Snap Aktie – Wie geht es nach dem Kurssturz weiter?

Die Snap Aktie liegt am Boden – und Besserung ist momentan nicht in Sicht. Wie geht es nun weiter? (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Schwere Zeiten für Snap-Anleger. Die Aktien hinter dem Snapchat-Entwickler stürzten unmittelbar nach den jüngsten Zahlen um mehr als 20 % ab und notieren aktuell bei deutlich unter 11 US-$. Zur Erinnerung: Beim Börsengang vor mehr als 1 Jahr wurden die Papiere bei 17 US-Dollar bei den Anlegern platziert.

Die Hoffnungen der Anleger waren beim Börsengang groß, gilt die Foto-App als besonders hipp unter Jugendlichen. Doch Facebook hat über seine Tochter Instagram nach und nach Funktionen von Snapchat übernommen, gleichzeitig hat Snap zuletzt Änderungen an seiner mobilen Anwendung (App) vorgenommen, die offenbar nicht bei jedem Snapchat-Nutzer gut ankamen.

Snap Aktie nach dem Kurssturz: Besserung nicht in Sicht

Ergebnis: Das Nutzerwachstum hat sich bei Snapchat mit 15 % gegenüber dem Vorjahr auf 191 Mio. Nutzer dramatisch verlangsamt, gleichzeitig wurden auch die Umsatzerwartungen (244,5 Mio. US-$) mit Einnahmen von 230,7 Mio. US-$ deutlich verfehlt.

Nachdem das Unternehmen auf ein automatisiertes Auktionsverfahren bei der Vergabe seiner Werbeplätze umstellte, brachen die Werbepreise auf Snapchat um 65 % gegenüber dem Vorjahr ein.

Eine schnelle Erholung ist derweil nicht in Sicht. Wie das Snap-Management im Rahmen der Analystenkonferenz angab, wird sich das Umsatzwachstum im zweiten Quartal substantiell abschwächen. Die Zahl der aktiven Nutzer war im März niedriger als im Quartalsschnitt, Tendenz weiter sinkend. Anleger müssen sich also auch im laufenden Quartal auf eher schwache Zahlen einstellen.

Snap Aktie – die Lichtblicke

Auch wenn Snap die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen konnte, gibt es Lichtblicke. So ist anzumerken, dass der Werbeumsatz (229 Mio. US-$) um 62 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist. Das liegt daran, dass Snapchat als Werbeplattform für Unternehmen offenbar attraktiver wird. Die Zahl der aktiv Werbetreibenden sei 20 Mal höher als im Vorjahr, heißt es bei Snap.

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Snap-Finanzchef Drew Vollero merkt an, dass der Umsatz derzeit schneller wächst als die Kosten, was ein gutes Zeichen ist. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Snap weiterhin rote Zahlen schreibt. Daran dürfte sich sowohl in 2018 als auch in 2019 nur wenig ändern. Erst in 2020 bzw. 2021 halten Analysten einen Sprung in die Gewinnzone für möglich.

Wie sieht die Strategie von Snap nun aus?

Das Management rund um Firmenmitgründer Evan Spiegel stellt das Erreichen der Gewinnzone hinten an. Vielmehr will man weiter im großen Stil Werbetreibende für Snapchat gewinnen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht höhere Werbepreise, sondern die Steigerung des Return on Investment (ROI) für die Werbekunden. Dies bedeutet: Snapchat will neue Werbekunden mit niedrigen Werbepreisen ködern.

Gleichzeitig will Snap aber auch die Nutzerzahlen weiter steigern, denn mehr Nutzer bedeuten mehr Auswahl und damit höhere Chancen, die richtige Werbung den richtigen Konsumenten präsentieren zu können.

Fazit: Snap hat noch einen langen Weg vor sich

Anleger, die auf einen schnellen Turnaround bzw. Sprung in die Gewinnzone beim Snapchat-Entwickler Snap gehofft haben, werden sicherlich enttäuscht sein. Das Management legt seinen Fokus klar auf Wachstum der Werbekunden, andere Ziele wie die das Erreichen der Profitabilität stehen derzeit klar hinten an.

Dies bedeutet aber auch, dass bislang offen ist, wann und ob Snap den Sprung in die Gewinnzone schafft. Daher ist Snap wenn überhaupt derzeit nur für sehr risikofreudige Anleger interessant, die auf eine mögliche Übernahme durch einen anderen Social Network Giganten wie Tencent spekulieren.

Chinas größtes Internet-Unternehmen Tencent ist an Snap bereits mit rund 10 % beteiligt und könnte bei entsprechend niedrigen Kursen möglicherweise aktiv werden, sprich seine Beteiligung erhöhen oder eine vollständige Übernahme versuchen – dies ist bislang jedoch nur Spekulation.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands