Spotify plant Börsengang – aber nicht klassisch

Dass Spotify den Börsengang plant, ist ein offenes Geheimnis. Der Musikstreamer allerdings geht beim IPO einen unüblichen Weg. (Foto: Felix Reinecke - GeVestor)

Er ist erfolgreich und bei zahllosen Nutzern beliebt: Spotify, der Musikstreaming-Dienst aus Schweden ermöglicht es, rechtlich geschützte Musik übers Internet zu hören. Darunter sind große Plattenlabels wie Sony, EMI, Warner Music Group und Universal sowie zahlreicher kleiner Labels.

Börsengang von Spotify ein offenes Geheimnis

Der Erfolg drängt nun Spotify zum Börsengang. Die Aktien sollen im ersten Quartal dieses Jahr an einer Börse in den USA gelistet werden. Das Unternehmen hält sich zwar bedeckt, doch das offene Geheimnis ist längst auf dem Radar der Investoren. Für Anleger eine Gelegenheit, von Anfang an Chancen wahrzunehmen. Doch der IPO (Initial Public Offering) weicht vom regulären Vorgehen ab.

Spotify wählt den unüblichen Weg einer Direktplatzierung. Normalerweise engagieren Unternehmen, die an die Börse gehen, zuvor Konsortialbanken und durchlaufen eine Roadshow bzw. Werbetour auf der kräftig für die neue Aktie getrommelt wird. Gleichzeitig werden am Erstmarkt, also nicht an der regulären Börse, die Preise gebildet. Auf all das will Spotify mit einer direkten Listung verzichten – und somit erhebliche Kosten sowie Zeit und Aufwand sparen.

Keine frischen Aktien

Stattdessen kommen die Anteilsscheine einfach in den Handel. Und zwar keine neuen Aktien, sondern solche, die bereits existieren. Gehandelt werden also nur Papiere, die bestehende Aktionäre anbieten. Damit holt sich das Unternehmen kein frisches Geld, und das Ganze kommt entsprechend langsamer in Schwung. Der reale Marktwert pendelt sich dann bald ein. Danach wird es einfacher, etwa gegen eigene Aktien andere Firmen zu übernehmen. Deren Eigentümer kennen dann den Wert von Spotify-Aktien.

Der Börsengang von Spotify ist schon deshalb interessant, weil es die internationale Nummer eins im Geschäft mit Musikstreaming ist. Der Dienst konkurriert mit Angeboten von Amazon und Apple sowie dem deutschen Dienst Soundcloud und Deezer aus Frankreich. Eigenen Angaben zufolge hat Spotify mehr als 60 Millionen zahlende Abonnenten und über 140 Millionen Nutzer insgesamt. Offenbar jedoch muss das Unternehmen erst noch aus den roten Zahlen kommen. Bislang wurden vor allem Verluste gemacht.

Milliardenklage belastet das Projekt

Bewertet wurde Spotify in der Finanzierungsrunde 2015 mit 8,5 Mrd. US-$. Für die Aktienplatzierung wurde zuletzt ein Börsenwert von rund 10 Mrd. US-$ angepeilt. Der Unternehmenswert liegt nach Angaben von Analysten bei gut 20 Mrd. US-$.

Ein Schatten liegt jedoch über dem Börsengang von Spotify: Ende Dezember reichte der Musikverlag Wixen eine Klage gegen das Unternehmen ein. Begründung: Es habe über 10.000 Songs ohne entsprechende Lizenzen der Komponisten bzw. Texter verbreitet. Wixen will für sie mindestens 1,6 Mrd. US-$ erstreiten.

Bleibt also abzuwarten, ob die Hoffnungen Bestand haben, mit denen Spotify bedacht wird. Als Vertreter der Tech- bzw. Internetbranche hat der letztes Jahr an der Börse gestartete Dienst Snap, der für Snapchat steht, die Anleger bislang herb enttäuscht. Eine Kombination aus hohen Verlusten und stagnierenden Nutzerzahlen könnte auch Spotify zu schaffen machen. Und das ist das Problem vieler Internetdienstleister: Irgendwann flachen die Zuwachsraten ab.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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