So belastet der Handelskonflikt die US-Wirtschaft

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Die US-Wirtschaft leidet unterm Handelskonflikt, die Staatskasse aber profitiert. Der Verlust: 7,8 Mrd. Dollar, Zolleinnahmen: 18,4 Mrd. Dollar (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Dass manche Anlässe für Unsicherheiten am Aktienmarkt mehr Zeit und Geduld erfordern, als anfänglich erhofft, zeigt sich nicht nur am Brexit. Auch der Handelsstreit der USA zieht sich nun über ein Jahr hin. Über den Handelskonflikt ist die US-Wirtschaft selbst alles andere als glücklich, obwohl Trump behauptet, die heimische Industrie schützen zu wollen.

Man mag nachvollziehen, dass China in Sachen Protektion mit zweierlei Maß misst und ständig Urheberechte missachtet, auch ist die EU kein altruistischer Handelsverein, der nicht um eigene Vorteile kämpfen würde. Abgesehen von der zur Schau getragenen Lust auf Konfrontation aber hat Trump gezielt Einnahmen aus Strafzöllen im Visier. Doch von diesem Effekt des Handelskonflikts hat die US-Wirtschaft so gut wie nichts. Die Gelder fließen in die Bundeskasse.

Zölle bremsen US-Handelsdefizit nicht

Ende letzten Jahres machte die Meldung die Runde, die USA haben durch die neuen Zölle auf Produkte im Wert von insgesamt 250 Mrd. US-Dollar einen Ertrag von 18,4 Mrd. US-Dollar erzielt. Getragen werden die Extrakosten zu rund 75 % von den chinesischen Exporteuren und wegen der Preisaufschläge zu gut 25 % von den amerikanischen Käufern. Unter den Vertretern der US-Wirtschaft hatte schon Walmart zeitig gewarnt, dass es trotz derartiger oberflächlicher Effekte keine Gewinner geben könne – und Recht behalten.

Der Handelsriese verzeichnet schlicht etwas weniger Umsätze, denn für die meisten Produkte aus China stehen, abgesehen von Ausnahmen wie Huawei Smartphones, kaum Alternativen aus heimischer Produktion zur Verfügung. Und wenn, dann sind sie immer noch teurer. Folglich wird weiter gekauft, wenn auch vorsichtiger. Im Ergebnis wurde auch ein Ziel verfehlt, das sogar das Ifo Institut vorgerechnet hatte. Die Münchner sagten wegen geringerer Importe einen Abbau des Handelsdefizits um 17 % vorher.

Wie man inzwischen weiß, hat sich Chinas Handelsüberschuss stattdessen um 17 % ausgeweitet. Richtige Nummer, falscher Anschluss sozusagen. Hinzu kommen eben auch Zölle in die Gegenrichtung. So muss sich die US-Landwirtschaft um neue Absatzmärkte für den Soja-Export bemühen. Denn die Chinesen kaufen jetzt in Brasilien.

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Über Verteuerungen wegen neuer Zölle auf Stahl und Aluminium klagt neben Ford auch General Motors. Auch wenn es nicht der einzige Grund für schlechtere Zahlen sein mag, das Schließen von Produktionsstätten und Streichen von Jobs sorgte für Wirbel. Stärker noch ist die Baumaschinenbranche von höheren Stahlpreisen betroffen. Mit fast 26 % ist der Stahlanteil bei den Herstellungskoten für Bergbaumaschinen am höchsten. Bei Landwirtschaftsgeräten liegt der Wert etwas niedriger.

Handelskonflikt kostet US-Wirtschaft Wachstum

Unter den Folgen leiden vor allem Alamo, Terex und Caterpillar. Die Verteuerung dürfte sich mittelfristig unter anderem auf die Produktion von Rohstoffen auswirken. Spürbar ausgewirkt hat sich der Handelskonflikt längst bei Apple. Zum einen wurden die Zulieferer aus China teurer, zum anderen die nach China exportierten Smartphones und andere Geräte. Klagen kommen auch von FedEx und Starbucks, das gerade dabei ist, den chinesischen Markt zu erobern.

Das bisherige Zwischenergebnis des Handelskonflikts: Die US-Wirtschaft hat verschiedenen Studien zufolge letztes Jahr 7,8 Mrd. US-Dollar an Kraft eingebüßt. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt entsprechend um 0,04 Prozentpunkte. Die Folgekosten sind hierbei nicht eingerechnet. Dem stehen staatliche Zoll-Einnahmen von 18,4 Mrd. US-Dollar gegenüber. Die aber werden von Produzenten und Verbrauchern getragen, was zur Abkühlung der Konjunktur beiträgt.

Ebenfalls nicht eingerechnet sind Faktoren, die sich bislang schwer messen lassen aber schwer wiegen können: ein abnehmendes Interesse chinesischer Konsumenten an US-Produkten, das im Extremfall bis zum Boykott gehen kann. Vor zwei Jahren hatte die Regierung eine politisch ausgelöste Boykottkampagne gegen koreanische Unternehmen wie Samsung gefahren. Die Folgen waren gravierend.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.