So unterscheidet man direkte und indirekte Steuern

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Bei der Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Steuern können manche Details in die Irre führen, auch wenn es klare Kriterien gibt. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)

Wer als Anleger mit vielfältigen Alltagsverpflichtungen gewohnt ist, verschiedene Arten von Steuern zu zahlen, mag sich schon aus rechtlichen Gründen fragen, wer denn letztlich wofür zuständig ist. Es geht um den Unterschied zwischen direkten und indirekten Steuern.

Im Prinzip ist die Unterscheidung zunächst recht einfach: direkte Steuern zahlt man selbst ans Finanzamt, etwa die Einkommenssteuer. Indirekte Steuern wie die Umsatzsteuer bezahlt man über den Preis und der Anbieter führt sie an den Fiskus ab. Andererseits werden auch Lohn- oder Abgeltungssteuer vom Arbeitgeber bzw. der Bank abgeführt.

Steuerschuldner und Steuerträger machen den Unterschied

Deshalb muss man bei der Frage, ob direkte und indirekte Steuern, genauer hinschauen. Eine entscheidende Rolle spielt die Position von Steuerschuldner und Steuerträger. Die Begriffe entstammen dem Steuerrecht. Danach ist jeder Steuerschuldner zugleich Steuerpflichtiger. Steuerträger ist derjenige, den die Steuer im Endergebnis belastet, der sie also wirtschaftlich trägt.

Typischerweise sind bei der direkten Steuer Steuerschuldner und Steuerträger identisch. Bei der indirekten Steuer indes handelt es sich um verschiedene Personen.

Im letzten Fall zahlt der Steuerträger zahlt die Steuer an den Steuerschuldner, der sie dann an den Fiskus abführt, wobei es auch mehrere Steuerschuldner in einer Kette von Vertragspartnern sein können. Man zahlt also als Kunde bzw. Steuerträger die im Preis einer Leistung enthaltene Steuer und ist damit wirtschaftlich belastet, hat aber mit dem weiteren Vorgang nichts zu tun. Beispiele sind neben der Umsatzsteuer, die Stromsteuer, die Tabaksteuer oder die Mineralölsteuer sowie allgemeine Verbrauchssteuern.

Und wie steht es mit Steuern, die Unternehmen direkt zahlen? Hier kommt es darauf an, ob sie sich bei der Gewinnermittlung in Abzug bringen lassen. Beispiel Gewerbesteuer, die lediglich den laufenden Gewerbebetrieb belastet. Ebenso können bei der eingenommenen Umsatzsteuer für Ausgaben gezahlte Umsatzsteuern gegengerechnet werden. Ähnlich verhält es sich bei Zollabgaben.

All dies unterscheidet sich von direkten Steuern wie der Einkommens- und Körperschaftssteuer, die bestimmte natürliche, etwa Privatpersonen oder Freiberufler, sowie juristische Personen, eine eingetragene Firma oder ein Institut beispielsweise, belasten.

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Gesetzgeber schafft Graubereich

Derartige direkte Steuern lassen sich grundsätzlich nicht, wie etwa die Umsatz- oder Kaffeesteuer, über den Preis auf andere abwälzen. Das Problem: Der Gesetzgeber achtet nicht immer darauf, dass eine solche Überwälzung bei direkten Steuern ausgeschlossen ist. So ist es üblich, Grundsteuern fürs Eigentum am Grundstück auf die Miete aufzuschlagen, womit der eigentliche Sinn der Steuer umgangen wird.

Zu den weiteren direkten Steuern gehört etwa die Kfz-Steuer, natürlich nur so lange, wie das Fahrzeug angemeldet ist. Hunde- oder Jagdsteuer sind ebenfalls direkte Steuern, die ein Hundebesitzer oder Jäger zu zahlen hat.

Bei der ebenfalls direkten Einkommenssteuer, die sich in selbständige, unselbständige, sonstige Einkünfte sowie Kapitalerträge aufgliedert, ist es übrigens unerheblich ob die Steuer von Dritten gezahlt wird. Dies ist zum Beispiel bei der Lohnsteuer der Fall, wo der Arbeitgeber den Steueranteil automatisch vom Gehalt abzieht und ans Finanzamt überweist.

Gleiches gilt bezüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Steuer wird nicht etwa auf den Arbeitgeber abgewälzt, Steuerschuldner und Steuerträger bleibt unverändert die Person mit ihrem Einkommen. Auch bei einer Quellensteuer bzw. der Abgeltungssteuer verhält es sich nicht anders, selbst wenn sie von der Bank abgeführt wird.

Eine Schenkungssteuer unterliegt demselben Prinzip. Und bei der Erbschaftssteuer, die der Schenkungssteuer weitgehend gleichgestellt ist, macht es keinen Unterschied, dass sie durch das Ableben einer Person ausgelöst wird. Sie ist eine sogenannte Erbanfallsteuer, die sich nach dem konkreten Erwerb durch einen Erben richtet. Anders sieht es nur bei der in vielen Staaten erhobenen Nachlasssteuer aus, bei der zuerst das komplett hinterlassene Vermögen eines Verstorbenen besteuert wird, noch vor der Aufteilung auf die Erben.

Zu guter Letzt: in Deutschland stammt das Steueraufkommen zu gleichen Teilen aus direkten und indirekten Steuern. Bei den direkten Steuern ist die Einkommenssteuer mit gut einem Drittel der größte Einzelposten, bei den indirekten Steuern in gleicher Größenordnung die Umsatzsteuer.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.