Starbucks: Bedeutet Ende des US-Wachstums auch Ende der Aktie?

Die US-Kaffeekette Starbucks ist in den vergangenen 10 Jahren kräftig gewachsen, doch nun zeichnen sich im Heimatmarkt USA erste Sättigungstendenzen ab. Der Umsatz fiel im jüngsten Quartal mit 5,66 Mrd. US-$ knapp schwächer aus als von den meisten Analysten erwartet (5,75 Mrd. US-$).

Auch musste Starbucks seinen Gewinnausblick für das laufende Gesamtjahr 2017 nach unten korrigieren (2,05 bis 2,06 Dollar je Aktie). Entsprechend negativ reagierte die Starbucks-Aktie, die in den letzten 3 Monaten um 10 % verlor. Auf 5-Jahressicht steht freilich noch ein Kursplus von mehr als 100 % zu Buche.

Dennoch werden die ersten Anleger nervös, bewegte sich der Starbucks-Aktienkurs seit Mitte 2015 meist nur seitwärts und Starbucks steht vor der nächsten großen Herausforderung.

E-Commerce macht dem klassischen Handel das Leben schwer

Hintergrund ist der Siegeszug des Online-Handels rund um Amazon & Co, der klassische Händler zunehmend zurückdrängt. Dies mussten bereits US-Händler wie JPCPenney leidvoll erfahren, zuletzt traf es auch den Tee-Händler Teavana – eine Starbucks-Tochter.

Starbucks entschloss sich im Sommer zu einem radikalen Schritt und kündigte an, alle Teavana-Läden in den USA schließen zu wollen. Insgesamt sind 379 Teavana-Läden mit 3.300 Mitarbeitern betroffen, die weitgehend bis Frühjahr 2018 abgewickelt werden sollen. Starbucks hatte den Tee-Händler im Jahr 2012 für rund 620 Mio. US-$ aufgekauft.

Dies war aber nicht der einzige Fehlschlag von Starbucks im Handelsgeschäft. Schon in 2015 musste Starbucks alle La Boulange Bakery Niederlassungen schließen, nachdem die Kaffeekette die Backwarenkette für 100 Mio. US-$ gekauft hatte.

Analysten bei der Credit Suisse gehen davon aus, dass sich dieser negative Trend im US-Einzelhandel in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Konkret erwarten die Analysten, dass binnen 5 Jahren 20 bis 25 % aller Läden in den USA verschwinden.

Auslandsexpansion: Starbucks tritt die Flucht nach vorn

Trotz der Schließung der Teavana-Läden will Starbucks in den nächsten 5 Jahren 240.000 neue Stellen weltweit schaffen. Die neuen Jobs sollen aber vornehmlich im Ausland entstehen.

Die größten Wachstumschancen sieht Starbucks derzeit in seinem zweigrößten Markt – in China. Im Reich der Mitte ist Starbucks seit 18 Jahren aktiv und betreibt hier 2.800 Starbucks Geschäfte. Bis zum Jahr 2021 will die Kaffeehauskette die Zahl der Starbucks-Läden in China auf 5.000 nach oben schrauben.

Zur Erinnerung: In China leben rund 1,38 Milliarden Einwohner, womit der Markt im Reich der Mitte etwa vier Mal so groß ist wie der US-Markt. Auch in Indien hat Starbucks inzwischen gemeinsam mit dem Partner Tata erste Schritte getan betreibt rund 80 Läden in dem bevölkerungsreichen Land (1,32 Milliarden Einwohner).

Fazit: Starbucks wächst langsamer, das Wachstum verlagert sich zunehmend ins Ausland

Keine Frage, das Starbucks-Geschäft in den USA stößt langsam an seine Wachstumsgrenzen. Dennoch sollten Anleger nicht in Panik verfallen, nur weil sich das Wachstum in den USA verlangsamt.

Die Zukunft von Starbucks liegt im Auslandsgeschäft, insbesondere in China und in Indien. Gelingt es Starbucks mit der richtigen Strategie hier seine Umsätze und Marktanteile zu steigern, dürfte das Wachstum der weltgrößten Kaffeehauskette auch in den nächsten Jahren anhalten.

Anleger sollten auch beachten, dass Starbucks in den letzten Jahren ein solider Dividendenzahler war (aktuelle Ausschüttung: 25 Cent je Aktie) und dies voraussichtlich auch bleiben wird.

Kurzum: Trotz der jüngsten Kursschwankungen und Unsicherheiten, was das künftige Wachstum angeht, ist Starbucks mit seinem Geschäftsmodell solide aufgestellt. Damit ist die Starbucks-Aktie insbesondere für langfristig orientierte Anleger gerade nach den jüngsten Kursrückgängen einen näheren Blick wert.

22. September 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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