Startups aus Deutschland 2018: Diese 3 haben Potenzial

Auch 2018 beweisen Deutschlands Startups Innovationskraft made in Germany. Ihre anhaltende Konkurrenzfähigkeit steht noch aus. (Foto: Gajus / shutterstock.com)

Gleich ob über Crowd Investing, Venture Capital Fonds oder gar direkt – junge Unternehmen mit pfiffigen Ideen können hervorragende Anlagechancen bieten. Die Börsenkarriere von Zalando oder Delivery Hero sind nur zwei der jüngeren Erfolgsgeschichten. Auch 2018 gibt es in Deutschland zahlreiche Startups, die eines gemein haben: Sie brauchen Kapital, um ihre Innovationen am Markt zu etablieren und dann vor allem zu wachsen.

Deutschlands erfolgreiche Startups 2018

Eines der Startups, die 2018 in Deutschland an die Börse gingen, ist Nfon. Die Aktie konnte sich nach einem holprigen Börsenstart im Mai erholen und brachte seit drei Monaten über 21 %. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 200 Mio. Euro. Mit dem Anlegergeld kann das Unternehmen in Europa investieren und die Forschung und Entwicklung im Hause vorantreiben.

En Startup ist Nfon, weil es mit einer Innovation groß wird: Cloud-basierte Internet-Telefonanlagen mit bis zu 250.000 Anschlüssen findet bei immer mehr Anklang bei Unternehmen, aber auch Behörden. Kein Kabelsalat, keine Anschlüsse mit Einrichtung und Wartung, alles läuft über Internetrouter. Die Funktionen werden über eine Weboberfläche genutzt, und selbst Großkunden können sofort loslegen.

Ohne Wagniskapitalgeber hätte es Nfon nicht soweit gebracht. Und in der Tat, es ist ein Wagnis. Dass Nfon noch keine Gewinne ausweist, ist für Startups nicht ungewöhnlich. Doch wie geht es weiter mit der tollen Geschäftsidee? Immerhin dürften Größen wie Cisco, Vodafone, oder die Atos-Tochter Alcatel nicht lange zusehen und mit eigenen Angeboten kommen. Andererseits: Auch Netflix hat sich trotz aller Unkenrufe gemausert. Das Spiel ist letztlich offen.

E-Auto mit Solarzellen und Freikilometern

Ob man Nfon, das bereits 2007 gegründet wurde, noch als Startup klassifizieren möchte, sei dahingestellt. Ganz anders die Anfang 2016 ins Leben gerufene Sono Motors GmbH. Das Münchner Unternehmen hat das Zeug, die Autoindustrie auf den Kopf zu stellen, mit einem völlig neuen Elektro-Auto namens Sion. Der Clou: Es fährt zum guten Teil über Solarzellen, die den Wagen bedecken und bislang eine Strecke von 30 km ermöglichen – komplett kostenfrei.

Natürlich ist für mehr Reichweite auch eine Batterie an Bord, doch die Entwicklung schreitet voran. Insgesamt besticht das Auto durch seine unkomplizierte und günstige Bauweise. Zum Preis von 16.000 Euro liegen über 7.000 Vorbestellungen vor. Das Auto soll nächstes Jahr auf den Markt kommen.

Doch Sono Motors gilt schon 2018 als das deutsche Startup schlechthin. Das Konzept besticht: einfach, effektiv und jede Menge Freikilometer. Die Batterie kann man wahlweise mieten oder dazu kaufen. Der neue Vertriebschef Thomas Hausch, zuvor Europaleiter bei Nissan, belächelt entsprechend den überzogenen Ansatz von Tesla.

Die Finanzierung stemmt Sono Motors unter anderem über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Schon im ersten Jahr investierten Kleinanleger über 700.000 Euro für den ersten Prototyp. Aber auch hier ist nicht auszuschließen, dass Sono Motors die etablierte Konkurrenz auf eine Idee bringt, die sie letztlich mit mehr Reichweite an die Kundschaft bringen.

Zukunftsprojekt Lufttaxi fliegt bereits

Eine weitere geniale Idee, die für Aufsehen sorgt, ist der Volocopter: ein kleiner E-Hubschauber mit 18 Rotoren, der es auf eine Flughöhe von 5.000 Metern bringt und zwei Personen transportieren kann – Rettungsfallschirm inklusive. Ein Lufttaxi, das bislang nur in Dubai geflogen ist. Der erfolgreiche Test war eine Weltpremiere. Das junge Unternehmen aus Bruchsal bei Karlsruhe hat seine Mitarbeiterzahl von 20 auf 50 aufgestockt und setzt auf einen Massenmarkt der Zukunft.

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Nach Crowd-Investing und Risikokapitalgebern investiert mittlerweile auch Daimler in die GmbH, die noch weitere Multikopter-Versionen entwickelt. Der Volocopter muss eine insgesamt fünfjährige Testphase in Dubai durchlaufen. Das Emirat gehört neben Firmen wie Intel ebenfalls zum Kreis der Geldgeber. Auch Privatinvestoren sind nach wie vor willkommen.

Zahlreiche Pleiten untermauern das Risiko

Der Charme dieser Startups: Sie machen den großen Unternehmen vor, wie es einfach, günstig und robust geht. Allerdings: Sie gehören zu den Ausnahmen, die wirklich erfolgreich sind. Dabei gibt es etwa im Bereich der künstlichen Intelligenz zahlreiche anwendungsorientierte Startups, die erhebliche Schwierigkeiten mit der Finanzierung haben. Während Sion oder Volocopter griffige Vorzeigeprojekte sind, ist bei der KI der Erklärungsbedarf meist etwas größer.

Verbreitet wird die extreme Vorsicht privater Geldgeber beklagt, doch die müssen sich nicht nur ins Detail mit der Materie beschäftigen, sie gehen auch ein sehr hohes Risiko ein. Wer sich beispielsweise auf dem Startup-Ticker im Internet umschaut, liest fortlaufend von Pleiten und begrabenen Ideen, die hoffnungsvoll anfingen. Nicht wenige haben ihre Geschäftskonzepte und Innovationen in der TV-Sendung „Die Höhle des Löwen“ präsentiert, wo Erfinder und Unternehmensgründer um Risikokapital werben.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.