. Ganze 8,9 Mio. aktive Nutzer konnte Snapchat hinzugewinnen, im Schnitt nutzten im jüngsten Quartal 189 Millionen Nutzer weltweit die Snapchat App täglich.

Das Nutzerwachstum ist wichtig für Snapchat, hängen davon auch die potenziellen Einnahmen ab – diese kletterten zuletzt um 72 % auf 285,7 Mio. US-$. Anleger müssen wissen, dass Snap nahezu seine gesamten Umsätze durch mobile Werbeanzeigen generiert, die in Snapchat erscheinen.

Snapchat führt automatisierte Werbeplattform ein

Hier hat es Snap geschafft, im vierten Quartal ein automatisiertes Versteigerungssystem für freie Werbeplätze zu etablieren, wodurch Werbevermarkter viel einfacher und vor allem kostengünstiger Werbeanzeigen in Snapchat schalten können.

Dies hat zwar dazu geführt, dass im jüngsten Quartal mehr als 90 % der Snap-Werbeanzeigen programmatisch via Auktionssystem erworben wurden, wodurch die Werbepreise zwar sanken, Snap jedoch mehr Werbepartner und vor allem mehr Werbeplätze verkaufen konnte.

Unter dem Strich kletterte der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer um 46 % auf 1,53 Dollar, während die Kosten pro Nutzer lediglich um 2 % auf 0,98 US-$ anzogen. Dies zeigt: Das Geschäftsmodell von Snapchat scheint zu funktionieren.

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Neues Design kommt nicht überall gut an

Um noch mehr Nutzer für die Snapchat App zu begeistern, hatte Snap seiner beliebten App Mitte Februar ein neues Design spendiert – damit soll Snapchat für ältere Nutzer einfacher zu bedienen sein.

Sofort regte sich allerdings Widerstand von Seiten der jüngeren Generation, werden zum Beispiel Snapchat Stories im Newsfeed künftig unter private Snaps angezeigt und nicht mehr wie bislang chronologisch. Das neue Design wirkt zunächst ungewohnt, wodurch sich im Netz sofort Widerstand geformt hat. Promi-Sternchen Kylie Jenner machte via Twitter ebenso mobil gegen das Update, wie auch eine Petition auf Change.org, die einen Rückbau des Updates fordert und bislang mehr als 1,2 Mio. Unterschriften sammeln konnte.

Doch ie sich nun herausstellt, war das Update, dass auch den Snap-Aktienkurs kurzzeitig abstürzen ließ, weniger schädlich als zunächst befürchtet. Laut App Analysefirma App Annie blieben die Download-Zahlen für die Snapchat App auch nach dem Update weiter stark: Der Messenger zählt weiter zu den Top 10 der beliebtesten Apps im Apple iOS App Store als auch im Google Play Store.

Bitmoji App – Die Geheimwaffe von Snap?

Darüber hinaus müssen Anleger wissen, dass Snapchat nicht die einzige große App ist, die Snap betreibt. Nach der Übernahme von Bitstrips im Jahr 2016 für rund 64 Mio. US-$ gehört auch die Avatar-App Bitmoji zum Konzern. Über die Bitmoji App kann jeder Nutzer eine Cartoon-Version von sich selbst erschaffen und sich mit anderen Nutzern austauschen.

Insgesamt stehen Nutzern 1,9 Millionen Avatar-Optionen zur Verfügung. Die App scheint insbesondere in Amerika besonders beliebt, ist hier Bitmoji regelmäßig unter den Top 10 der Download-Charts zu finden und galt in den letzten Jahren als die am schnellsten wachsende App in Amerika (Quelle: comStore).

Fazit: Snap ist mehr als nur Snapchat

Snap ist weit mehr ist als nur Snapchat. Mit Bitmoji hat Snap neben Snapchat eine vielversprechende App an der Hand, die es nun zu monetarisieren gilt. Ob Snap dies gelingt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist Snap im jüngsten Quartal ein erstaunliches Comeback gelungen, das Hoffnung auf mehr macht. Trotz aller Euphorie rund um Snapchat und Bitmoji müssen Anleger aber auch beachten, dass Snap weiterhin tiefrote Zahlen schreibt.

Dies wird sich auch in den nächsten 2 Jahren voraussichtlich nicht ändern, wenn man den Schätzungen der Analysten glauben darf. Snap-Interessierte müssen also einen langen Atem und viel Risikobewusstsein mitbringen, wollen sie bei der möglichen Erfolgsstory mit dabei sein.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands