Sprit aus Stroh: Milliardenmarkt ohne ethischen Konflikt

Bioethanol Aktien sind wieder im Kommen. Nun geht es um neue Verfahren, die aus Agrarabfällen Fahrzeugsprit, Kerosin und Gas herstellen. (Foto: Tadeas Skuhra / Shutterstock.com)

Auf der Suche nach Renditen mit großen Zukunftsthemen wird zuweilen etwas weit gegriffen – Beispiel Energie und Mobilität. Schauten die meisten bislang auf Batteriehersteller für Elektrofahrzeuge, zeichnet sich nun der Durchbruch für die effizientere Brennstoffzelle ab. Doch auch bis zu deren reibungslosem Alltagseinsatz wird es dauern.

Neues Verfahren: Biokraftstoff aus Agrarresten

Derweil werden klassische Verbrennungsmotoren umweltfreundlicher, Stichwort Bioethanol. Aktien von Firmen, die neue Verfahren vorantreiben, haben greifbares Potenzial. Allein deshalb, weil sie am etablierten Massenmarkt der Tankstellen ansetzen. Was Bioethanol-Aktien beflügelt, ist ein EU-Fahrplan, bei dem neue Biokraftstoffe mit steigenden Anteilen Energieträgern wie Benzin aber auch Gas beigemengt werden.

Neu an der Sache: Es geht nicht mehr um Bioethanol auf Basis von Lebens- und Futtermitteln, wie Raps, Rüben oder Weizen. Dieses wird schrittweise durch Ethanol ersetzt, das zum Beispiel aus Stroh oder Holzabfällen gewonnen wird. Mit dem Biosprit aus Reststoffen erledigt sich das dringendste Problem: die unschöne Konkurrenz zwischen Treibstoff und Lebensmittel.

Obendrein ist er auch in Sachen Klimabilanz effizienter. Ethanol aus Ernteresten vermindert den CO2-Ausstoß um über 90 %. Doppelt so viel wie bisheriger Raps-Diesel. Mit Bioethanol der neuen Generation lässt sich Diesel, Benzin sowie Kerosin herstellen. Da die meisten herkömmlichen Motoren noch nicht darauf eingestellt sind, wird es zunächst dem Sprit an der Tankstelle beigemischt.

Bekannt ist das bisherige E10­-Gemisch. Neues Ziel ist E-20 mit doppelter Ladung. Hersteller wie Daimler fahren längst umfangreiche Tests. Grundlage der Herstellung sind chemische Prozesse und Mikroben. So werden Pflanzenreste erhitzt und mit Mikroorganismen angereichert, die Enzyme für den anschließenden Gärungsprozess herstellen.

Bioethanol Aktien vorm Durchbruch

Raffinerien braucht es dafür nicht. Der Grundstoff könnte sogar von landwirtschaftlichen Genossenschaften produziert werden. Der entscheidende Durchbruch zu dem Verfahren, das mit Agrarresten nahezu jeglicher Art funktioniert, ist erst vor wenigen Jahren gelungen. Der wirtschaftliche Durchbruch steht nun bevor.

Bioethanol-Aktien sind Kandidaten mit Potenzial. Dabei ist zwischen Firmen zu unterscheiden, die aus der bisherigen Parallelverarbeitung mit Lebensmitteln leben wie etwa die Südzucker-Tochter CropEnergies und denen, die auf das neue Verfahren ohne Zuckerrohr und -rüben setzen.

Der Schweizer Spezialchemiehersteller Clariant betreibt schon länger eine Pilotanlage in Straubing und wartet nur noch auf die Umsetzung politischer Rahmenbedingungen zur Investitionsförderung. Der dänische Energiekonzern Dong Energy, der vor allem Windparks betreibt, will ebenfalls synthetischen Sprit aus Pflanzenabfall gewinnen.

Der finnische Mineralölkonzern Neste, unter anderem durch seine Ölgewinnung aus Palmen bekannt, setzt vorwiegend auf die Verarbeitung von Holzresten. Als klassischer Ölanbieter und Hersteller von Bio-Kerosin kann er alles aus einer Hand anbieten. Für Anleger eine gewisse Absicherung gegen Risiken im neuen Geschäftsbereich.

Etabliert ist auch Global Energies. Das französische Biotech-Unternehmen stellt mithilfe von Bakterien eine Chemikalie her, die Grundstoff für zahlreiche Chemieprodukte und nun auch für synthetisches Hochleistungsbenzin ist.

Verbio aus Leipzig ist einer der führenden Biokraftstoff-Produzenten in Europa. Dessen Spezialität ist die Herstellung von Bio-Erdgas aus Stroh. Das solide Unternehmen wächst, verzeichnet Gewinne und zahlt Dividenden.

Sprit aus Stroh & Co. – Für Unternehmen und Anleger tut sich in Kürze ein Multimilliardenmarkt auf. Neuer Bioethanol ist die lange gesuchte grüne Ladung für klassische Motoren, und zwar ohne ethischen Zielkonflikt. Nach dem Dieselskandal um VW und andere kommt das gerade rechtzeitig.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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