So viel kostet Steuerhinterziehung die EU jedes Jahr

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Deutschland ist kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Steuerhinterziehung. Um diese Kosten für die EU zu verringern gibt es 5 Überlegungen (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

1.650 Euro Steuern hinterzieht jeder EU-Bürger im Schnitt pro Jahr. Die University of London hat diese Zahl im Jahr 2015 ermittelt und rechnet auch hoch, was das für die Gesamtsumme in der EU heißt. 825 Mrd. Euro an Steuern entgehen allen EU-Staaten zusammengerechnet jedes Jahr. Das entspricht dem fünffachen des Haushalts der EU.

In diesen 3 EU-Ländern werden die meisten Steuern hinterzogen

1. Italien

Der Spitzenreiter in Sachen Steuerhinterziehung ist Italien. Dort werden jährlich rund 190 Mrd. Euro am Fiskus vorbeigeschleust.

2. Deutschland

Circa 125 Mrd. Euro fehlen in den Kassen der Bundesrepublik jedes Jahr aufgrund von Steuerhinterziehung.

3. Frankreich

Rund 117 Mrd. Euro kostet die Steuerhinterziehung den französischen Staat jedes Jahr.

Steuerhinterziehung: Kosten anhand der verlorenen Mehrwertsteuer berechnen

Die Mehrwertsteuer gilt als ein guter Indikator, um das Ausmaß der Steuerhinterziehung innerhalb eines Landes zu betrachten. In den Jahren 2015 und 2016 fehlten in Deutschland jeweils 10 Prozent aus den Einnahmen von Umsätzen und Verkäufen. Luxemburg ist der EU-Staat mit dem geringsten Lücke bei der Mehrwertsteuer, 8 Prozent sind es in dem kleinen Land. Der Spitzenreiter bei der fehlenden Mehrwertsteuer ist Rumänien. Seit 2009 sind die Zahlen gesunken, von 14,6 Prozent auf 9,9 Prozent in 2016. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Für die Zahlen aus der Studie gilt, dass sie zum Teil auch nur geschätzt sind. Die Steuerdaten, die aus einigen EU-Ländern vorliegen, sind wenig verlässlich. Dennoch geben diese Summen einen guten Überblick, um welche Größenordnung es sich bei den Kosten für die Steuerhinterziehung jedes Jahr handelt.

Welche Auswirkungen hat Steuerhinterziehung?

Im Jahr 2016 wurde das Thema Steuerhinterziehung in Deutschland wieder sehr präsent, als mit den “Panama Papers” zahlreiche Prominente aus aller Welt der Steuerhinterziehung beschuldigt wurden. Eines der prominentesten deutschen Beispiele für Steuerhinterziehung ist der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß. 28,5 Mio. Euro hat er am Staat vorbeigeschleust und saß dafür sogar im Gefängnis.

Fehlende Steuereinnahmen verringern die Haushaltsbudgets der EU-Länder, was dafür sorgt, dass Straßen nicht saniert, Schulen nicht gebaut und andere wichtige Investitionen nicht getätigt werden. Schon wer eine Haushaltshilfe nicht ordnungsgemäß anmeldet, hinterzieht Steuern.

5 Überlegungen zur Vermeidung von Steuerhinterziehung

Um die Steuerhinterziehung in Zukunft zu verringern oder möglichst sogar ganz zu vermeiden, gibt es folgende 5 Überlegungen:

1. Auf der schwarzen Liste der Steueroasen landen alle Länder, die bei der Aufklärung von Steuererziehung nicht genügend mit der EU zusammenarbeiten. Künftig könnten auf ihr nicht nur Länder außerhalb der EU, sondern auch EU-Staaten vermerkt werden.

2. Unklare Steuerregelungen sollen in der gesamten EU abgeschafft werden.

3. Viele Unternehmen melden sich in günstigeren EU-Ländern an und profitieren auf diese Weise von niedrigeren Abgaben, was den Staaten in denen sie eigentlich tätig sind Verluste beschert. Um diese legale Steuervermeidung zu unterbinden könnten Unternehmensgewinne künftig einer Minimalsteuer von 18 Prozent unterliegen.

4. Alle EU-Länder sollten offizielle Schätzungen und Berechnungen zum Ausmaß und zu den Kosten der Steuerhinterziehung in ihrem Land vorlegen.

5. Um neue Steuergesetze innerhalb der EU durchzusetzen, müssen alle Länder einstimmig entscheiden. Dies führt dazu, dass es selten Neuerungen auf dem Gebiet der Steuerpolitik gibt, da Länder mit niedrigen Steuern wie Malta, Luxemburg oder Irland oft nicht mitziehen. Würde dieses Einstimmgkeitsprinzip abgeschafft werden (was eher unwahrscheinlich ist), könnte sich das positiv auf die Steuerhinterziehung auswirken.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.