So finden Sie die richtige Handelsplattform

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Eine Handelsplattform ist eine Software, die von einem Anleger zum Eröffnen, Schließen und Verwalten von Handelspositionen über einen Broker verwendet […] (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Eine Handelsplattform ist eine Software, die von einem Anleger zum Eröffnen, Schließen und Verwalten von Handelspositionen über einen Broker verwendet wird. Online-Handelsplattformen werden von Brokern häufig kostenlos angeboten, wenn ein Anleger ein Konto mit einer Einzahlung eröffnet oder eine bestimmte Anzahl von Transaktionen pro Monat durchführt.

Erste Schritte in der Auswahl der richtigen Handelsplattform

Eine Handelsplattform ist in der Regel nicht nur eine einfache Software, mit der ein Anleger Transaktionen tätigt und seine Konten überwacht. Die Plattform richtet sich an den Day Trader und den Privatanleger und zeichnet sich durch Benutzerfreundlichkeit und eine Reihe hilfreicher Funktionen wie zum Beispiel Kursdaten in Echtzeit, Chart-Werkzeuge, Markt-Nachrichten undDemo-Konten. Plattformen können auch speziell auf bestimmte Märkte wie Aktien, Währungen, Optionen oder Terminmärkte zugeschnitten sein.

Ein Anleger muss die Handelsplattform wählen, die zu der Art von Wertpapieren passt, die er handeln möchte und diejenigen ausschließen, auf denen er nicht mit den Wertpapieren handeln kann, an denen er interessiert ist. Er sollte zum Beispiel sicherstellen, dass auf der Plattform Vorzugsaktien, Optionen, Futures oder Anleihen gehandelt werden können, wenn er sich für diese Wertpapiere entscheidet.

Bei der Entscheidung zwischen Handelsplattformen sollten Händler und Anleger sowohl die damit verbundenen Gebühren als auch die verfügbaren Funktionen berücksichtigen. Day Trader und andere kurzfristige Händler benötigen möglicherweise Funktionen wie Kurse in Echtzeit, um präzise Einstiege finden zu können, während Optionen-Händler andere spezielle Werkzeuge benötigen, die zum Beispiel erlauben, mehrere Optionen gleichzeitig zu handeln.

Gebühren sind ein weiterer wichtiger Betrachtungspunkt bei der Auswahl von Handelsplattformen. Händler, die jeden Tag dutzende von Positionen eingehen und schließen, werden selbstverständlich Plattformen mit geringen Gebühren bevorzugen. Wenn allerdings zusätzliche Funktionen erwünscht sind, kann es sich lohnen, ein bisschen mehr zu zahlen, wenn dadurch der Handelskomfort verbessert wird.

Einige Handelsplattformen sind unabhängig von einem bestimmten Broker, während andere Handelsplattformen nur verfügbar sind, wenn man sich für einen bestimmten Broker entscheidet. Infolgedessen sollten Anleger auch die Reputation des Brokers berücksichtigen, bevor sie sich für eine bestimmte Handelsplattform entscheiden.

Es kann gegebenenfalls auch sinnvoll sein, mehrere Handelsplattformen bei unterschiedlichen Brokern zu nutzen. Wenn ein Anleger zum Beispiel sowohl den Devisenhandel als auch den Optionenhandel betreibt, wäre es für ihn von Vorteil, zwei unterschiedliche und spezialisierte Handelsplattformen zu nutzen.

Beliebte Handelsplattformen

Es gibt Hunderte – wenn nicht Tausende – verschiedener Handelsplattformen. Unter den bekanntesten sind folgende zu finden:

  • Die Trader Workstation von Interactive Brokers wird von mehreren Brokern in Deutschland angeboten. Die Trader Workstation ist die beliebteste Handelsplattform für Profis, mit geringen Gebühren und Zugang zu den Märkten auf der ganzen Welt.
  • Die TradeStation. TradeStation ist eine beliebte Handelsplattform für algorithmische Händler, die es vorziehen, Handelsstrategien mithilfe von selbst-entwickelten automatisierten Skripten auszuführen.
  • TDAmeritrade. TDAmeritrade ist eine beliebte amerikanische Handelsplattform für Trader und Investoren, die auch von europäischen Händlern benutzt werden kann.
  • Robinhood ist eine provisionsfreie Handelsplattform, die als mobile App anfing und nun auch über eine Webbasierte Schnittstelle verfügt.
  • MetaTrader. MetaTrader ist eine beliebte Plattform unter den Devisenmarktteilnehmern. Sie steht mit vielen verschiedenen Brokern in Verbindung. Die Skriptsprache ist ein passendes Werkzeug für diejenigen, die den Handel mit Währungen automatisieren möchten.

Die Handelsplattform im Vorwege ausführlich testen

Obwohl jeder Broker eine genaue Beschreibung der Funktionen und Möglichkeiten seiner Handelsplattform zur Verfügung stellen sollte, ist es ratsam, die Qualität der Plattform selber zu testen und zu bewerten. Die Handbücher der Handelsplattformen sind in der Regel mehrere tausend Seiten lang. Viel einfacher ist es, um sich einen Überblick zu verschaffen, die Plattform zu eröffnen und sie auszuprobieren.

Unabhängig davon, ob der Broker eine webbasierte Plattform anbietet, auf die jeder zugreifen kann, oder eine kostenlose herunterladbare Plattform, für die keine Anmeldung erforderlich ist, sollten so viele Funktionen wie möglich getestet werden, die kostenlos angeboten werden.

Selbst wenn ein fortgeschrittener Anleger zunächst keine Möglichkeit hat, die teuren Funktionen zu testen, kann er sich bereits einen guten Eindruck von der Qualität der Handelsplattform verschaffen, indem er sich nur auf die Grundfunktionen konzentriert. Wenn schon das kostenlose Angebot nicht überzeugend erscheint, ist es unwahrscheinlich, dass die erweiterte kostenpflichtige Plattform wertvoller ist.

Ein Anleger sollte einige Aufträge simulieren, zum Beispiel mit einem Demo-Konto, indem er Paper Trading (Papierhandel) betreibt. Der Papierhandel ist eine Möglichkeit für Anleger, das Platzieren und Ausführen von Trades zu üben, ohne echtes Geld zu riskieren. Dies ist eine großartige Möglichkeit, um neue Strategien auszuprobieren und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern, ohne Verluste zu erleiden.

So kann der Anleger beurteilen, ob der Handelsprozess auf der Handelsplattform reibungslos funktioniert. Er sollte bei der Gelegenheit auch verfügbare Filter oder andere Funktionen testen, die ihm bei der Suche nach Anlagen helfen, die bestimmte Kriterien erfüllen.

Für Broker, bei denen der Anleger ein Konto kostenlos eröffnen kann, ist es also sehr zu empfehlen, den Anmeldevorgang zu durchlaufen, nur um auf die Handelsplattform zuzugreifen und sie ausführlich zu testen.

Typische Funktionen, die eine Handelsplattform anbieten sollte

Die typischen Funktionen, die ein Anleger bei einer Handelsplattform finden sollte, sind folgende:

  • Kurse: Je nach Bedarf können die Kurse in Echtzeit oder zeitversetzt zur Verfügung gestellt werden. Es gibt also mehrere Möglichkeiten, einen Kurs für ein bestimmtes Wertpapier darzustellen, aber nicht alle Darstellungen entsprechen den aktuellsten Daten. Je nach Einstellung werden manchmal Kurse mit 20 Minuten Verzögerung angezeigt. Kurse in Echtzeit sind zu empfehlen, um sicherzustellen, dass die Trades zum richtigen Zeitpunkt ausgeführt werden.
  • Beobachtungslisten und Alarme: Egal in welcher Form, eine Handelsplattform muss die Möglichkeit bieten, Listen von Basiswerten zu erstellen. Benutzerdefinierte Beobachtungslisten und die Einrichtung von Alarmen, wenn gewisse Kriterien erfüllt sind, sind extrem hilfreiche Funktionen im täglichen Handel. Sogar Benachrichtigungen per E-Mail lassen sie in einigen Handelsplattformen einrichten, wenn zum Beispiel eine Aktie ein gewisses Kursniveau über- oder unterschritten hat.

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  • Screenerund Filter: Bietet die Handelsplattform Suchfunktionen (sogenannte Screener) und Filter, die von dem Anleger angepasst werden können, um Aktien, Rohstoffe, Investmentfonds oder andere Wertpapiere zu finden, die seinen spezifischen Kriterien entsprechen? Eine gute Handelsplattform wird dies ermöglichen und wird dabei intuitiv zu bedienen sein. 
  • Unterschiedliche Auftragsarten: Eine Handelsplattform sollte mindestens Market-, Limit-, Stop– und Stop-Limit Aufträge anbieten. Mit einer fortgeschrittenen Handelsplattform kann ein Anleger auch sogenannte Trailing-Stop Aufträge (in denen der Stopp-Loss nachgezogen wird) oder Market-on-Close Aufträge platzieren (die zu dem Preis ausgeführt werden, zu dem das Wertpapier beim Börsenschluss notiert).

Wenn ein Anleger nur wenige Trades mit einem langfristigen Anlagehorizont eingeht, sind einfache Auftragsarten ausreichend. Wenn er sich jedoch mit dem Day Trading oder dem Swing Trading befassen möchte, sollten er nach einer größeren Auswahl an Auftragsarten Ausschau halten. Wichtig sind dann in der Regel Aufträge, die automatisch ausgeführt werden können, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind.

  • Verlängerte Handelszeiten: Einige Handelsplattformen bieten die Möglichkeit, vorbörslich, nachbörslich oder je nach Wertpapier (zum Beispiel Futures) rund um die Uhr zu handeln. Möglicherweise wird dem Anleger eine Gebühr für den Handel über verlängerte Zeiträume berechnet. Wenn der Handel außerhalb der regulären Handelszeiten für den Anleger in Frage kommt, sollte er prüfen, ob dies möglich ist und wie die Gebühren dazu ausfallen.

Für neue Anleger ist diese Funktion möglicherweise nicht allzu wichtig. Für fortgeschrittene Trader oder diejenigen, die sehr aktiv sein möchten, ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, die verlängerten Handelszeiten eines Brokers in Anspruch nehmen zu können.

  • Nachrichten: Ein Überblick über Markt-Ereignisse und Nachrichten sollte auf der Handelsplattform auffindbar sein.
  • Charts: Eine gute Handelsplattform sollte Chart-Funktionen mit Indikatoren zur Verfügung stellen. Je mehr technische Indikatoren verfügbar sind, desto besser. Zumindest sollten die grundlegenden Indikatoren wie der Relative Stärke Index (kurz: RSI), die einfachen gleitenden Durchschnitte, die Bollinger-Bänder, die Moving Average Convergence Divergence (kurz: MACD) und die stochastische Indikatoren auf den Charts zu zeichnen sein. Das Handelsvolumen sollte ebenfalls sichtbar sein. Idealerweise lassen sich auch auf den Charts Unternehmensereignisse wie Gewinnberichte, Aktiensplits und Dividendenzahlungen ablesen.

Eine weiterführende Funktion im Chart-Bereich ist die Möglichkeit, zwei Wertpapiere miteinander zu vergleichen. Die visuelle Darstellung von zwei Aktienkursen auf einem Chart, um herausfinden, welche sich aktuell besser entwickelt als die andere, kann eine hilfreiche Funktion für den Anleger sein.

In allen Fällen sollte die Handelsplattform dem Anleger erlauben, Chart-Vorlagen zu bearbeiten und zu speichern, sowie Notizen in diese Charts einzufügen, auf die er später zurückgreifen kann.

  • Kontostand: Neben dem aktuellen Kontostand sollte ein Anleger schnell ablesen können, wie hoch seine Margin-Anforderung aktuell ist und wie viel Kapital er noch in seinen Handel einsetzen kann.
  • Auftragsmasken: Damit der Anleger seine Aufträge unkompliziert platzieren kann, sollte die Handelsplattform sehr übersichtliche Auftragsmasken anbieten, wodurch Aufträge mit ein paar Klicks ausgeführt werden können.
  • Risiko Management: Sehr gute Handelsplattformen können zu den gehandelten Positionen Risikoprofile darstellen. Somit erfährt zum Beispiel der Anleger im Vorwege, was der maximale Verlust seines Trades sein könnte.
  • Anpassbare Ansichten: Der Anleger sollte die Ansichtsmasken von seiner Handelsplattform nach seinem Geschmack und seinem Bedarf anpassen können, so dass er alle notwendigen Daten, die er für seinen Handel benötigt, auf einem Blick erfassen kann. Idealerweise lassen sich verschiedene Ansichten und Vorlagen speichern und jederzeit wieder abrufen.
  • Berichte: Die Handelsplattform sollte so ausgelegt sein, dass sich ein Anleger schnell und unkompliziert einen Bericht über seine realisierten Gewinn und Verluste generieren kann. Diese Funktion ist zum Beispiel hilfreich, wenn die jährliche Steuererklärung fällig ist. Grundsätzlich sollte jede gute Handelsplattform erlauben, die Handelstätigkeiten und deren Ergebnisse zu dokumentieren und zu speichern.

Weiterführende Funktionen für fortgeschrittene Anleger

Fortgeschrittene Anleger werden sich nicht nur mit allen oben erwähnten Funktionen zufrieden geben. Sie werden sich beispielsweise eine Handelsplattform wünschen, mit der es möglich ist, durch programmierte Algorithmen ihren Handel zu automatisieren.

Die Handelsplattform könnte auch so angepasst werden, um bestimmte Chart-Muster und Indikatoren-Signale automatisch zu erkennen. Die Alarme, die teils zu den Basisfunktionen gehören, könnten auch für die Erkennung von komplexeren Mustern eingerichtet werden.

Ermöglicht die Plattform Backtesting? Das Backtesting ist eine weitere Möglichkeit, Strategien zu testen und sich mit einer Handelsstrategie vertraut zu machen, bevor echtes Geld eingesetzt wird. Es ermöglicht dem Anleger, einen Trade oder eine ganze Reihe von Trades mithilfe von historischen Daten und unter festgelegten Bedingungen zu simulieren. Ein Trade wird beispielsweise rückwirkend platziert, um dann festzustellen, was passiert wäre, wenn der Anleger ihn in der realen Handelsumgebung ausgeführt hätte.

Der fortgeschrittene Anleger wird auf analytische Ressourcen zurückgreifen wollen. Gibt es für jedes Wertpapier eine umfassende fundamentale Analyse? Kann der Anleger beispielsweise schnell und einfach Daten wie Gewinn- und Verlustberichte, Termine zu Dividendenausschüttungen, Analysten-Meinungen und Insider-Geschäfte finden?

Schließlich können Handelsplattformen spezielle Anforderungen stellen, um sie nutzen zu dürfen. Beispielsweise können Plattformen verlangen, dass Day Trader über ein Eigenkapital von mindestens 25.000 Euro verfügen und für den Margin-Handel zugelassen sind.  Wenn ein Anleger Optionen handeln möchte, wird er gegebenenfalls Erfahrung mit dem Handel mit Optionen nachweisen müssen und die Genehmigung für den Handel mit Optionen benötigen, bevor er die Handelsplattform nutzen kann.

Fazit: Die richtige Handelsplattform, mehr Cockpit als Software

Handelsplattformen sind mehr als eine Software, mit der ein Anleger Handelspositionen ausführen und verwalten kann. Händler und Anleger sollten bei der Auswahl einer Handelsplattform gut überlegen, welche Funktionen sie für ihren Handel benötigen werden.

Es geht bei der Auswahl der richtigen Handelsplattform nicht nur darum, Aufträge platzieren zu können. Vielmehr sollte die Handelsplattform eine Art Cockpit mit unterschiedlichen Instrumenten sein, das dem Anleger das komfortable und sichere Manövrieren durch die Märkte ermöglicht.


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Von: Eric Ludwig. Über den Autor

Eric Ludwig (Jahrgang 1978) ist Chefanalyst und Chefredakteur des „Optionen-Strategen – dem Markt 2 Schritte voraus“. Durch seine hohe Affinität zu analytischen Methoden und Zahlen hat er diese einzigartige Strategie mit Credit Spreads entwickelt, die von jedermann systematisch und gewinnbringend eingesetzt werden kann.