Steuerbelastung: Deutschland belegt OECD-Spitzenplatz

Die hohe Steuerbelastung in Deutschland erklärt sich vor allem durch die Sozialabgaben. Nur in Belgien sind die Gesamtabgaben noch höher. (Foto: IhorL / Shutterstock.com)

Ein unverheirateter Angestellter in Deutschland mit Durchschnittsgehalt und ohne Kinder musste im Jahr 2016 im Schnitt 49,4 % seines Einkommens wieder abgeben.

Das ist im Vergleich zu anderen Industrieländern sehr viel und wie ein Ranking der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) aus April 2017 zeigt, ist Deutschland sogar Vize-Weltmeister beim Thema Steuerbelastung für die Bürger.

Nur in Belgien ist die Steuerbelastung noch höher als in Deutschland

Für die Berechnung wurden nicht nur die Steuern, sondern auch die Sozialabgaben betrachtet, die in Deutschland vom Lohn abgezogen werden – diese liegen in Deutschland vergleichsweise hoch. Der OECD-Durchschnitt der monatlichen Abgaben betrug 36 %, nur in Belgien liegen die Abgaben mit 54 % noch über denen in Deutschland.

Für Familien liegen die Werte besser, am höchstens sind die Abgaben hier für Alleinverdiener mit zwei Kindern in Frankreich. 40 % Steuern und Sozialabgaben gehen vom Bruttolohn ab, in Deutschland sind es für Familien 34 % und somit der 9. Platz unter allen OECD-Ländern. Betrachtet man nur die Steuerbelastung, werden in Deutschland für Alleinverdiener 15,9 % fällig.

Die Sozialabgaben sorgen für den Spitzenplatz, nicht bloß die reinen Steuerabgaben

Lässt man die Sozialabgaben außen vor, liegt Deutschland bei der reinen Steuerbelastung für eine Familie mit Alleinverdiener und zwei Kindern auf dem 32. Platz mit im Schnitt 0,7 %. Den ersten Platz bei derselben Familienkonstellation belegt bei der reinen Steuerbelastung Dänemark  mit 32 %.

Was heißt das konkret für eine Familie mit Alleinverdiener und zwei Kindern?

Bei einem Einkommen von 60.000 € werden in Deutschland nur 420 € Steuern fällig, in Dänemark hingegen 19.200 €. Für Singles liegt die reine Steuerbelastung in Deutschland bei einem Einkommen von 60.000 € bei 9.540 € (15,9 % von 60.000 €). Die Gesamtbelastung mit den Sozialabgaben liegt für Singles in Deutschland bei 29.640 € (49,4 % von 60.000 €).

Diese Betrachtung macht deutlich, dass die hohen Abgaben in Deutschland in erster Linie aus den Sozialabgaben für Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung etc. resultieren – die reine Steuerbelastung ist zumindest für bestimmte Familien geringer. Bei der Statistik wird aber das Kindergeld gegengerechnet, wodurch der sehr niedrige Wert von 0,7 % für Deutschland zustande kommt.

Private Absicherung in anderen OECD-Ländern nicht berücksichtigt

In den OECD-Ländern sind die Unterschiede beim Thema Steuerbelastung sehr groß. Während Belgien mit 54 % auf dem ersten Platz liegt, beträgt die Belastung in Chile nur 7 %. Hierbei muss allerdings bedacht werden, dass in Ländern wie den USA, Mexiko oder Griechenland zwar die Abgabenlast geringer ist, da die Sozialsysteme in diesen Ländern aber schwächer sind, müssen die Menschen mehr Geld für eine individuelle Absicherung in die Hand nehmen.

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Diese Beträge sind in der Statistik nicht berücksichtigt. Dennoch gibt es auch Länder mit vergleichbaren Sozialleistungen, die besser abschneiden als Deutschland, so zum Beispiel Schweden oder Finnland.

Wichtige Posten die die Steuerlast senken, werden nicht berücksichtigt

In der Studie werden viele Punkte, an denen die Bürger auch etwas zurückbekommen, zum Beispiel beim Thema Pendlerpauschale, doppelte Haushaltsführung oder das Absetzen von Vorsorgeaufwendungen, Kirchensteuer, Unterhaltszahlungen oder Spendenzahlungen, nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse müssen daher mit Vorsicht genossen werden, geben aber immerhin eine Richtung vor, an der die Politik beim Thema Steuersenkungen ansetzen könnte.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.