Startup: Definition für Investoren

Mit Startups von Anbeginn auf Skalierbarkeit und hohe Renditen setzen. Doch zur Definition eines Startups eignet sich die Börse kaum. (Foto: Gajus / shutterstock.com)

Es müssen nicht immer die Großen wie SAP oder Siemens sein. Dass kleine aufstrebende Unternehmen mit dem richtigen Riecher den Markt erobern, zeigen nicht zuletzt Zalando, Delivery Hero oder die Hotelsuchmaschine Trivago, die von Expedia übernommen wurde. Sie alle haben als Startups begonnen. Investoren und Anleger der ersten Stunde konnten hervorragend profitieren.

Startup-Definition passt kaum zur Börse

Doch was genau ist ein Startup? Per definitionem handelt es sich um ein kürzlich gegründetes Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen und hohem Wachstumspotenzial. Doch was heißt kürzlich und ab wann ist es kein Startup mehr? Eine Definition, wie sie die EU für kleine und mittlere Unternehmen bereithält, zeigt klare Abgrenzungen nach Zahl der Mitarbeiter und Umsatzgrößen.

Für Startups gibt es das in der Form nicht. Sucht man Orientierung anhand der Aufnahmekriterien im jungen Segment Scale der Frankfurter Börse, so kommt man auch nicht weiter. Hier finden sich letztlich reine KMUs, also Klein und Mittelständler, die sich bereits am Markt bewährt haben. Ein Unternehmen, das Zugangskriterien wie 10 Mio. Euro Umsatz, 20 Mitarbeiter und positiver Jahresüberschuss erfüllt, gehört nicht mehr zu dem, was man sich unter einem Startup vorstellt.

Hinzu kommt der für die Börse typische Dokumentationsaufwand, der nicht mal nebenbei zu erledigen ist. Startups, bei denen ein paar kreative Köpfe ihre frischen Ideen oft in angemieteten Bereichen von Großraumbüros zur Serienreife entwickeln, haben weder die Zeit noch die Kapazitäten, beispielsweise Insiderlisten zu erstellen, die nachweisen, wer wann und wie Zugang zu Informationen hat.

Im Segment Scale finden sich allenfalls Startups, die eigentlich keine mehr sind, weil sie an der Grenze zum Establishment stehen. Auch müssen Firmen, die noch nicht gelistet sind, zumindest Anleihen aufgelegt haben – eben weil es um ihre Kapitalmarktreife geht. Damit aber ist für viele Anleger der Reiz an der Sache verflogen.

Der liegt darin, von Anfang an auf ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial von Innovationen zu setzen. Und die sind es, die per Definition ein Startup vom Bäcker oder Hausmeisterunternehmen unterscheiden. Das Geschäftsmodell muss allerdings überzeugen und das Unternehmen muss sich in der ersten Phase seiner Geschäftstätigkeit befinden.

Bevor es sich am Markt etabliert hat, durchläuft ein Startup vier Phasen.

Die 4 Phasen eines jungen Unternehmens

Die Frühfinanzierungsphase, in der Kapital benötigt wird, um zu sehen, ob sich die Geschäftsidee bzw. das Produkt am Markt überhaupt durchsetzen können.

In der eigentlichen Startup-Phase geht es nach der Unternehmensgründung um die Fertigstellung marktreifer Produkte und deren Verbreitung. Hier werden die ersten Weichen für Produktion und Vertrieb gestellt.

Die Wachstumsphase ist von der raschen Marktdurchdringung und Vertriebserfolge geprägt.

Zalando-Aktie: Online-Händler trotz Rekordzahlen im RückwärtsgangWarum gut manchmal nicht gut genug ist, erfahren Sie in diesem Beitrag zur aktuellen Firmen-Analyse des Online-Modehändlers Zalando: › mehr lesen

Dann folgt der entscheidende Schritt, die Expansion. Sie gelingt nur, wenn sich das Geschäft im Markt verankert hat und zielt auf Weiterentwicklungen und organisches Wachstum ab.

Hohe Renditen, hohes Risiko

Gelingt die Expansion, so wird die junge Firma für Venture Capital Unternehmen interessant. Zuvor aber sind es meist Business Angels, die mit Anschubgeld sowie Rat und Tat zur Seite stehen. Den sehr hohen Risiken stehen vereinbarte Erfolgsbeteiligungen und hoch verzinste Kredite gegenüber. Geht alles gut, ein lohnendes Investment.

Abgesehen vom direkten Kontakt, bieten sich Privatanlegern Investitionsmöglichkeiten über Crowd-Investing Plattformen an. Hier kann man sich auch mit überschaubaren Beträgen beteiligen. Ein anderer Weg führt über Venture Capital Fonds.

Und Wagniskapitalgeber oder Inkubatoren, die Startups gezielt hochziehen, finden sich auch an der Börse. Im Segment Scale sind es gleich neun Beteiligungsgesellschaften. Die bekannteste hierzulande ist Rocket Internet. Der im Mdax gelistete Inkubator hat unter anderem Zalando zum Erfolg und in denselben Index verholfen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.