Solaranlagen: verstecktes Potenzial in Schwellenländern

Erneuerbare Energien liegen voll im Trend. Das liegt vor allem auch an der deutschen Politik, die vor einiger Zeit den Ausstieg aus der Atomenergie angeordnet hat. Dabei findet man diese Tendenz nicht nur in Deutschland. Selbst Schwellen- oder auch Entwicklungsländer wie Marokko arbeiten an derartigen Großprojekten.

Vor einigen Monaten hat das nordafrikanische Land den größten Solarpark der Erde eröffnet. Der marokkanische König Mohammed VI. weihte die Anlage nahe der Stadt Ouarzazate im Süden des Landes ein. Die erste Ausbaustufe des Projekts, das insgesamt 1,2 Millionen Menschen mit Strom versorgen soll, ist der 3,5 Mrd. € teure Park Noor I.

Solaranlagen in Schwellenländern: Paradebeispiel Marokko

Marokko hat ehrgeizige Pläne. Da das Land über keine bedeutenden Öl- und Gasreserven verfügt und mehr Strom als jeder andere Staat im Nahen Osten importiert, sollen die erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden. Marokko will bis zum Jahr 2020 42% des Energiebedarfs auf diese Art und Weise decken. Bereits im Jahr 2012 hatte die Regierung in Rabat die Abkehr von den fossilen Brennstoffen beschlossen.

Die vollständige Anlage im Zentrum Marokkos soll nach der Beendigung der Bauarbeiten im Jahr 2018 eine Fläche von 30 Quadratkilometern einnehmen und eine Kapazität von 500 Megawatt aufweisen. Die hierbei verwendete Technik arbeitet nur an Standorten mit besonders starker Sonneneinstrahlung.

Mit den in Deutschland verbreiteten Photovoltaik-Anlagen ist die Funktionsweise des riesigen, so genannten Parabolrinnen-Kraftwerks nicht zu vergleichen. Die knapp 9 Meter hohen, gebogenen Spiegel bündeln die Sonnenstrahlen und erhitzen auf diese Weise eine Flüssigkeit, die in einem Leitungssystem zirkuliert. Schließlich wird Wasserdampf erzeugt, der eine Kraftwerksturbine, die von Siemens geliefert wurde, antreibt.

Die Wärmeenergie aus der Sahara kann im Gegensatz zum Strom aus Photovoltaik-Anlagen relativ einfach gespeichert werden. Schwankungen im Stromangebot, die die Energiewende in Deutschland erschweren, werden daher bei dem Solarpark in Marokko geringer ausfallen.

Internationale Förderung der Solaranlagen in dem Schwellenland

Noor gilt als das größte Solarwärme-Kraftwerk der Welt. Der internationale Climate Investment Funds (CIF) investierte umgerechnet 390 Mio. € in die riesige Solaranlage. Deutschland ist ebenfalls an dem Mega-Sonnenpark beteiligt. Der Bund steuert nach einer Verlautbarung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)  834 Mio. € bei – davon 339 Mio. € über die KfW.

Die Rechnung der marokkanischen Regierung scheint aufzugehen: Wo der Import fossiler Rohstoffe aus dem Ausland die heimische Volkswirtschaft auf Dauer belastet, sollen die Zuschüsse für den Ausbau des Ökostroms mehr und mehr sinken. Schließlich sollen die Bevölkerung, der Staatshaushalt und die Wirtschaft von den auf lange Sicht geringeren Strompreisen profitieren.

Großprojekte wie der riesengroße Solarpark in Marokko sind Beispiele für den Vormarsch der erneuerbaren Energien auch in Schwellenländern. Die Anlage soll dem nordafrikanischen Staat dabei helfen, die Ausgaben für Rohstoffe zu senken und die Bevölkerung mit Energie zu versorgen.

21. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt