Einkommenssteueränderung: Die Altersvorsorge im Fadenkreuz

Euro Dieb – shu FotoDuets

Klammheimlich hat die GroKo kurz vor Neujahr eine drastische Steuereinschränkung durchgesetzt. Und dieses neue Gesetz bedroht nun die private Altersvorsorge aller Bürger. Wehren Sie sich jetzt! (Foto: FotoDuets / Shutterstock.com)

Das große Medienecho blieb aus, als die Groko – taktisch klug zwischen den Feiertagen – einen Angriff auf die private Altersvorsorge unternahm. Im Bundesgesetzblatt erschien am 30. Dezember 2019 ein Gesetz „Zur Einführung einer Pflicht zur Mitteilung grenzüberschreitender Steuergestaltungen“.

Hinter diesem Namensmonstrum verstecken sich vor allem zwei wichtige Punkte, die einen Großteil der Bevölkerung betreffen. Zum einen können „Totalverluste“ nur noch bis zu maximal 10.000 Euro mit Gewinnen aus Kapitalanlagen desselben Jahres verrechnet werden. Und zum zweiten werden die Verluste aus Termingeschäften, beispielsweise beim Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen, nur noch zu 10.000 Euro anerkannt.

Kombiniert betreffen diese Punkte fast jeden Anleger, der sich mit der privaten Altersvorsorge beschäftigt. Denn auch als Kleinanleger muss jederzeit mit einem Totalverlust kalkuliert werden – nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Anleihen.

Gesetz schon halb in Kraft – Petition unterschreiben

Wer jetzt denkt, dass dieses Gesetz erst in einigen Jahren in Kraft treten wird, erlebt nun eine böse Überraschung. Der zweite Punkt, der Termingeschäfte beschränkt, ist bereits seit dem 1. Januar 2020 in Kraft, die Einschränkung der Anrechenbarkeit von Totalverlusten folgt ein Jahr später.

Doch gibt es noch eine Möglichkeit, die Einschränkungen für Anleger zu kippen. Wir, der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, haben eine Petition mitbegründet, in der wir fordern, die betreffenden Passagen ersatzlos zu streichen.

Hier gelangen Sie zu dieser Petition.

Was bedeutet die Änderung des Einkommenssteuergesetzes?

Werden Forderungen in Zukunft „uneinbringlich“, sei es aus Aktien als auch gerade beim Handel mit Anleihen, müssen Sie diese komplett abschreiben. Steigen die anrechenbaren Totalverluste auf einen Betrag über 10.000 Euro – und diese Summe ist bei der Altersvorsorge schnell erreicht – können Sie diese Verluste nicht mehr mit den Gewinnen anderer Anlagen oberhalb dieser 10.000 Euro verrechnen. Die Gewinne müssen dann mit dem vollen Satz versteuert werden.

Das heißt einfach gesagt: Aktien und Anleihen werden ab sofort deutlich riskanter und unattraktiver, denn die Absicherung Ihres Vermögens wird durch die GroKo erschwert – ein Unding gerade für das deutsche Rentensystem, bei dem nur die private Vorsorge vor der Altersarmut schützt.

Absicherungen des Vermögens – der Fiskus greift zu….

Viele Anleger haben in der Vergangenheit auf Optionsscheine gesetzt, um ihr Aktienvermögen abzusichern. Diese werfen bei fallenden Kursen Gewinne ab. Steigen die Aktienkurse hingegen wie erhofft, kann es bei den Optionsscheinen zum Totalverlust kommen. Die Begrenzung bei Termingeschäften schadet dieser Form der Absicherung gewaltig.

Aktuell bieten viele Emittenten und Banken an, Optionsscheine kurz vor dem Totalverlust für einen symbolischen Geldbetrag (meist dem Bruchteil eines Cents) zu verkaufen. Diese Verluste müssten an sich voll anerkannt werden, allerdings schreitet auch hier die GroKo ein.

Im Gesetz fasst man sich vage: „(…) Die Regelung erfasst daher auch Veräußerungstatbestände, die zu Gestaltungszwecken abgewickelt werden, also insbesondere dann vorgenommen werden, wenn sich das Solvenzrisiko bereits ganz oder teilweise realisiert hat.“

Das heißt: Der Bund unternimmt alles dafür, um künftig selbst diese Restwertverkäufe zu unterbinden. Ob er sich damit letztlich durchsetzt, ist noch offen.

Daher haben wir, der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, eine Petition mitbegründet, mit der wir fordern, die betreffenden Passagen ersatzlos zu streichen.

Hier gelangen Sie zu dieser Petition.

Unser Experte Janne Jörg Kipp von “Der Deutschen Wirtschaftsbrief” sagt dazu:

“Steuersystematisch ist es aus meiner Sicht unzulässig, Gewinne und Verluste aus ein und derselben Einkunftsart unterschiedlich zu behandeln. Im Kern will der Staat nach „Leistungsfähigkeit“ besteuern. Wie sich die unterschiedliche Behandlung von Gewinnen und Verlusten in diese Sichtweise eingruppieren soll, erschließt sich mir nicht.

Zudem zahlen Sie dann in vielen Fällen Steuern auf Gewinne, die Sie gar nicht erzielt haben. Wenn Sie rechnerisch etwa 20.000 Euro Gewinn erzielen und 15.000 Euro Verlust (durch Absicherungsstrategien beispielsweise), würden Sie bis dato auf 5.000 Euro Gesamtgewinn Steuern zahlen. Nach der neuen Regelung würden indes Steuern auf 10.000 Euro fällig (20.000 Euro ./. 10.000 Euro Maximalanerkennung). Sie zahlen also Steuern auf 5.000 Euro, die keinen Gewinn darstellen. Rechnerisch könnten Sie sogar Steuern zahlen müssen, auch wenn Sie insgesamt Verluste erwirtschaftet haben.

Deckel bei der Anerkennung von Totalverlusten

Zudem werden Totalverluste bei anderen Wertpapieren wie Aktien steuerlich auf nur noch 10.000 Euro begrenzt. Auch hiergegen führe ich ähnliche Argumente ins Feld.

Allein die unterschiedliche Besteuerung von Gewinnen und (Total-)verlusten ist steuersystematisch nicht haltbar. Zudem wird die Aktienkultur bei uns in Deutschland massiv beschädigt, da sich zahlreiche Anleger möglicherweise zurückziehen werden.

Zumindest aber wird das Börsenkapital dem deutschen Mittelstand sukzessive entzogen, wenn Anleger fürchten müssen, im Fall solcher Totalverluste steuerlich schlechter gestellt zu sein. Die Flucht in „große“ und vermeintlich sichere Aktien und Anleihen wird größer.

Daher empfehle ich Ihnen, sich der Petition, die wir mitbegründet haben, anzuschließen. Hier gelangen Sie zu dieser Petition.”

Altersvorsorge Symbolbild Münzstapel_shutterstock_746139745_Khongtham

5 Gründe für die Altersvorsorge mit ImmobilienEine Altersvorsorge mit Immobilien ist sinnvoll. 5 Gründe für Privatanleger, eine private Zusatzrente mit Immobilien aufzubauen.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz