Status und Zukunft der Biotech-Branche

Biotechnologie ist keine Nische mehr, sondern ein großer und wichtiger Faktor im Gesundheitswesen. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Die Aktien aus den Gesundheitsbranchen Pharma und Biotech gehörten im US-Wahlkampf 2015/2016 zu den größten Verlierern.

Besonders die demokratischen Kandidaten Hillary Clinton und Bernie Sanders hatten sich dafür eingesetzt, die Preise für Medikamente zu deckeln.

Zwar ging es speziell Clinton um Medikamente von Unternehmen, die kaum oder gar nicht forschen, sondern nur fertige Wirkstoffe und Medikamente kaufen und dann die Preise kräftig erhöhen, doch das Wahlkampfthema reichte, um den Höhenflug der Pharma- und Biotech-Aktien zu beenden (2015 hatten die Biotech-Indices neue Allzeithochs erreicht).

Biotech-Aktien sind weiterhin ein klarer Kauf

Die allgemeinen Wachstumsaussichten sind in der Gesundheitsbranche weiterhin hervorragend, doch nach der langen Kursrally haben viele Investoren die Wahlkampfängste als Alibi-Grund genutzt, um die oft dreistelligen Kursgewinne durch einen Verkauf abzusichern.

Doch während viele Biotech-Werte in der Woche nach dem Trump-Sieg um 10 bis 20% zulegen konnten, stiegen die Aktienkurse der großen Pharma-Konzerne Roche, Novartis oder Pfizer „nur“ um 5 bis 11%. Trump war Kurslokomotive und Bremse zugleich.

Da er weniger stark in den Gesundheitssektor eingreifen will, erholten sich die Pharma-Werte zunächst deutlich. Doch gleichzeitig plant Trump ein riesiges, kreditfinanziertes Investitionsprogramm.

Die Angst der Investoren: Dieses Wahlkampfversprechen kann im ersten Schritt die Inflationsrate und dann im zweiten Schritt die Zins-Renditen nach oben treiben.

Steigen die Zins-Renditen, verlieren dividendenstarke Aktien im Gegenzug an Attraktivität.

Das ist der Grund, warum viele Dividenden-Stars (und dazu gehören auch die großen Pharma-Werte) nach der Trump- Wahl an der Börse gelitten haben.

Zins-Angst der Amerikaner ist übertrieben

Ich halte die extremen Zins-Ängste für übertrieben. Gerade weil Trump die Staatsverschuldung zunächst deutlich erhöhen muss, hat er kein Interesse daran, dass die Zinsen steil nach oben gehen.

Die Staatsverschuldung der USA liegt schon jetzt bei knapp 20 Billionen US-Dollar. Eine Zinsanhebung auf das früher oft übliche Niveau von 3 bis 5% kann sich die US-Regierung nicht leisten.

Das weiß auch die US-Notenbank FED und wird keinen „Zins-Krieg“ gegen die eigene Regierung starten.

Daher meine Einschätzung: Es wird in den USA mehrere kleine Zinserhöhungen geben, aber bei 1 bis 2% wird schon wieder gestoppt.

Die Zins-Renditen bleiben daher deutlich unter den Dividenden- Renditen.

Sobald sich dieser Trend verfestigt hat, werden die Dividenden- Werte (auch die Pharma-Werte mit hohen Ausschüttungen) wieder ganz oben auf der Einkaufsliste der Investoren stehen.

Da Biotech-Werte weniger stark unter der Dividenden-Diskussion leiden, haben sie aktuell die etwas besseren Aussichten.

Steuerreform kann die nächste Übernahme- Welle in der Biotech-Branche auslösen

Donald Trump hat im Wahlkampf angekündigt, dass er mit einer Steuerreform dafür sorgen wird, dass die US-Unternehmen das aus steuerlichen Gründen im Ausland „geparkte“ Geld zurück in die USA bringen.

Das Angebot: US-Unternehmen, die das Geld zurückholen, müssen darauf nur 10% Steuern zahlen.

Größter Gewinner wäre der Technologiesektor – allein Apple hat über 200 Mrd. US-Dollar „totes Kapital“ im Ausland gebunkert –, aber auch die amerikanischen Pharma-Unternehmen haben insgesamt einen dreistelligen Milliardenbetrag im Ausland gebunkert.

Die größten 6 US-Pharma-Unternehmen kommen auf knapp 100 Mrd. US-Dollar.

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Wird dieses Geld zurückgeholt, kann es für Aktienrückkäufe, Dividendenerhöhungen und – und da sehe ich nach meinen Analysen den Schwerpunkt – für Übernahmen in der forschungs- und wachstumsstarken Biotechbranche genutzt werden.

Diese These vertritt auch Dr. Christian Kock, Manager bei BB Biotech:

„Die Unternehmenssteuerreform würde auch die Rückführung von im Ausland geparkten Barbeständen in die USA befeuern. Das wiederum könnte zu einem Anstieg der Akquisitionen von Biotech-Unternehmen durch Big Pharma führen.“

Weiterhin blendende Aussichten im Bereich Biotechnologie

Biotechnologie ist keine Nische mehr, sondern ein großer und wichtiger Faktor im Gesundheitswesen, wie der folgende 20- Jahres-Vergleich zeigt:

1995 kam die Biotech-Branche erst auf einen Umsatz von 6 Mrd. US-Dollar. Innerhalb von 20 Jahren wurde dieser Umsatz auf über 130 Mrd. US-Dollar gesteigert.

Lag der Gewinn innerhalb der Branche 1995 bei 1 Mrd. US-Dollar, ist dieser Wert im Geschäftsjahr 2015 auf 23 Mrd. US-Dollar gestiegen.

Und auch die Patienten gehören zu den großen Gewinnern: So ist zum Beispiel die Heilungsrate bei Hepatitis C auf über 90% gestiegen.

Das heißt: Unternehmen, Aktionäre und Patienten profitieren vom Biotech-Boom.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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