Startups in Deutschland: 2017 könnte zum Sprungbrett werden

Start-ups gehören zu den wichtigsten Treibern der digitalen Wirtschaft. Aber nicht nur aus dem Silicon Valley kommen bahnbrechende Erfindungen, auch in der deutschen Start-up-Szene tut sich einiges.

Allein im Vorjahr flossen in deutsche Start-ups 3,1 Mrd. € – damit liegt Deutschland auf Platz 1 in Europa. Standorte wie Berlin schlugen sogar den bisherigen Europa-Champion London, was das investierte Kapital angeht. Diese Start-ups könnten in Deutschland im Jahr 2017 für Furore sorgen:

1. Contentful – alles aus einer Hand

Herkömmliche Content Management Systeme (CMS) waren gestern, Application Programming Interface (API) ist heute. Contentful ermöglicht über eine API Inhalte zu verwalten und über verschiedene Plattformen zu verteilen. Die Berliner setzen dabei auf die Cloud und die Trennung von Inhalts- und Präsentationsansicht, wodurch Inhalte in Web- und Mobile-Apps einfacher zu integrieren sind.

Benchmark Capital und Co. gefällt die Idee. Der Dropbox-Investor investierte bereits im Frühjahr 2016 13 Mio. US-$ in das Berliner Start-up, das sich als Content Management Developer Platform positioniert. Zu den Contentful-Kunden zählen bereits Urban Outfitters, Red Bull, Jack in the Box und Nike. Der Großteil des Umsatzes (75%) wird in den USA erwirtschaftet.

2. Move24: Umziehen leicht gemacht

Vorher unter Movago bekannt, hat sich der Berliner Umzugsdienstleister inzwischen in Move24 umbenannt. Im Oktober 2016 erhielt Move24 nochmals 13 Mio. Euro von seinen Altgesellschaftern (Holtzbrinck Ventures, DN Capital, Piton Capital und Cherry Ventures), um das Wachstum weiter voranzutreiben. Damit sind bereits 23 Mio. € in Move24 geflossen.

Inzwischen ist auch die RWE-Tochter innogy als Investor mit an Bord, wodurch Move24 weitere Services anbieten kann. Laut Firmenangaben hat Move24 im ersten Jahr rund 20.000 Umzüge mit einem Buchungsvolumen von 25 Mio. € abgewickelt. In den nächsten Jahren strebt Move24 die Marktführerschaft in Zentral- und Westeuropa an.

3. Relayr: Das Internet der Dinge im Visier

Auch die in Berlin ansässige relayr gehört zu den vielversprechendsten Start-up-Unternehmen in Deutschland im Jahr 2017. Nicht umsonst steckten die Wagniskapitalgeber Kleiner Perkins und auch die Munich Re (Munich Venture Partners) in diesem Jahr 23 Mio. US-$ in das Start-up.

Relayr hat eine Plattform für das Internet der Dinge entwickelt, über die sich vernetzte Maschinen und Sensoren steuern und überwachen lassen. Zu den relayr-Kunden zählen namhafte Firmen wie Bosch, Dell und Cisco Systems.

4. Thermondo: Heizungsbau der Zukunft

Thermondo will von der Energiewende profitieren und diese aktiv mitgestalten. Das Unternehmen betreibt hierfür eine Online-Plattform für den Heizungswechsel und hat eigenen Angaben zufolge bereits über 5.000 Kunden ein CO2-ärmeres Heizen ermöglicht. Das Berliner Start-up konnte in diesem Jahr 23,5 Mio. € von Investoren einsammeln.

Thermondo gilt als eines der vielversprechendsten Start-ups im Energiesektor. Das im Oktober 2012 gegründete Start-up wird unter anderem von Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures, Picus Capital und von E.ON unterstützt. Thermondo setzt dabei auf innovative und umweltfreundliche Heizlösungen und will künftig auch Brennstoffzellenheizungen vermarkten.

5. Smava: Fintech-Pionier erhält weitere 34 Mio. US-$

Schon im Vorjahr sammelte der Berliner Kreditvergleichsdienst smava 16 Mio. US-$ ein, im September 2016 erhielt der Kreditvermittler weitere 34 Mio. US-$ von Verdane Capital, mojo.capital und bestehende Investoren.

Smava gilt als eines der vielversprechendsten Start-ups nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Smava verspricht mit seinem Online-Service den günstigsten Online-Kredit für seine Kunden. Mit 160 Mitarbeitern hat smava nach eigenen Angaben in den letzten Jahren Ratenkredite im Volumen von mehr als 1,75 Mrd. US-$ vermittelt.

6. eGym will die Fitness-Branche digitalisieren

Das Münchner Start-up eGym will die Digitalisierung der Fitness-Branche vorantreiben. Das Start-up vertreibt eigenen Angaben nach moderne Hightech-Produkte für den Fitnessmarkt. Ergänzend hierzu bietet eGym auch eine Fitness App an, wodurch Fitness-Fans ihre Übungen nach und nach abarbeiten können.

Nachdem eGym im Vorjahr bereits 15 Mio. US-$ erhielt, investierte HPE Growth Capital und Altinvestoren in 2016 weitere 45 Mio. US-$ in das Start-up.

7. Brillen.de: mit Online-Offline-Mischmodell bereits profitabel

Brillen.de möchte seine Brillen nicht nur online, sondern auch über Augenoptiker lokal vor Ort in Deutschland, Österreich, England und Spanien vertreiben. Dabei verfolgt der Optiker-Shop ein Online-Offline-Mischmodell und ist bereits über 600 Mal in Deutschland vertreten.

Anders als andere Start-ups, ist das im Jahr 2012 gegründete Familienunternehmen bereits profitabel und benötigte bislang kein Venture-Kapital. In diesem Jahr holte sich brillen.de allerdings mit Technology Crossover Ventures (TCV) einen US-Investor an Bord, der 45 Mio. € in das Start-up investierte.

8. GoEuro – neue Reisesuchmaschine nimmt Fahrt auf

Das Start-up GoEuro (gegründet in 2012) hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Berliner wollen zur Google für Reisende in Europa avancieren. GoEuro ist eine Reisesuchmaschine, die klassische Verkehrsmittel (Bus, Bahn, Flugzeug) bei den Berechnungen mit einbezieht. Ziel von GoEuro ist es, jeden Punkt auf der Karte mit nur einem Klick zu verbinden.

Die Investoren von Silver Lake Kraftwerk und Kleiner Perkins Caulfield & Byers investierten im Oktober 2016 weitere 70 Mio. US-$ in GoEuro, insgesamt flossen dem Unternehmen bislang 150 Mio. US-$ zu. Inzwischen verzeichnet GoEuro 10 Mio. Nutzer im Monat und verkauft Millionen von Bahn-, Bus- und Flug-Tickets in über 100 Ländern weltweit.

9. HelloFresh: Lebensmittellieferdienst will an die Börse

Eigentlich wollte HelloFresh, der Rezept- und Lebensmittellieferant aus dem Brutkasten von Rocket Internet, schon im Jahr 2016 an die Börse. Doch daraus wurde nichts, der geplante Börsengang wurde (vorerst) abgesagt, in 2017 könnte ein neuer Anlauf folgen.

Zuvor sammelte HelloFresh bereits 50 Mio. US-$ von Investoren ein, später in diesem Jahr nochmals 110 Mio. €, wobei hiervon 100 Mio. € von Rocket Internet kamen. Das Berliner Start-up, das inzwischen auch in den USA präsent ist, konnte im Jahr 2015 rund 69,6 Mio. € umsetzen. Im ersten Halbjahr 2016 schoss der Umsatz auf 112,5 Mio. € nach oben – ein Zuwachs von 408% gegenüber dem Vorjahr.

10. SoundCloud: Online-Musikdienst mit 175 Mio. Nutzern

Die in Berlin ansässige SoundCloud dürfte wohl das populärste Start-up in Deutschland sein, das auch in 2017 für Schlagzeilen sorgen könnte. Das Unternehmen stellt eine Online-Plattform zum Austausch und der Verteilung von Audiodateien bereit und konnte bislang 200 Mio. US-$ an Venture-Kapital einsammeln.

Nachdem der Kurznachrichtendienst Twitter in diesem Jahr mit 70 Mio. US-$ beim Berliner Musik-Dienst einstieg, soll sich auch der Musik-Streaming-Dienst Spotify für eine Übernahme von SoundCloud interessiert haben.

Kein Wunder, gilt SoundCloud mit über 175 Mio. aktiven Nutzern und gut 135 Mio. Musik-Tracks als eine der größten Musik-Plattformen der Welt. Allerdings schreibt SoundCloud noch Verluste. Durch einen neuen Abo-Dienst (Soundcloud Go) und mit Werbung wollen die Berliner raus aus den roten Zahlen.

29. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt