SoftBank verkauft alle nVidia-Aktien – was sollten Anleger tun?

nvidia Logo RED_shutterstock_1078070297_michelmond

Die japanische SoftBank hat nVidia-Aktien im Wert von 3,63 Mrd. US-$ verkauft. Wie sollten Anleger reagieren? (Foto: michelmond / shutterstock.com)

Der US-Grafikchip-Hersteller nVidia hat zuletzt die zurückgeschraubten Erwartungen erfüllen können. Die Ergebnisse im vergangenen vierten Fiskalquartal 2019 fielen nicht so schwach aus, wie befürchtet. Zudem honorierte der Markt den soliden Ausblick mit einem Kurssprung – dennoch bleiben viele Fragen.

Denn schon im Januar hatte sich die japanische SoftBank über ihren Vision Fund von seiner nVidia-Beteiligung getrennt – insgesamt wurden nVidia-Aktien im Wert von 3,63 Mrd. US-$ verkauft.

Viele Anleger stellen sich nun die Frage, ob sie dem Beispiel von SoftBank folgen und nVidia-Aktien verkaufen sollen oder ob der Chip-Hersteller doch vor einer Trendwende steht?

nVidia-Aktie – nach stabilen Ausblick wieder gefragt

Das nVidia-Management hatte vor etwa 2 Wochen seinen Umsatzausblick drastisch nach unten korrigieren müssen. Hintergrund war unter anderem eine schwächere Chip-Nachfrage aus China.

Für das jüngste Quartal musste nVidia zunächst einen Umsatzeinbruch um 24 % gegenüber dem Vorjahr auf 2,21 Mrd. US-$ melden. Der Nettogewinn fiel mit 80 US-Cent je Aktie höher aus als von Analysten erwartet, lag aber damit 53 % unter dem Vorjahr.

Im laufenden Quartal hofft nVidia den Umsatzverfall zu stoppen und erwartet an dieser Stelle Einnahmen von 2,2 Mrd. US-$, plus oder minus 2 %. Im Fiskaljahr 2020 sollen die Erlöse stagnieren bzw. leicht sinken. Analysten hatten hier mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 7 % kalkuliert.

Neue Grafikprozessoren für Laptops sollen die Wende bringen

Vor allem für das zweite Halbjahr 2019 erwartet nVidia wieder eine Erholung im Gaming-Geschäft, einer der wichtigsten Umsatzbereiche (ca. 50 % des Umsatzes) von nVidia.

nvidia Logo RED_shutterstock_1078070297_michelmond

Nvidia: Zahlen des Chipspezialisten mit Licht und SchattenChipspezialist sendet gemischte Signale. Das Ende des Kryptobooms hinterlässt deutliche Spuren. Dennoch könnte es in Zukunft wieder aufwärts gehen. › mehr lesen

In diesem Bereich setzt nVidia alle Hoffnungen auf seine neue GeForce RTX 2060 Serie. Die neue Grafikchip-Familie kommt bereits mit der neuen Echtzeit-Ray-Tracing-Technik daher, was besonders realistische Licht- und Schatteneffekte und weniger Stromverbrauch ermöglicht.

Im Vorquartal hatte nVidia seine neue Grafikkarten-Serie nicht auf den Markt bringen können, da die Lagerbestände bestehender Grafikkarten noch nicht abgearbeitet waren – dies hat sich jetzt geändert.

nVidia-Chef Jensen Huang geht davon, dass allein in diesem Jahr 40 Laptop-Modelle verschiedenster Hersteller mit der neuen 2060 Grafikkarte auf den Markt kommen werden. Das Grafikchip-Geschäft für Notebooks ist bei nVidia bereits im Vorjahr um rund 50 % gewachsen. In diesem Jahr kommen mit 40 neue Gaming-Laptops doppelt so viele Modelle auf den Markt, wie im Vorjahr.

Fazit: nVidia stabilisiert sich und blickt optimistisch ins zweite Halbjahr 2019

Der Branchenausblick für nVidia hat sich wieder etwas aufgehellt. Der Grund: Die Welt benötigt mehr Rechenleistung. Sei es für Cloud Computing in Datenzentren, künstliche Intelligenz (KI) oder Autonomes Fahren. nVidia bietet die Plattformen und Chips, mit denen sich Arbeitsprozesse beschleunigen lassen.

Daneben können Anleger im laufenden Fiskaljahr auf Dividenden und weitere Aktienrückkäufe hoffen. nVidia hat nochmals sein Ziel bekräftigt, bis zum Ende des laufenden Fiskaljahres 2020 insgesamt 3 Mrd. US-$ für Dividenden und Aktienkäufe ausgeben zu wollen.

Zwar scheint eine Stabilisierung der nVidia-Aktie auf dem aktuellen Niveau möglich, dennoch sollten Anleger stets beachten, dass die Halbleiterbranche sehr zyklisch ist. Dies bedeutet, dass die nVidia-Aktie auch in den nächsten Monaten noch sehr volatil bleiben kann, auch wenn sich nunmehr eine Bodenbildung abzeichnet.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands