Steuereinnahmen 2018: So steht es um Deutschlands Finanzen

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Experten erwarten ein gedämpftes Wirtschaftswachstum, was sich auf die Steuereinnahmen auswirken wird. 2018 ist noch ein sehr gutes Jahr. (Foto: 88studio)

48,1 Mrd. Euro – so viel Überschuss hat der deutsche Staat alleine im ersten Halbjahr 2018 erwirtschaftet. Bereits 2017 hatten die öffentlichen Haushalte einen neuen Überschuss-Rekord erzielt.

Überdurchschnittlich hohe Steuereinnahmen im ersten Halbjahr 2018

Alleine die Steuereinnahmen beliefen sich im ersten Halbjahr 2018 auf 403,5 Mrd. Euro. Im Vergleich zum selben Halbjahr in 2017 bedeutete dies ein Plus von 5,2 Prozent. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2018 sind die Steuereinnahmen sogar um 6,6 Prozent auf 572,1 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Für das Gesamtjahr wurden ursprünglich 5,6 Prozent prognostiziert, die somit schon längst übertroffen wurden.

Das zusätzliche Geld fließt in den Staatshaushalt und soll für Entwicklungshilfe, Verteidigung und Soziales ausgegeben werden. So werden Renten- und Krankenkassenbeiträge gesenkt und Familien sollen stärker entlastet werden. Auch die Schulden der Bundesrepublik Deutschland, die bei knapp 2 Bio. Euro liegen, werden mit dem Geld getilgt.

2017 rechnete man noch mit einem Steuerplus und weiteren steigenden Steuereinnahmen für die nächsten Jahre. Neue Berechnungen des Arbeitskreis Steuerschätzungen zeigen aber, dass der Steuerboom möglicherweise bald ein Ende haben könnte. Für 2019 wird nur noch mit einer leichten Steigerung gerechnet und stagnierenden beziehungsweise nur leicht ansteigenden Zahlen für die Jahre danach.

Weshalb wachsen die Steuereinnahmen weniger stark als zunächst angenommen?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein Auslöser für niedrigere Steuereinnahmen in Deutschland dürfte die Automobilbranche sein, da nicht mehr so viele Dieselautos verkauft werden. Dies lässt die Wirtschaftsleistung schrumpfen. Auch darüber hinaus sehen Experten langsam einen Rückgang der starken Wirtschaftsleistung der letzten Jahre.

Dieser Effekt tritt weltweit ein und betrifft somit natürlich auch Deutschland. Für 2019 wird nur noch ein Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 1,6 Prozent erwartet, für 2020 liegt der Wert sogar nur noch bei 1,4 Prozent. Weltweite Handels- und Finanzkrisen wirken sich negativ auf die Weltwirtschaft aus, die ihren Höhepunkt langsam erreicht hat und bald rückläufig werden könnte.

Weitere Auslöser für die abnehmende Wirtschaftsdynamik in Deutschland

In Deutschland ist die gesamte Exportindustrie betroffen, die weniger stark wachsen wird als in den letzten Jahren. Dies liegt unter anderem an dem Konflikt zwischen China und den USA, der sich auch auf Deutschland auswirkt. Fachkräftemangel in Deutschland könnte ein weiterer Faktor sein, der die Wirtschaft ausbremst und somit auch zu sinkenden Steuereinnahmen führt.

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Zwar sind die Aussichten für Deutschland insgesamt immer noch gut, das Wachstum könnte sich jedoch in der Zukunft etwas verlangsamen, was sich auch auf die Steuereinnahmen auswirken wird. Der Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat daher im November 2018 die Bundesregierung dazu aufgerufen, schon jetzt Rücklagen für Zeiten mit niedrigeren Steuereinnahmen anzulegen, da diese mit Sicherheit kommen werden.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.