Stada Aktie: Übernahme vorerst gescheitert

Im Vorfeld der Übernahme von Stada stieg die Aktie unaufhaltsam an. Der Bieterstreit mit immer neuen Runden geht nun dem Ende zu. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Immer diese Hedgefonds – jetzt haben sie auch den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven das Geschäft vermiest. Vorläufig zumindest. Die beiden waren Ende Juni nahe dran, den milliardenschweren Arzneimittelhersteller Stada aus Bad Vilbel zu übernehmen. Nun hat sich der US-Hedgefonds Elliot eingekauft und treibt sein Spiel.

Stada Aktie: Übernahme mit Pokerspielen

Das Angebot von Bain und Cinven hatte bei 66 € pro Stada-Aktie gelegen. Die Übernahme schien nur noch Formsache, als dann auf der Aktionärsversammlung die erforderliche Annahmequote von 67,5 % doch nicht zustande kam.

Hedgefonds hatten sich quergelegt, sie wollten ein noch höheres Angebot. Mutmaßlicher Strippenzieher: Elliot. Die Hedgefonds waren zuvor bei Kursen ab 66 € eingestiegen und wollten mehr. Der Deal platzte. Die Aktie rauschte erst einmal ab, legte dann aber sofort wieder zu. Am 10. Juli erreichte sie tatsächlich 65,52 €.

Denn mittlerweile haben Bain und Cinven erneut Anlauf genommen. Ihr Angebot wurde um 0,25 € aufgestockt, die Mindestannahmequote auf 63 % gesenkt und die Annahmefrist auf vier Wochen verkürzt. Gleichzeitig bemühten sie sich bei der Finanzaufsicht Bafin um Aufhebung der Sperrfrist. Die beträgt normalerweise ein Jahr und greift nach einem gescheiterten Versuch.

Der gestiegene Kurs spiegelt die Hoffnung der Anleger, dass es beim nächsten Mal klappt, den im Mdax gelisteten Hersteller von umsatzstarken Nachahmermedikamenten und freiverkäuflichen Produkten wie Paracetamol Stada oder Grippostad zu übernehmen. Doch danach war der Höhenflug beendet, die Aktie tritt auf der Stelle.

Paul Singer will abgreifen

Die Vorfreude ist getrübt, Verunsicherung macht sich breit. Zwischenzeitlich nämlich haben sich Insiderberichte verdichtet, dass bei Stada Elliott eingestiegen ist, hinter dem Paul Singer steckt. Der ließ nun bestätigen, dass er mit fast 9 % über Aktien und Optionen beteiligt ist.

Stada-Aktie seit April in AufwärtsbewegungDie Stada-Aktie ist von der politischen Situation in Russland abhängig, weshalb dem Kurs derzeit relativ wenig Potenzial eingeräumt wird.  › mehr lesen

Singer ist als aktivistischer Investor bekannt, der es versteht, im Übernahmepoker eine satte Abfindung oder ein höheres Angebot herauszuholen. An dem ganzen Poker, der nun seit über einem Jahr läuft und die Kurse treibt, hatten sich auch die früheren Bieter Advent und Permira beteiligt. Mit der jüngsten Angebotserhöhung durch Bain und Cinven aber wären sie zufrieden. Singer wiederum dürfte es schwerer haben bei der gesenkten Annahmehürde erneut zu blocken.

Bewährtes Muster

Stattdessen könnte er eine andere Karte ziehen, die schon Anfang 2014 eingesetzt hat. Damals ging es um die Übernahme des Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio durch den US-Konkurrenten McKesson. Auch die war erst an seinem Widerstand gescheitert. Erst nachdem Singer sein Aktienpaket an den Celesio-Großaktionär Haniel und Wandelanleihen an McKesson verkaufen konnte, war der Weg frei und Singer um einiges reicher.

Offenbar hat er nun Stada-Chef Willink eine Beteiligung angekündigt. Der wiederum ist erst seit wenigen Tagen im Amt und wurde an die Stelle von Matthias Wiedenfels gesetzt, der den Verkauf von Stada gegen innere Widerstände im Konzern vorantrieb.

Anleger, die in dem ganzen Bieterstreit zeitig eingestiegen sind, konnten gut profitieren. Kostete die Stada-Aktie bis 2015 höchstens 35 €, erreichte sie letztes Jahr die 50er-Marke und steht nun bei 65,34 €. Jetzt ist der Zug vermutlich erst einmal abgefahren.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt