Snap vor Privatisierung? Das müssen Anleger wissen

Verschwindet Snap bald vom Kurszettel? Gerüchte über eine mögliche Privatisierung von Snap machen die Runde - das hilft der Aktie. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Die Snap-Aktie zog zuletzt deutlich an. Hintergrund sind Spekulationen um eine mögliche Privatisierung des Unternehmens. Vereinfacht gesagt: Nach dem fulminanten Absturz der Aktie könnte das Management Möglichkeiten prüfen, Snap von der Börse zu nehmen, wie diverse US-Medien berichten.

Zur Erinnerung: Im März 2017 feierte Snap einen Traumstart an der Börse. 200 Mio. Aktien wurden damals zu 17 US-$ (Emissionspreis) bei den Anlegern platziert. Am ersten Handelstag schoss die Snap-Aktie auf über 26 US-$ nach oben.

Anleger, die gezeichnet haben oder am ersten Tag die Snap-Aktie gekauft haben, sitzen inzwischen auf deutlichen Verlusten. Die Snap-Aktie wurde zuletzt nur noch bei 7 US-$ gehandelt – damit hat die Aktie etwa 78 % von seinem Allzeithoch verloren. Der Börsenwert ist inzwischen auf rund 9 Mrd. US-$ gesunken.

Snap-Aktie – die Gründe für den Absturz

Snap wollte mit seiner Foto-App, über die sich auch kurze Videoclips teilen lassen, insbesondere Facebook & Co das Wasser abgraben. Doch Facebook und seine Tochter Instagram haben inzwischen viele Snapchat-Funktionen kopiert und in ihre eigenen Anwendungen integriert.

Um die bislang defizitäre Gesellschaft in die Gewinnzone zu führen, nahm Snapchat im Februar 2018 eine Überarbeitung (Re-Design) seiner App vor. Diese Überarbeitung war damals auf teils heftige Kritik von Stars und Sternchen gestoßen. Prominente Snapchat-Nutzerinnen wie Kylie Jenner kündigten an, die App nicht mehr nutzen zu wollen. Anschließend musste Snapchat den ersten Nutzerschwund melden.

Nutzten im 1. Quartal 2018 noch 191 Mio. Nutzer die Snapchat-App, sank die Zahl der täglichen Nutzer im 2. Quartal 2018 auf 188 Mio. Zudem verbringen Snapchat-Nutzer offenbar immer weniger Zeit auf der Plattform, wie die Analysten aus dem Pivotal Research anmerken.

Snap vor Privatisierung oder kommt doch eine Übernahme?

Sollte das Snap-Management den Nutzerschwund nicht stoppen können, wäre eine Privatisierung eine interessante Alternative, glauben zumindest die Analysten bei Pivotal Research.

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Dadurch könnte sich Snap mehr Zeit verschaffen, um das Social Media Unternehmen neu aufzustellen. Denn neue Funktionen wie die visuelle Suche und neue TV-Shows wie „Snap Originals“ haben bislang nicht den durchschlagenden Erfolg gebracht.

Stattdessen droht dem Unternehmen möglicherweise sogar eine Übernahme durch einen anderen großen Internetkonzern. Facebook soll laut US-Medien in den letzten Jahren 3 Mrd. US-$ für Snapchat geboten haben, diese Offerte hatte Snapchat-Gründer Evan Spiegel allerdings ausgeschlagen.

Neben Facebook könnten aber auch Alphabet (Google) und Microsoft Interesse an einer Übernahme von Snap haben, um sich einen Instagram-Konkurrenten ins Haus zu holen – beide Tech-Größen verfügen über die entsprechenden finanziellen Mittel.

Fazit: Snap könnte über kurz oder lang vom Börsenzettel verschwinden

Sollte es Snap nicht schaffen, den Trend bei den Nutzerzahlen umzukehren und die Nutzer dazu bewegen, wieder mehr Zeit auf Snapchat zu verbringen, droht dem Unternehmen ein Abstieg in die Bedeutungslosigkeit – ähnlich wie es zuvor schon anderen Social Media Unternehmen wie MySpace.com ergangen ist.

Pessimisten wetten jedenfalls bereits im großen Stil auf den Niedergang von Snap. Im September waren 141 Mio. Snap-Aktien (ca. 15 % der Aktien) leerverkauft. Leerverkäufer (Shortseller) verkaufen Snap-Aktien in der Hoffnung, die Anteile später wieder günstiger zurückzukaufen – bislang ist diese Strategie aufgegangen.

Zumindest aktuell deuten keine Zeichen daraufhin, dass Snap das Blatt schnell wenden kann. Anleger, die auf eine schnelle Übernahme durch Facebook & Co spekulieren, könnten am Ende enttäuscht werden.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands