SolarWorld: Paradebeispiel für das „Schnell-reich-werden-Syndrom“

Viele Privat-Anleger haben bei Ihren Investments nur eines im Sinn: möglichst viel Geld mit möglichst wenig Einsatz in möglichst kurzer Zeit zu erzielen.

Für mich sind das allerdings keine Investments, sondern pure Spekulationen, Sie könnten auch „Wetten“ dazu sagen:

Denn bei diesen Aktien-Spekulationen geht es nur um „hopp oder top“.

Nach weit über 30 Jahren Börsen-Erfahrung kann ich Ihnen sagen: DAS ist der falsche Weg zum Investment-Erfolg!

Wie man vermeintlich schnell reich wird

Wie lassen sich hohe Gewinne mit wenig Einsatz in kurzer Zeit bewerkstelligen? Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Hier die 3 häufigsten:

  • Die wohl beliebtesten Instrumente sind Derivate, also Zertifikate oder Optionsscheine auf Aktien. Optionen sind hier für mich die Ausnahme – wenn sie fachgerecht eingesetzt werden.

Bei den Derivaten liegt die Spekulation in der Hebelwirkung, die eine Kursveränderung für Ihr eingesetztes Kapital verzigfachen – allerdings im positiven wie im negativen Sinne.

  • Der Kauf von sogenannten Penny-Stocks, also Aktien, die unter 1 €, etc. (Währung ist beliebig einsetzbar) notieren oder Aktien, die vom Penny-Stock-Dasein nicht mehr weit entfernt sind. Auch hier ist es eine Spielart vom Hebel, die viele Spekulanten zum Einstieg reizt:

Wenn ein Aktienkurs von 0,20 € um 0,20 € auf 0,40 € klettert, dann hat man seinen Einsatz einmal eben verdoppelt (+100%). Steigt eine Aktie von 50,00 € auf 50,20 €, dann ist das halt nur ein Plus von +0,4%.

  • Aktien, die im Kurs zuletzt stark gefallen sind – auf diesem Feld tummeln sich v. a. die sogenannten „Schnäppchenjäger“. Die Motivation zum Einstieg liefert hier die (irrige) Annahme: „Was im Kurs kräftig gefallen ist, muss auch wieder kräftig steigen.“

Dies ist noch die etwas weniger spekulative Variante des „Schnell-reich-werden-Syndroms“.

Teufelszeug Zertifikate und Optionsscheine

Ich persönlich halte Zertifikate und Optionsscheine heutzutage für „Teufelszeug“.

Dabei habe ich selbst das Instrument Optionsscheine in den Anfangsjahren meiner Börsenkarriere sehr häufig – per Saldo allerdings extrem verlustreich! – eingesetzt.

Allerdings unterschied sich der Optionsschein-Handel in den 1980er- und 1990er-Jahren signifikant von dem heutigen, und zwar in puncto Fairness:

Damals resultierten Optionsscheine noch aus von Aktiengesellschaften emittierten Options-Anleihen.

Überdies richtete sich die Kursfeststellung nach Angebot und Nachfrage, die sich wiederum an der Notierung des Basiswertes orientierte.

Heute werden Optionsscheine (und Zertifikate) von Banken emittiert, die damit nur eines Sinn haben: sehr, sehr viel Geld mit unwissenden und unerfahrenen Anlegern zu verdienen!

Ihr Partner beim Kauf und Verkauf von Optionsscheinen ist: die Bank.

Denn: Die Kurse werden hier von den emittierenden Banken selbst gestellt und „sollen“ sich an der Entwicklung des Basiswertes orientieren.

Doch ist der Rahmen dafür weit gesteckt und orientiert sich nicht selten an den Verdienstmöglichkeiten der Banken.

Penny-Stocks sind kein Investment!

Diesen Satz konnten Sie bereits gestern in meiner Analyse zu Air Berlin lesen.

Viele Privat-Anleger machen sich entweder gar keine Gedanken darüber, WARUM ein Penny-Stock ein Penny-Stock wurde, oder sie ignorieren die Erkenntnis.

Was auch immer im Einzelfall als Ursache für einen starken Kursrückgang genannt werden mag, letztlich ist es stets das Angebot, welches die Nachfrage anhaltend überwogen hat.

Einer der besten Indikatoren, um sich dies vor Augen zu führen, ist das On-Balance-Volumen (OBV).

Bei diesem Indikator werden die täglichen Kursveränderungen mit den dazugehörigen Umsätzen verknüpft und die Resultate fortgeschrieben.

Folglich sinkt das OBV immer dann besonders kräftig, wenn (starke) Kursrückgänge mit hohen Umsätzen einhergehen.

Und Kursrückgänge entstehen immer dann, wenn – richtig! – mehr Anleger eine Aktie verkaufen wollen, als Kaufinteresse vorhanden ist.

SolarWorld: Paradebeispiel des „Schnell-reich-werden-Syndroms“

Schauen wir uns das einmal am Beispiel des ehemaligen Börsen-Highflyers SolarWorld an:

Für diese Aktie gelten quasi alle 3 o. g. Varianten des „Schnell-reich-werden-Syndroms“:

solarworld_17-08-2017

SolarWorld: Paradebeispiel für das „Schnell-reich-werden-Syndrom“

Die SolarWorld-Aktie hat in nicht einmal 4 Jahren 99,7% ihres Wertes „verbrannt“.

Das On-Balance-Volumen dokumentiert: Das Angebot war tendenziell DAUERHAFT höher als die Nachfrage.

Die Großinvestoren sind zunehmend aus der Aktie ausgestiegen. Mitte August 2017 FLoHEN die Aktionäre regelrecht aus den Anteilen.

Diese Naivität ist geradezu grotesk

Was für mich, wie im Fall SolarWorld, immer wieder besonders erschreckend und völlig unverständlich ist:

Wider besseren Wissens kaufen Privat-Anleger Aktien von Unternehmen, die Insolvenz angemeldet haben.

Bei SolarWorld hatte darüber hinaus am 1. August 2017 der Insolvenz-Verwalter in einer Pressemitteilung noch einmal das deutlich gemacht, was einem der gesunde Menschenverstand auch schon hätte sagen müssen:

„Nach derzeitigem Informationsstand ist es ausgeschlossen, dass die Aktionäre der SolarWorld AG aus etwaigen Verwertungs-Erlösen noch Ausschüttungen erhalten.“

Spätestens zu diesem Termin musste auch dem Letzten klar sein, dass die SolarWorld-Aktie de facto wertlos ist und der Kurs sich daher in diese Richtung bewegen wird.

Wer hier trotzdem noch eingestiegen ist, der ist zum einem seinem schwer verdienten Geld „böse“ und hat es zum anderen nicht besser verdient:

Von 1,54 € am 2. August 2017 auf 0,37 € am 17. August = –76% in nur 15 Tagen!

Die einzigen Anleger, die von diesem Spekulantentum profitieren, sind die SolarWorld-Aktionäre, die – aus welchen Gründen auch immer – an der Aktie festgehalten haben:

Diese Aktionäre hatten seit Bekanntwerden der Insolvenz durch die Zocker die Chance, wenigstens noch einen Teil ihres eingesetzten Kapitals zu retten.

17. August 2017

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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