Spanische Aktien haben viel Luft nach oben

Spanische Aktien haben erhebliches Nachholpotenzial. Spanien ist auf Erholungskurs und hat die am schnellsten wachsende Wirtschaft Europas. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Spanien wird gemeinhin mit den Krisen am Südrand Europas verbunden. Die vor Jahren geplatzte Immobilienblase zog die restliche Wirtschaft in Mitleidenschaft und trieb die Arbeitslosigkeit in die Höhe.

Spanische Aktien hätte wohl kaum jemand anfassen wollen. Entsprechend weist der Leitindex IBEX 35, in dem die 35 größten Unternehmen des Landes gelistet sind, über die letzten zehn Jahre ein Minus von 36 % auf.

Spanische Aktien mit Lateinamerika-Effekt und Nachholpotenzial

Doch bereits die ersten Reformen der Regierung Rajoy zeigten Wirkung. Seit Mitte letzten Jahres verzeichnet der IBEX 35 ein Plus von 25 %. Die Wirtschaft kam in Schwung und wurde durch die Niedrigzinsen befeuert. Und nun zieht der private Konsum kräftig an. Spanien hat viel aufzuholen und wird in Europa am schnellsten wachsen. 2016 betrug das Wirtschaftswachstum gut 3 %.

Was zudem Einfluss auf spanische Aktien hat, ist das traditionelle Engagement vieler Unternehmen in Lateinamerika. Dort ist die Talsohle durchschritten, weshalb etliche Fonds in Stellung gehen und Titel wie Banco Santander oder Telefonica höher gewichten. Die erwirtschaften mindestens 40 % der Erlöse in der Region und können jetzt Kursverluste von über 13 % im letzten Jahre aufholen. Gleiches gilt für die zweitgrößte Bank BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria).

Die drei Unternehmen sind die Schwergewichte im IBEX 35 und für deutsche Verhältnisse noch billig zu haben. Vor einem halben Jahr notierten sie teils unter dem Zehnfachen ihrer zu erwartenden Gewinne.

Mode für die Welt

In ihrer Aufholdynamik hatten die spanischen Aktien auch keinerlei Probleme mit dem Brexit – zum Beispiel Inditex, die Nummer vier im Leitindex. Der weltweit aufgestellte Textilkonzern und Europas größter Modemacher legte in den ersten neun Monaten des vergangenen Geschäftsjahres beim Umsatz um 11 % auf 16,4 Mrd. € zu. Der Nettogewinn stieg um 9 % auf 2,2 Mrd. €. Hauptumsatzträger war der Online-Handel.

Doch Inditex ist auch vor Ort präsent. In seinen nun 7.240 Läden werden in über 93 Ländern Produkte der Marken Zara, Zara Home, Massimo Dutti, Bershka, Pull & Bear oder Stradivarius vertrieben. Seit 2009 hat sich der Wert der Aktie von 5 € auf über 30 € mehr als versechsfacht.

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Erneuerbare Energien zahlen sich aus

Das nächstgrößte Untenehmen ist Iberdrola. Der Energiekonzern ist auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr profitierte er unter anderem von einer gestiegenen Produktion aus Wasserkraft im Heimatland. Außerdem von einer Gewinnverdoppelung der US-Tochter Avangrid.

Der Erdgaslieferant und Betreiber von Atom und Windkraftanlagen ist bei verschiedenen Offshore-Parks engagiert, darunter „Wikinger“ in der Ostsee. Der soll bis Ende des Jahres mit einer Gesamtleistung von 350 Megawatt ans Netz gehen. Auch in Mexiko entstehen zwei Windparks unter der Regie von Iberdrola.

Die Aktie legte seit Anfang Dezember von 5,61 € auf über 6 € zu. Nachdem sie auf Jahressicht mehr oder weniger auf der Stelle trat, wird nun von einem Kursziel von 7 € ausgegangen. Ganz einfach weil zu erwarten ist, dass sich die massiven Investitionen auszahlen.

IT-Lösungen für den internationalen Tourismus 

Stabile Zuwächse kennzeichnen Amadeus mit Sitz in Madrid. Das Softwareunternehmen vertreibt das gleichnamige Reservierungssystem und hat eine dominante Stellung in der Tourismusbranche, die zudem weitere IT-Dienste des Hauses nutzt. Amadeus übernahm 2016 Navataire, einen US-Anbieter von IT-Servicelösungen für die Luftfahrt. Der gesamte Kundenkreis umfasst nun Airlines, Bahn-, und Schiffsgesellschaften, Reisebüros, Hotels sowie Mietwagenunternehmen. Die letzten fünf Jahre legte die Aktie um 259 % zu.

Erfolg mit Bioscience und Diagnostic

Grifols SA ist ein multinationales Pharma- und Chemieunternehmen aus Barcelona. Es stellt hauptsächlich Blutplasmaderivate sowie Diagnostiksysteme her und ist Marktführer in Europa. 2014 übernahm Grifols den Bereich Transfusionsmedizin und Immunologie von Novartis. Es beliefert Testlabore, Institute und Krankenhäuser in über 100 Ländern. Die Aktie ist seit 2008 im Ibex 35 gelistet und verzeichnete in der Vergangenheit über verschiedene Zeiträume stete Zuwächse.

Insgesamt haben spanische Aktien Nachholpotenzial. Erst recht im Verhältnis zu US-Aktien gibt es erheblich Luft nach oben. Wer auf den ganzen IBEX 35 setzen will, kann einfach einen entsprechenden ETF auf den spanischen Leitindex kaufen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.