So finanzieren die Deutschen ihre Immobilien

Selten waren Immobilien so beliebt wie zwischen 2010 und 2016 – um mehr als 50 % sind die Preise innerhalb dieses Zeitraums gestiegen. Gleichzeitig ist auch das Kreditvolumen angestiegen, was an den höheren Immobilienpreisen liegt.

Eine Umfrage der Bundesbank in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ergibt deutliche Unterschiede in der Ausgestaltung der Kredite im Vergleich zur letzten Umfrage im Jahr 2014.

Diese 4 Variablen haben sich verändert

Kreditgröße: Lag die durchschnittliche Kreditgröße für die Immobilienfinanzierung im Jahr 2014 noch bei 92.000 €, ist sie 2016 auf 110.000 € angestiegen. Rund 20 % mehr Kapital benötigten die Deutschen also, um eine Immobilie zu kaufen, der Grund dafür sind die höheren Immobilienpreise.

Zinsbindung: 2014 betrug die durchschnittliche Zinsbindung 7,9 Jahre, 2016 lag sie bei 8,9 Jahren – also ein Jahr länger. Der Grund für die verlängerte Zinsbindung sind die niedrigen Zinsen, die sich die Deutschen länger sichern wollen.

Zinssatz: Bei 2,4 % lag der durchschnittliche Zinssatz einer Immobilienfinanzierung im Jahr 2014, 2016 sind es laut der Umfrage nur noch 1,7 %.

Tilgungsquote: Auch bei der Tilgung hat sich innerhalb von zwei Jahren etwas getan. Statt mit einer Quote von 3,6 % wie in 2014, tilgten die Deutschen 2016 mit einer Quote von 3,8 %.

Banken gehen höhere Risiken bei der Vergabe von Krediten ein

Die Kreditwürdigkeit der Kunden ist seit der letzten Umfrage 2014 dieselbe geblieben, jedoch ist die Darlehenssumme in Relation zum Beleihungswert der Immobilie um 36 % angestiegen. Das spricht dafür, dass die Kreditinstitute bereit sind, höhere Risiken bei der Kreditvergabe einzugehen. Zwar sieht der Vorstand der Bundesbank, Andreas Dombret, keine besorgniserregende Immobilienpreisblase, mahnt aber zur Wachsamkeit.

Für die Banken ist das niedrige Zinsniveau problematisch und unter 1.500 befragten Geldhäusern rechnen alle mit deutlichen Gewinnrückgängen von im Schnitt 16 % bis zum Jahr 2021. Bei den Ergebnissen dieser Umfrage muss bedacht werden, dass die großen Kreditinstitute daran nicht beteiligt waren und somit gerade in großen Städten viele vergebene Kredite nicht berücksichtigt wurden.

Zusammenfassung: Deutsche finanzieren Immobilien immer noch mit ausreichend Sicherheit

Wer eine Immobilie kaufen will und dafür eine Finanzierung benötigt, steht derzeit zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite ist das Zinsniveau so niedrig wie nie, auf der anderen Seite sind die Preise für Immobilien besonders in den Städten in den letzten Jahren stark angestiegen.

Mit einer langfristigen Zinsbindung können die niedrigen Zinsen aber noch für viele Jahre gebunden werden, sodass Eigenheimbesitzer selbst bei steigenden Zinsen in der Zukunft noch vom niedrigen Niveau profitieren. Auch mehr Eigenkapital und höhere Tilgungen relativieren die gestiegenen Preise und sorgen für Sicherheit. Wichtig ist eine ausgiebige Beratung zum Thema Immobilienfinanzierung, die sowohl Banken als auch unabhängige Berater anbieten.

2. Oktober 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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