So fordert Google jetzt Amazon heraus

Mit Shopping Actions hat Google eine neue Funktion eingeführt, die Amazon.com gefährlich werden kann. (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Amazon.com ist der unbestrittene König des Online-Handels. Einer jüngsten Studie des Handelsverbands Deutschland (HDE) zufolge zeichnet der amerikanische Internetriese inzwischen für fast die Hälfte (46 %) des gesamten deutschen Online-Handels verantwortlich.

Dies spiegelt sich auch in den jüngsten Amazon-Bilanzzahlen wider. Im ersten Quartal 2018 konnte Amazon.com seinen Umsatz um 43 % auf 51 Mrd. US-$ steigern, der Nettogewinn kletterte auf 1,6 Mrd. US-$ (3,27 Dollar je Aktie), womit die Markterwartungen deutlich übertroffen wurden. Die Ergebnisse kamen auch bei Investoren gut an, die Amazon-Aktie kletterte kurzzeitig über die Marke von 1.600 US-$ an der New Yorker Nasdaq, womit das Papier auf Jahressicht um rund 70 % im Plus liegt.

Der Erfolg von Amazon.com ist natürlich auch anderen Unternehmen nicht verborgen geblieben. Jetzt versucht Google mit einer neuen Funktion Amazon.com Umsatzanteile abspenstig zu machen.

Google Shopping Actions: So will der Suchmaschinenkönig Amazon herausfordern

Während sich kleine Online-Händler schwertun, den Kampf mit Amazon aufzunehmen, sieht Google durchaus Chancen mit einer neuen Funktion Marktanteile im E-Commerce-Handel gewinnen zu können.

Die Rede ist von „Google Shopping Actions“. Die Idee dahinter: Eine Einkaufsplattform soll direkt in die Produktsuche integriert werden, wodurch Online-Shopper nicht mehr extra die Amazon-Seite aufsuchen müssen, sondern direkt über die Google-Suchmaschine ihre Produkte bestellen können. Eine in Google integrierte Shopping-Plattform sozusagen.

Möglich wird dies durch die Kooperation mit großen Einzelhändlern, die nach dem Kauf die Logistik und die Bestellabwicklung übernehmen sollen. Zunächst ist die Funktion nur in den USA verfügbar, als Kooperationspartner konnte Google die Amazon-Konkurrenten Target, Walmart, Home Depot, Costco, Walgreens und Fry’s gewinnen.

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Was hat Google von der neuen Funktion?

Doch was bringt Google die neue Funktion, wenn die Umsätze über die Händler laufen? Zum einen erhält Google einen kleinen Prozentsatz von jedem Verkauf, der über die Google Shopping Listen läuft, zum anderen läuft auch die Zahlungsabwicklung über Google, womit der Suchmaschinenspezialist weitere Daten in die Hand bekommt und so das Einkaufsverhalten der Nutzer für Analyse- und Werbezwecke nutzen kann – Daten, die im digitalen Zeitalter Gold wert sind.

Wenngleich Google Shopping Actions nicht die organische Suchfunktion der Google Suchmaschine auf den Desktop oder dem Mobiltelefon beeinträchtigt, steht die Funktion auch für den Google Sprachassistenten und damit auf smarten Lautsprechern wie Google Home zur Verfügung. Dies bedeutet: Shopping Actions wird also auch dort zur Verfügung stehen, wo auch der Google Assistant verfügbar ist.

Laut Google wird alle ein bis zwei Sekunden seit der Markteinführung im Oktober 2017 ein Google Home Gerät verkauft, wodurch Google seine Präsenz im E-Commerce-Handel ausbauen könnte. Der Grund: Marktforscher erwarten in Zukunft, dass künftig mehr Bestellungen der Einfachheit halber über smarte Assistenten und Lautsprecher wie dem Google Home laufen.

Ferner arbeitet Google bei seinem Shopping Actions Programm direkt mit Händlern zusammen, was einen potenziellen neuen Vertriebsweg für große Händler wie Target darstellt, die zum Beispiel in 2011 ihre Zusammenarbeit mit Amazon.com wegen den auferlegten Restriktionen beendet haben.

Fazit: Shopping Actions ist ein vielversprechender Vorstoß von Google

Während die vorhergehenden Versuche von Google im E-Commerce-Markt (Google Express etc.) stärker Fuß zu fassen eher harmlos wirkten, stellt der Direktkauf bei der Produktsuche durch Shopping Actions doch einen ernstgemeinten Angriff von Google auf das Amazon-Imperium dar.

Mit diesem Schritt wird Google zwar Amazon.com voraussichtlich nicht vom E-Commerce-Thron stoßen, doch für Google ist der Vorstoß ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Umsatzdiversifikation, erzielt der Suchmaschinenspezialist rund 90 % seiner Einnahmen durch Online-Werbung. Google bzw. die Alphabet-Aktie bleibt daher für viele langfristig orientierte Anleger weiterhin ein interessantes Papier, das als Basisinvestment in Frage kommt.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands