Snap – ist der Hype rund um den Börsengang gerechtfertigt?

Es könnte der größte Börsengang seit Alibaba im Jahr 2014 sein. Snap Inc, das US-Unternehmen hinter der populären Messaging-App Snapchat, will im Frühjahr 2017 an die Börse.

An der Wall Street macht man sich jetzt schon auf ein Spektakel gefasst, denn Snapchat hat bereits Unterlagen für den Börsengang eingereicht. Durch den Börsengang will Snap bis zu 4,0 Mrd. US-$ aufnehmen und strebt damit einen Börsenwert von 20 bis 25 Mrd. US-$ an.

Snapchat – die Anfänge

Das in Venice/Kalifornien ansässige Unternehmen wurde ursprünglich im Jahr 2011 als Snapchat von Evan Spiegel und Booby Murphy gegründet. Ein Jahr später brachte Snapchat seine gleichnamige und kostenfreie Mobile App an den Start.

Über den Snapchat-Messenger können Anwender Fotos und Videos verschicken, die binnen Sekunden wieder automatisch gelöscht werden, sobald der Nutzer das Foto bzw. das Video angesehen hat. Inzwischen baute Snapchat den Funktionsumfang seiner App weiter aus, wodurch Anwender Fotos und Videos auch bearbeiten und mit diversen Filtern und Stickern verzieren können.

Im September 2016 folgte die Umbenennung in Snap Inc, sowie die Vorstellung von Spectacles – eine Sonnenbrille, die auf Knopfdruck Videos macht (siehe Bild unten).

snap-spectacles

                                                                                                                      Quelle: Snap

Snapchat – die App in Zahlen

Snapchat hat inzwischen mehr als 150 Millionen aktive Nutzer, rund 60% dieser Nutzer sind dabei zwischen 13 und 24 Jahre alt – damit ist Snapchat eine attraktive Plattform für alle Werbetreibende, die insbesondere sogenannte Millennials (Jugendliche bis 24 Jahre) erreichen wollen.

Bei Snapchat werden ferner mehr als 700 Millionen Fotos und Videos pro Tag verschickt. Zudem werden täglich mehr als 10 Milliarden Videos über Snapchat angeguckt, pro Sekunde  werden 9.000 Snaps (Fotoschnappschüsse) mit anderen Nutzern geteilt.

Snap Börsengang – das Unternehmen in Zahlen

Im Jahr 2015 erwirtschaftete Snapchat einen Umsatz von 60 Mio. US-$, in 2016 dürfte Snap Inc nach Firmenangaben einen Umsatz von 250 bis 350 Mio. US-$ erwirtschaftet haben. Im Jahr 2017 erwarten Analysten einen weiteren Umsatzanstieg auf knapp 1 Mrd. US-$.

Den Großteil seiner Einnahmen erzielt Snap durch Werbung. Ob Snap bereits schwarze Zahlen schreibt, blieb zuletzt unklar. Da Snap weniger als 1 Mrd. US-$ an Umsatz erzielt, muss der Messaging-Star diese Information (noch) nicht veröffentlichen.

Fazit: Facebook ist die bessere Social-Network-Aktie

Der Börsengang von Snap ist vor allem ein Zahltag für seine Eigentümer. Die beiden Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy halten etwa 15 bis 20% der Anteile am Unternehmen. Gleiches gilt für die Venture-Kapitalgeber Benchmark, Leightspeed Venture Partners und Institutional Venture Partners, die zwischen 5 und 12% der Anteile halten.

Das Geschäftsmodell von Snap ähnelt dem von Twitter und Instagram, mit dem Unterschied, dass Snap schneller wächst als andere Konkurrenten. Aus diesem Grund soll Facebook im Jahr 2013 auch ein Übernahmeangebot von 3 Mrd. US-$ unterbreitet haben, was Snap jedoch abgelehnt haben soll.

Für Privatanleger ist Snap eine spekulative Wette auf weiter steigende Nutzerzahlen und die Hoffnung, dass Snap eines Tages Gewinne einfährt. Dass diese Wette auch nach hinten losgehen kann, beweist Twitter. Der Kurznachrichtendienst wächst kaum mehr, mit der Folge, dass der Twitter-Aktienkurs heute deutlich unter dem einstigen Ausgabepreis von 26 US-$ liegt.

Kurzum: Privatanleger sollten sich zum Beispiel Facebook näher ansehen, anstatt sich vom Börsengang von Snap verrückt machen zu lassen. Facebook bietet nicht nur mehr Substanz, sondern auch ein tragfähiges Geschäftsmodell, das bereits nachhaltig profitabel ist.

20. Januar 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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