Stripe: Wann geht das 20-Milliarden-Dollar-Projekt an die Börse?

Der Börsengang von Stripe lässt noch auf sich warten - zum Leidwesen der Anleger, für die der Fintech-Star durchaus interessant wäre. (Foto: Piotr Swat / shutterstock.com)

Fintech-Firmen haben Anlegern in den letzten Jahren ansehnliche Kurszuwächse beschert. Die Aktien von PayPal, Square und Wirecard haben sich in den letzten 1 bis 2 Jahren teilweise mehr als verdoppelt.

Ein Fintech-Unternehmen, das Analysten und Anleger gerne an der Börse sehen würden, ist Stripe. Doch die beiden Stripe-Gründer Patrick und John Collison zieren sich noch. Erst im September 2018 nahm Stripe im Rahmen einer weiteren Finanzierungsrunde rund 245 Mio. US-$ von Investoren auf – damit wird das Start-up mit rund 20 Mrd. US-Dollar bewertet.

Trotz der jüngsten Kapitalaufnahme glauben viele Wall Street Beobachter, dass Stripe früher oder später den Gang an die Börse wagen wird. Für Anleger stellt sich hier die Frage: Was steckt hinter dem Start-up, dass mit 7 Zeilen Computercode Online-Zahlungen für Geschäfte ermöglicht?

Stripe – Was steckt hinter dem Fintech-Spezialisten?

Stripe ist ein Online-Zahlungsspezialist, der bereits im Jahr 2010 von den beiden irischen Brüdern John und Patrick Collison gegründet wurde. Das Softwareunternehmen hat seinen Hauptsitz in San Francisco/USA.

Stripe stellt eine Software-Plattform bereit, über die Web-Entwickler einfach und schnell Online-Zahlungsprozesse in Web-Seiten und Mobile Anwendungen (Apps) integrieren können. Unternehmen können mithilfe von Stripe Online-Zahlungen via Kreditkarte und in verschiedenen Fremdwährungen annehmen. Weitere Softwaretools (Radar) sollen betrügerische Transaktionen unterbinden.

In den letzten Jahren hat Stripe sein Serviceangebot ausgebaut und bietet inzwischen auch Abrechnungsprodukte für Online-Unternehmen an. Firmenkunden können z.B. auch Abos über die Stripe-Plattform verwalten. Mit Sigma bietet Stripe Datenanalysewerkzeuge an. Mit Atlas hat das US-Softwarehaus eine Plattform ins Leben gerufen, über die Start-ups ihr Internet-Geschäft in den USA aufbauen können.

Seit Mitte 2018 können Firmen über Stripe auch Mastercard- und Visa Kreditkarten herausgeben. Zwar können Stripe-Kunden Zahlungen in verschiedenen Währungen annehmen, allerdings hat Stripe die Akzeptanz von Bitcoin-Zahlungen im Frühjahr 2018 gestoppt.

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Wie verdient Stripe sein Geld?

Stripe baut Infrastrukturen für große Tech-Unternehmen wie Google und Microsoft, so dass diese Firmen über ihre Dienste (Google Play, Microsoft Pay) Online-Zahlungen abwickeln können. Zu den Kunden zählen auch Uber, Spotify, SAP, Lyft und Salesforce.com, die Stripe für die elektronische Zahlungsabwicklung nutzen.

Stripe erzielt Umsätze, indem das Unternehmen Zahlungsgebühren erhebt, die von Land zu Land unterschiedlich sind. Diese bewegen sich z.B. in den USA bei 2,9 % der Transaktionssumme. Inzwischen wickelt Stripe Milliarden an Zahlungsvolumen jährlich für seine Kunden ab. Analysten schätzen den Umsatz von Stripe auf 1,5 Mrd. US-$ im Jahr 2017.

Fazit: Stripe plant aktuell (leider) keinen Börsengang

Stripe hat Online-Zahlungen für Firmen demokratisiert. Mithilfe von Stripe kann de facto jedes Unternehmen Online- oder Kreditkartenzahlungen annehmen. Stripe hat damit einen wertvollen Beitrag geleistet, wenn es um die Digitalisierung von Zahlungsprozessen geht.

Entsprechend erfolgreich war Stripe in den letzten Jahren. Inzwischen nutzen mehr als 100.000 Firmen die Zahlungsplattform, die Zeichen stehen klar auf eine weitere Expansion. Stripe möchte in den nächsten Jahren noch weiter international wachsen, nachdem man derzeit elektronische Zahlungsabwicklung in rund 130 Ländern anbietet.

Fast schon jährlich rechnen Wall Street Beobachter damit, dass Stripe einen Börsengang wagt. Nicht nur für Großinvestoren, sondern auch für Privatanleger wäre die Fintech-Firma aufgrund seiner Wachstumsstärke interessant.

Doch Stripe-Managerin Claire Hughes winkt im Interview mit dem Fortune-Magazin ab. Derzeit hat Stripe „keine Pläne“ für einen Börsengang, so Hughes, die für das operative Geschäft bei Stripe verantwortlich ist. Anleger werden sich also noch gedulden müssen bis Stripe an die Börse kommt.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands