So soll der Steuerzahler die EU-Banken retten

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Es wird eng; die Banken in Europa befinden sich in einem teils desaströsen Zustand. Schon länger warnen Experten und Journalisten […] (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es wird eng; die Banken in Europa befinden sich in einem teils desaströsen Zustand.

Schon länger warnen Experten und Journalisten davor, den Finanz-Instituten grundsätzlich zu trauen – und viele Bürger tun das auch schon längst nicht mehr.

Die EU-Banken haben einen Schuldenberg von 1,1 Bio. angehäuft

Der Grund: Europas Banken verzeichnen inzwischen einen Forderungs-Ausfall von sage und schreibe 1,1 Bio. € an faulen Krediten.

Mit anderen Worten: Sie müssen um 1.100 Mrd. € zittern, die sie aller Wahrscheinlichkeit nach nie mehr von jenen zurückbekommen, denen sie diese ausgeliehen haben.

Diese astronomische Summe entspricht rund 5,4% aller Kredite der Geldhäuser. EU-Vertretern zufolge liegt der Wert in einzelnen Staaten aber bei bis zu 47%.

Am stärksten davon betroffen sind die EU-Krisenländer Portugal, Zypern und Schwergewicht Italien. Hinzu kommen noch Griechenland, Slowenien und Irland.

Besonders die Italiener leiden mit rund 203 Mrd. € darunter.

An dieser Stelle muss jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass dies ein gesamteuropäisches Problem ist.

Plan B aus Brüssel

1,1 Bio. € – stellen Sie sich diese Summe einmal vor! Nun muss schnell eine Lösung her! Denn dieser Schuldenberg ist kaum mehr in den Griff zu bekommen.

Und er ist gefährlich für das EU-Wirtschafts-Wachstum, das darunter geradezu erstickt.

Natürlich gibt es bereits einen Plan B aus Brüssel; einen, der Sie nicht gerade froh stimmen wird.

Denn so könnte den Banken zukünftig  gestattet werden, öffentliche Mittel, sprich: Steuergelder, beim Verkauf ausfallgefährdeter Kredite zu verwenden, um die entstehenden Verluste auszugleichen.

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Paul Hartmann: Trotz Prognose-Senkung interessantTrotz kleiner Gewinn-Warnung sollten Sie die Paul Hartmann AG kennen. Ich stelle Ihnen das Unternehmen daher in diesem Artikel vor. › mehr lesen

Im Fachjargon heißt das: Wertgeminderte Aktiva könnten so vorsorglich rekapitalisiert werden.

Wieder einmal müsste so der Steuerzahler, also Sie, die Suppe auslöffeln, die sich die Banken selbst eingebrockt haben.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Rettungs-Plans

Allerdings ist dieser Plan nicht so einfach umzusetzen.

Denn zunächst muss er mit der geltenden “EU-Richtlinie zur Festlegung eines Rahmens für die Sanierung und Abwicklung von Kredit-Instituten und Wertpapier-Firmen (Recovery an Resolution Directive)” kompatibel gemacht werden.

Diese Abwicklungs-Richtlinie darf erst in Gang gesetzt werden, wenn zuvor temporäre staatliche Beihilfen (hinsichtlich einer Kapitallücke) identifiziert sind.

Ausnahmen davon sind nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Bewusste Verstöße gegen EU-Richtlinien

Doch bedenken Sie: Das ist ein Papier-Tiger!

Denn schon die größte italienische Bank, die Monte dei Paschi wurde erst vor Kurzem mit Steuergeldern gerettet, ohne dass die Abwicklungs-Richtlinie eingehalten wurde.

Ganz im Gegenteil wurde sie ausgehebelt, unterlaufen oder wie Sie sonst noch dazu sagen wollen.

Durch eine vorsorgliche Rekapitalisierung sollen EU-Banken gerettet und die Wirtschaft entlastet werden

Kurz zusammengefasst:

Im Prinzip geht es also darum, wie die europäischen Banken, die zig Millionen und Milliarden an faulen Krediten angehäuft haben, öffentlich unterstützt werden können.

Diese vorsorgliche Rekapitalisierung kann eben über den voran genannten Weg durchgeführt werden, um die EU-Wirtschaft damit nicht weiter zu be-, sondern zu entlasten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
guido grandt neu
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.